Detmold. Nach mehreren Monaten intensiver Vorbereitung hat Bürgermeister Frank Hilker die Absolventen der neuen Detmolder Stadtführerausbildung offiziell im Kreis der Stadtführer willkommen geheißen.
Hinter den Teilnehmern liegt ein außergewöhnliches Ausbildungsprogramm, das historische Recherche, kreative Perspektivwechsel und realitätsnahe Prüfungssituationen miteinander verband.
Den Startschuss für die Ausbildung gab die Stadt Detmold im April. Mehr als 40 Interessierte nahmen am ersten Informationstreffen teil. Anschließend begann ein umfangreiches Ausbildungsprogramm, das die künftigen Stadtführer mit Geschichte, Kultur und Vermittlungstechniken vertraut machte.
Ein wichtiger Baustein war die Arbeit im Stadtarchiv. Unter der Anleitung von Archivleiterin Dr. Bärbel Sunderbrink recherchierten die Teilnehmer zur Geschichte Detmolds. Darüber hinaus stellte jeder Teilnehmer einen persönlichen Lieblingsort in der Stadt vor. Im Mittelpunkt standen dabei nicht historische Daten und Jahreszahlen, sondern individuelle Geschichten und persönliche Zugänge zu den jeweiligen Orten.
Besonders kreativ wurde es bei den sogenannten Erlebnisführungen. Dabei wechselten die Teilnehmer bewusst die Perspektive und schlüpften in ungewöhnliche Rollen. So erzählten sie die Geschichte der Stadt etwa als Stallbursche im Pferdekutscherhaus, als Kastanie im Schlosspark, als Wind in den Bäumen des Palaisgartens oder sogar als Biene im Schlosspark, Kieselstein im Palaisgarten oder als Kamera eines Touristen.
Ergänzt wurde die Ausbildung durch theoretische Einheiten in der Stadtbibliothek. Zudem konnten die Teilnehmer kostenfrei an den öffentlichen Stadtführungen teilnehmen und dabei praktische Erfahrungen sammeln. Besonders bemerkenswert: Die engagierteste Teilnehmerin besuchte insgesamt 14 Führungen.
Zum Abschluss mussten die angehenden Stadtführer ihr Können in einer praktischen Prüfung unter Beweis stellen. In vier Gruppen übernahmen sie jeweils einen etwa 15-minütigen Abschnitt einer Stadtführung. Welche Station sie präsentieren und vor welchem Publikum sie sprechen würden, erfuhren sie erst unmittelbar vor Beginn. Die Zuhörer reichten dabei von Schulklassen über Seniorengruppen bis hin zu einem Junggesellenabschied.
Zusätzlich hatten die Organisatoren verschiedene Alltagssituationen eingebaut, mit denen Stadtführer regelmäßig konfrontiert werden können: Ein Gast musste dringend eine Toilette aufsuchen, ein anderer knickte vermeintlich um, Handys klingelten oder Besucher traten als selbsternannte Experten auf.
„Wer in so einem Moment ruhig bleibt, die Gruppe zusammenhält und trotzdem seine Geschichte zu Ende erzählt, der kann führen“, erklärte Bürgermeister Frank Hilker. Die Stadtführerinnen und Stadtführer seien für viele Besucher das Gesicht Detmolds. „Wer Detmold zum ersten Mal besucht, erinnert sich später selten an Jahreszahlen. Er erinnert sich daran, wie ihm die Stadt erzählt wurde.“
Mit den neu ausgebildeten Kräften möchte die Stadt ihr touristisches Angebot weiter ausbauen. Die klassische Altstadtführung soll weiterhin erhalten bleiben. Ergänzend sind jedoch neue, persönliche und erlebnisorientierte Formate geplant, die auch Menschen ansprechen sollen, die bislang keine Stadtführungen besucht haben.
Hilker dankte abschließend allen Beteiligten, die das Projekt ermöglicht haben. Sein Dank galt dem Ausbildungsteam, dem Stadtarchiv, der Stadtbibliothek sowie den erfahrenen Stadtführern, die ihre Führungen für die neuen Kollegen geöffnet und begleitet haben.




