
Kreis Lippe/Detmold. Der Kreisverband Lippe von Bündnis 90/Die Grünen hat am vergangenen Samstag, 10. Oktober, die personellen Weichen für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 25. April 2027 gestellt.
Bei einer gut besuchten Wahlversammlung im Hangar 21 in Detmold bestimmten die Mitglieder ihre Kandidaten für die drei lippischen Wahlkreise. Am Ende stand ein eindeutiges Ergebnis: Julia Eisentraut, Wiebke Kopsieker und Julian Moritz Müller wurden jeweils einstimmig nominiert.
Eröffnet wurde die Versammlung von Kreisverbandssprecher Nik Riesmeier. Angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen hob er insbesondere die Entwicklung der Partei vor Ort hervor. Der Kreisverband zähle inzwischen 621 Mitglieder und verzeichne damit einen deutlichen Zuwachs.
„Ich freue mich sehr, dass wir mit 621 Mitgliedern einen erfreulichen Zuwachs zu verzeichnen haben. Das ist in diesen politisch und gesamtgesellschaftlich herausfordernden Zeiten ein wichtiges Signal“, sagte Riesmeier. Vor vier Jahren habe der Kreisverband noch weniger als 400 Mitglieder gehabt.
Wahlkreis 99/III
Für den Wahlkreis 99/III mit den Städten und Gemeinden Augustdorf, Detmold, Horn-Bad Meinberg, Schieder-Schwalenberg und Schlangen kandidierte die Landtagsabgeordnete Julia Eisentraut. Die 33-jährige Informatikerin hatte sich bereits im Juni das Votum ihres Kreisverbandes für eine Kandidatur auf der Landesliste gesichert.
In ihrer Bewerbungsrede stellte Eisentraut den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt. Vielfalt müsse verteidigt und gestärkt werden, betonte sie. „Wir müssen wieder auf Augenhöhe miteinander sprechen. Politik muss niederschwellig sein und alle Menschen erreichen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Rechtsextremisten unsere Heimat vereinnahmen.“
Wahlkreis 97/I
Im Wahlkreis 97/I, zu dem Bad Salzuflen, Lage, Leopoldshöhe und Oerlinghausen gehören, bewarb sich Wiebke Kopsieker um die Kandidatur. Die Kreisverbandssprecherin, Kreistagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bad Salzuflen begründete ihre Kandidatur mit dem Anspruch, Verantwortung zu übernehmen.
„Warum ich das tue? Weil ich überzeugt bin: Gerade jetzt ist der Moment, aufzustehen und anzutreten für ein starkes NRW“, sagte die Diplom-Psychologin.
Inhaltlich setzte Kopsieker drei Schwerpunkte. An erster Stelle stehen für sie bessere Chancen für Kinder und Jugendliche. Alle Schulen in Lippe müssten personell gut ausgestattet werden, zudem dürfe kein Kind bei der Förderung zurückgelassen werden. Als zweiten Schwerpunkt nannte sie die Frauenpolitik. Frauen seien in vielen Gremien weiterhin nicht ausreichend vertreten, wodurch ihre Perspektiven zu wenig berücksichtigt würden.
Zudem liege der Großteil der Care-Arbeit nach wie vor bei Frauen. Alleinerziehende, meist Mütter, seien zudem besonders häufig von Armut betroffen. Darüber hinaus warb sie für eine Stärkung der Kommunen. Notwendig seien passgenaue Förderprogramme, sanierte Straßen, funktionierende Bahnverbindungen, gut ausgestattete Kindertagesstätten und handlungsfähige Städte und Gemeinden. „Das Land setzt den Rahmen für die Politik vor Ort“, erklärte Kopsieker.
Wahlkreis 98/II
Für den Wahlkreis 98/II mit Barntrup, Blomberg, Dörentrup, Extertal, Kalletal, Lemgo und Lügde sowie der zum Kreis Herford gehörenden Stadt Vlotho trat Julian Moritz Müller an. Der 26-jährige Sozialarbeiter setzte sich in seiner Rede kritisch mit dem Erstarken populistischer Strömungen auseinander.
„Oft weicht die Politik der Vernunft einem reinen Bauchgefühl. Das sehen wir schmerzlich in anderen Bundesländern“, sagte Müller. Dass Nordrhein-Westfalen derzeit anders dastehe, sei auch der Arbeit der schwarz-grünen Landesregierung zu verdanken.
Zugleich sprach er sich für ein „progressives Weiter-so“ aus. Gemeint seien neue Ideen und mutige Entwicklungen, die jedoch von einer Kultur des Respekts getragen würden. Einen weiteren Schwerpunkt setzte Müller beim Bevölkerungsschutz.
Aufgrund seiner Erfahrungen bei Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz sehe er die Notwendigkeit, den Zivil- und Katastrophenschutz an die Folgen des Klimawandels sowie an hybride Bedrohungen anzupassen. Ziel müsse eine widerstandsfähigere Gesellschaft sein, die insbesondere die Schwächsten schütze.
„Lasst uns gemeinsam zeigen, dass Vernunft, Empathie und Mut die beste Antwort auf die Krisen unserer Zeit sind“, appellierte er an die Versammlung.
Nach den Vorstellungsreden votierten die Mitglieder einstimmig für alle drei Bewerber. Kreisverbandssprecher Nik Riesmeier wertete das Resultat als starkes Signal für die bevorstehende Wahlauseinandersetzung. „Das ist ein ganz starkes Ergebnis. Ich freue mich auf einen tollen Landtagswahlkampf mit euch“, sagte er nach der Verkündung der Ergebnisse.





