Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen will landesweit sogenannte ABC-Klassen einführen, um die Sprachkompetenz von Kindern im Jahr vor der Einschulung gezielt zu fördern. Das Landeskabinett hat den Weg für diese bildungspolitische Reform freigemacht.
Ziel sei es, allen Kindern einen besseren Schulstart und faire Bildungschancen zu ermöglichen. Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller stellten die Pläne in Düsseldorf vor.
„Grundvoraussetzung für erfolgreiches schulisches Lernen ist eine ausreichende Sprachkompetenz“, betonte Wüst. „Ohne sie endet Bildung für viele Kinder, bevor sie begonnen hat.“ Die verpflichtenden ABC-Klassen sollen genau dort ansetzen und Kinder mit Sprachschwierigkeiten vor dem Schulbeginn intensiv fördern. Feller ergänzte: „Mit verbindlichen ABC-Klassen setzen wir einen neuen Maßstab für die frühzeitige schulische Sprachförderung.“
Die Reform sieht vor, dass alle Kinder bei der Schulanmeldung eine landesweit einheitliche Sprachstandsfeststellung durchlaufen. Um genügend Zeit für die Förderung zu gewinnen, wird die Anmeldung ab 2028 vom Herbst auf das Frühjahr vor der Einschulung vorgezogen.
Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen besuchen im Schuljahr vor der Einschulung zweimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden eine ABC-Klasse. Diese Kurse liegen in schulischer Verantwortung und werden von Grundschullehrkräften sowie sozialpädagogischen Fachkräften durchgeführt, in Schulen, Kitas oder anderen geeigneten Räumen.
Die Teilnahme ist verpflichtend für Kinder, die ab dem 1. August 2029 schulpflichtig werden. Für Kinder, die eine Kita besuchen, organisiert der Schulträger die Beförderung zwischen Einrichtung und Kursort. Für andere Kinder werden Fahrkosten erstattet. Eltern sind für die regelmäßige Teilnahme verantwortlich. Zusätzlich wird mit „ABC Plus“ die Möglichkeit geschaffen, die Schuleingangsphase bei Bedarf auf drei Jahre zu verlängern, um eine intensivere Förderung zu gewährleisten.
Die Landesregierung reagiert damit auf alarmierende Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen: Rund ein Drittel der Kinder verfügt nicht über ausreichende Deutschkenntnisse für den Unterricht. „Zu viele Kinder bringen nicht alles mit, was für einen erfolgreichen Start erforderlich ist“, so Feller. „Mit den neuen ABC-Klassen sollen alle Kinder faire Chancen bekommen.“
Die Einführung bringt zusätzliche Kosten für die Kommunen mit sich, etwa für Beförderung, Räume und Lernmittel. Das Land will diese Mehrbelastungen durch ein Belastungsausgleichsgesetz kompensieren. Ein Grundlagenerlass sowie Materialien für die ABC-Klassen werden vom Schulministerium erarbeitet, ebenso digitale Tools für Sprachförderung und Sprachstandserhebung. Der Gesetzentwurf geht nun in die Verbändebeteiligung, bevor er in den Landtag eingebracht wird.
Die ABC-Klassen sind Teil des „Schulkompass NRW 2030“, einer umfassenden Strategie zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht. „Wir sorgen dafür, dass jedes Kind von Anfang an faire Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg hat – unabhängig von den sprachlichen Voraussetzungen“, erklärte Feller abschließend.





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