Präsentieren die Jahresbilanz für den Arbeitsmarkt 2025 und eine Prognose für 2026 in Lippe: (von links) Agenturleiter Heinz Thiele, Bereichsleiterin Birgit Bach sowie Geschäftsführerin operativ(er Bereich) und stellvertretende Agenturleiterin Vera Ehrlich-Speckbrock. Foto: Reiner Toppmöller

Kreis Lippe. Als neues Team des Zusammenschlusses der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn stellten Agenturleiter Heinz Thiele, Bereichsleiterin Birgit Bach sowie Geschäftsführerin operativ(er Bereich) und stellvertretende Agenturleiterin Vera Ehrlich-Speckbrock erstmals die Jahresbilanz des lippischen Arbeitsmarktes 2025 und einen Ausblick für 2026 vor.


Heinz Thiele freute sich zu Beginn der Pressekonferenz darüber, dass die Fusion der beiden Agenturen mit Hauptsitz in Paderborn noch zu seiner aktiven Zeit gekommen sei. Er wird noch in diesem Jahr in den Ruhestand gehen.

Rückblick auf 2025

Die Konjunkturflaute hat den Arbeitsmarkt im Kreis Lippe auch 2025 spürbar belastet, sodass die Lage weiter angespannt bleibt. Der Bericht zur Jahresbilanz zeigt auf, dass im Jahr 2025 11.350 Menschen in Lippe arbeitslos waren. Das sind 1.026 Personen beziehungsweise 9,9 Prozent mehr als 2024.
Damit ist die Arbeitslosigkeit im Kreis im Vergleich zum Vorjahr von 5,5 Prozent um 0,6 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Menschen über 50 (plus 10,6 Prozent auf 3.918 Personen), Langzeitarbeitslose (plus 9,6 Prozent auf 4.972 Personen) und die unter 25-Jährigen (plus elf Prozent auf 1.215 Personen). Auch die Zahl ausländischer Arbeitsloser nahm deutlich zu: plus 16,3 Prozent auf 3.350 Personen.
„Die hinlänglich thematisierte Konjunkturlage sorgt dafür, dass die Arbeitslosigkeit ausgehend vom vergleichsweise niedrigen Niveau im Jahr 2022 das dritte Mal im Jahresdurchschnitt zunimmt. Es wird für Arbeitslose und Arbeitssuchende schwieriger, eine neue angemessene Stelle zu finden“, so Heinz Thiele.
Jedoch betonte er auch, dass das Bestreben der Arbeitgeber, ihre Fachkräfte zu halten, eine noch höhere Arbeitslosigkeit verhindert habe. Gleichzeitig sei aber auch die Meldung neuer Arbeitsstellen deutlich zurückgegangen und habe den Tiefpunkt der vergangenen 15 Jahre erreicht.
Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit seien Ungelernte und Helfer. Im Gegensatz dazu werde es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden und in freie Stellen zu vermitteln. Die durchschnittliche Vakanzzeit für offene Stellen stieg auf 169 Tage. Vor zehn Jahren waren es noch 64 Tage.
„Aus- und Fortbildung sind deshalb nach wie vor sehr wichtig, gehen aber bei den Arbeitgebern leider zurück. Wir als Agentur für Arbeit können die Arbeitgeber dabei aber in vielerlei Hinsicht finanziell unterstützen. Für das Jahr 2026 sind dafür ausreichend Mittel da. Auch Kurzarbeit hilft, Fachkräfte zu halten“, sagte Thiele.
Er appellierte zudem an die Arbeitgeber, Helfer oder Ungelernte nicht einfach zu entlassen, sondern die Möglichkeiten der Arbeitsagentur für Fort- und Ausbildung in Anspruch zu nehmen. Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit herrsche eine hohe Dynamik am Arbeitsmarkt, erläuterte Vera Ehrlich-Speckbrock. So deckten sich Zug- und Abgang der Arbeitslosen fast identisch.
Der Zugang von Meldungen offener Stellen ist seit dem Höchststand im Jahr 2011 um fast die Hälfte auf 4.631 Stellen gefallen. Der Stellenbestand ging am Ende des Jahres im Vergleich zum Januar (347) nach zwischenzeitlichen Anstiegen im Februar und August auf 312 Stellen zurück. Bis Juni waren mehr Betriebe in Kurzarbeit als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotz der konjunkturellen Schwäche stieg die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2025 um drei Prozent weiter an.
Bei den Branchen steht der Handel ganz weit oben, was unter anderem mit der Ansiedlung von Amazon in Belle zu tun haben könnte. Verlierer sind die Metall- und Elektroindustrie und die Arbeitnehmerüberlassungen (Leiharbeiter). Der Bereich Heim- und Sozial- sowie Gesundheitswesen zeigt dagegen eine Zunahme von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auf.
Das zeigt auch der Vergleich geringfügig Beschäftigter. Dort besitzt der Handel eine Zunahme von 2,8 Prozent und der Dienstleistungsbereich von 4,3 Prozent. Dementsprechend fällt die Quote in der Metall- und Elektroindustrie auf minus 8,8 Prozent.

Deutlich wiesen die Vertreter der Arbeitsagentur auf die zu erwartende demografische Lücke hin. Demnach fehlen schon bis zum Jahr 2035 rund 21.000 Fachkräfte.

Um dem entgegenzuwirken, empfehlen die drei Agenturspitzen den Arbeitgebern positive Imagebildung zur Gewinnung von Fachkräften, Ausbildung auf Vorrat und Strategien zur Integration von Berufsrückkehrern, älteren Mitarbeitern, benachteiligten Jugendlichen und Migranten.

Ausblick auf 2026

Eine Trendwende ist vorerst jedoch nicht in Sicht. Selbst mögliche Impulse aus der Wirtschaft würden sich erst verzögert auf den Arbeitsmarkt auswirken. Die Agentur für Arbeit setzt weiterhin auf Qualifizierungsketten: Helfer sollen Fachkräfte von morgen werden, Fachkräfte sich zu Spezialisten entwickeln. „Die Transformation ist eine Chance, die auch neue Arbeitsplätze schafft“, so Thiele. Für das Jahr 2026 werde daher eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im Mittel von circa 1,1 Prozent prognostiziert, was einer tatsächlichen Zahl von rund sieben Prozent entspreche.