Der Song „Aquarius / Let the Sunshine In“ gerät furios. Wir reisen in die 60er/70er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurück und erleben ein Woodstock-Revival. (Text/Fotos/Videoclip: Hajo Gärtner)

Lage. Der Gospelchor Lage konzertiert in der vollen Kirche zu Stapelage. Das Herausragende an diesem Konzert: Das Publikum macht begeistert mit, wie mein Videoclip beweist. »Let the Sunshine in«: Diese fetzige Passage aus dem Musical »Hair« hat den Rhythmus, bei dem jeder mitmuss. Neu im musikalischen Programm des Gospelchores und gleich ein Volltreffer. Das Ding als letzten Song zu präsentieren, ist ein gelungener Coups von Chormaster Reiner Weber, emeritierter Altmeister der Musikhochschule Detmold. So macht er das Kirchenschiff zur Musikhochschule Stapelage, den Chor und das Publikum zu seinen begeisterten Studenten.


Natürlich war damit noch lange nicht Schluss: Die Zuhörer verlangten zwei Zugaben: »I will follow him« und »Rock my Soul«. »Manfred, Manfred«, rief es von der Empore, und gemeint war der Solist Manfred Kalkreuter, der sich nicht zwei Mal bitten ließ. Mit ihm sowie Asami Horie-Weber, Helmut Mühlenmeier und Elmar Wöstenfeld brachte der Chor ein zugkräftiges Solisten-Team an den Start.

Sollen wir hier das Programm herbeten? Nur soviel: Der Chor entfernt sich weit von reiner Gospelsong-Literatur und zelebriert den King of Pop (Michael Jackson, »Heal the World«) genau so inspiriert wie Musical-Highlights aus »Der König der Löwen« (»Can You Feel the Love Tonight«), »Hair« (»Aquarius/Let the Sunshine in«) und »The Greatest Showman« (»A Million Dreams«). Überhaupt belohnte das Insider-Publikum die neuen Wagnisse (zum Beispiel »Thankful«) mit trampelndem Applaus.

Was lernen wir daraus? Es lohnt sich, Neues zu wagen, auch für einen ausgesprochenen Traditionschor. Das Publikum zeigt seinen Dank nicht nur mit »Standing Ovations« und fettem Applaus, sondern füllt den Hut auch mit mehr als 1600 Euro Inhalt. 1300 davon spendet der Chor der Kirchengemeinde Stapelage für die Renovierung des Kirchturms. Schließlich stellt die Gemeinde dem Chor den Probenraum zur Verfügung, ohne den der Chor heimatlos wäre.

Das Konzert füllte nicht nur die angekündigte Zeitspanne von 65 Minuten, sondern satte 90 Minuten, in denen das Publikum nicht müde wurde, die rund 30 Sänger auf der Bühne (einige neue Männerstimmen) stimmgewaltig zu unterstützen und den Swing der Choristen in die Zuhörerbänke zu übertragen.

Auch die Herren geben alles: Sie haben Zuwachs bekommen und können den Damen ein solides Bass/Bariton-Fundament bieten, auf dem die sich in jene schillernden Höhen schrauben, die nur hellen Sopranstimmen zugänglich sind.