
Kreis Lippe. Lippe gehört zu den wasserreichsten Regionen Nordrhein-Westfalens. Zahlreiche Bäche, Flüsse, Teiche und Seen prägen die Landschaft. Nach dem trockenen Sommer erholen sich die Pegelstände derzeit nur langsam. Gleichzeitig arbeiten Kreisverwaltung und Land weiter daran, die heimischen Gewässer ökologisch aufzuwerten.
Eine wichtige Grundlage dafür bildet die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die im Jahr 2000 europaweit einheitliche Ziele für den Zustand von Gewässern und Grundwasser festgelegt hat. Während früher vor allem die Reinhaltung der Gewässer im Mittelpunkt stand, richtet sich der Blick heute verstärkt auf die ökologische Entwicklung von Flüssen und Bächen.
„Vor 40 Jahren stand vielfach die Reinhaltung der Gewässer im Vordergrund. Heute liegt der Fokus nicht nur auf der Verbesserung der Wasserqualität, sondern insbesondere auf der Entwicklung des ökologischen Potentials der Gewässer“, erklärt Rüdiger Kuhlemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises Lippe.
Für die Umsetzung der Richtlinie veröffentlichte das Land Nordrhein-Westfalen 2010 erstmals einen Bewirtschaftungsplan für die Gewässer. Dieser wurde inzwischen mehrfach fortgeschrieben. Die nächste Planungsperiode für die Jahre 2028 bis 2033 soll bis Ende 2027 vorliegen.
Im Kreis Lippe wurden im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie 50 Gewässer mit einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern untersucht. Die Ergebnisse zeigen Fortschritte: Aktuell erreichen 62,3 Kilometer beziehungsweise 10,3 Prozent der bewerteten Gewässer einen guten ökologischen Zustand. Im Jahr 2012 lag dieser Anteil noch bei weniger als fünf Prozent.
„Damit liegen wir leicht über dem deutschen Durchschnitt, der mit acht bis zehn Prozent angegeben ist“, sagt Jürgen Benning von der Unteren Wasserbehörde.
Noch besser fällt die Bilanz beim chemischen Zustand aus. Rund 81 Prozent der lippischen Gewässer erfüllen dort die geforderten Kriterien. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie inzwischen bei zehn Gewässern erreicht, darunter an der Strothe, der Kalle und der Passade.
Als wichtigen Erfolgsfaktor nennt Benning das Beschäftigungsprojekt „Wasser im Fluss“. Dabei engagieren sich Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt für die Entwicklung und Pflege der Gewässer. Seit Beginn des Projekts wurden bereits rund 600 Maßnahmen umgesetzt, weitere 100 sind geplant.
Der ökologische Zustand eines Gewässers wird unter anderem anhand der Artenvielfalt von Fischen, Insekten und Algen bewertet. Als Maßstab dienen vergleichbare Gewässer, die kaum von menschlichen Eingriffen beeinflusst wurden. Für die Bewertung des chemischen Zustands untersucht das Landesumweltamt zudem die Konzentration von 50 ausgewählten Schadstoffen. Nur wenn die festgelegten Grenzwerte eingehalten werden, gilt ein Gewässer als in gutem Zustand.
Trotz der bereits erzielten Fortschritte bleibt die Entwicklung naturnaher Gewässer eine langfristige Aufgabe. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich die Anstrengungen zum Schutz und zur Aufwertung von Bächen und Flüssen in Lippe zunehmend auszahlen.



