Zündschlüssel umdrehen und ab die Post: Die Rettungswagen des Rettungsdienstes stehen im Kreis Lippe immer auf Abruf. Das gilt für neue 24-Stundenschichten genau so wie für die herkömmlichen 12-h-Schichten. An der Einsatzbereitschaft und Effektivität des Dienstes ändert das zu testende Arbeitszeitmodell für Rettungskräfte nichts. Archivfotos: Jörn Fries
Kreis Lippe. Der Rettungsdienst testet ein neues Arbeitszeitmodell – und zwar eines, das so lang ist wie ein Sommertag von der Morgenröte bis zur Nachdämmerung, und darüber hinaus. Macht das Sinn? Ein entsprechender Wunsch lag offenbar schon länger in der Schreibtischschublade vieler Rettungswachen. Ab dem 1. Februar wird neben dem bisherigen Schichtsystem auch die 24-Stunden-Schicht eingeführt. Zunächst im Testbetrieb.
Bei einer internen Umfrage sagten rund 65 % der Mitarbeiter: „Ja, wir trauen uns das zu.“ Oder anders gesagt: Zwei von drei Rettungskräften fanden die Idee spannend genug, um es einfach mal auszuprobieren. Und ausprobieren dürfen sie es auch: Nach sechs Monaten Testphase kann jeder entscheiden, ob das 24-h-Modell zur neuen Liebe wird – oder ob man doch lieber reumütig ins alte Schichtsystem zurückkehrt. Dating mit Arbeitszeitmodellen, quasi.
Der neue Dienst dauert in der Regel von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Dazwischen liegen Einsätze, Arbeitsbereitschaft, kurze Ruhephasen und vermutlich mindestens ein Moment, in dem man sich fragt, welcher Wochentag eigentlich gerade ist. Als Ausgleich gibt’s danach aber ordentlich Freizeit: Mindestens 48 Stunden am Stück – plus zusätzliche freie Tage im Turnus. Das klingt nach Couch, Kaffee und „Ich gehe heute nirgendwo mehr hin“.
Ganz nebenbei reagiert der Kreis Lippe damit auch auf das wachsende Bedürfnis nach flexibleren Arbeitszeiten. Frei nach dem Motto: Wer Leben rettet, darf auch sein eigenes besser planen. Möglich wird das Ganze übrigens durch die Anpassung des Tarifvertrags zum im neuen Jahr, der 24-h-Schichten nun unter klaren Regeln erlaubt. Ordnung muss sein – auch bei langen Diensten.
Eine kleine Ausnahme gibt es allerdings: In Lemgo und Bad Salzuflen bleibt alles beim Alten. Dort ist so viel los, dass 24-Stunden-Schichten eher in Richtung „Extremsport mit Blaulicht“ gehen würden. Zum Schutz der Mitarbeiter und der Patientensicherheit bleibt es deshalb bei den bewährten 12-h-Schichten. Manchmal ist kürzer eben doch besser.
Unterm Strich heißt das: Mehr Flexibilität, mehr Wahlfreiheit – und ein neuer Arbeitsalltag, der genauso lang ist wie ein Kalendertag. Der Rettungsdienst im Kreis Lippe beweist damit: Fortschritt kann auch mal 24 Stunden andauern.
Stimmen aus der Rettungsdienst-Szene
Die Bewertungen in der Branche fallen nach der „Zeitschrift Rettungsdienst“ (Ausgabe 2/2026) in 345 Reaktions-Kommentaren unterschiedlich und überwiegend negativ aus:
Herr Fox Prima, da hat man richtiges Glück wenn als Schwerstverletzter einen Sanitäter nach 23 Stunden Arbeitszeit erwischt
Robert Korte
Bei 3 oder 4 Einsätzen pro 24 Stdn.mag das gehen, wie in vielen Bereichen 8 odrr mehr pro 12 Stunden keinesfalls.
Philipp Lensing
Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Zeitschrift Rettungsdienst nicht nur (scheinbar) einfach eine Pressemitteilung veröffentlicht – Sondern auch Punkte wie die Wochenarbeitszeit oder die Faktorisierung von Bereitschaftszeiten erfragt.
Die bloße Einführung eines 24h Dienstplanmodells ist doch keine Meldung wert.
Übrigens: Warum wird eigentlich nicht über Reinoldus berichtet? Und das meine ich wirklich neutral gefragt als Interessierter.
Anja Herrlinger
Puh, auf ner Dornröschenwache ok, aber regulär Stadtrettung die in 24 h ihre wache kaum sieht, vollkommen obsolet. Zumal nach Atbeitszeitgesetz max 10 Stunden erlaubt sind, der rest fällt unter Bereitschaft. Wird das dann auch so gezahlt? Gibt’s Zulagen? Welche Ausgleichstage gibt’s?
Top-Fan
Christian Seyfried
Zurück in die Neunziger. Wenn es für alle Beteiligten fein ist, voll ok.
Roland Ritter
Und das vor dem Hintergrund der steigenden Einsätze oder ist Lippe da eien Insel der Seligen? Und mit der Krankenhausreform werden sich wohl in vielen Bereichen die Wege und damit die Einsatzzeiten verlängern.
Jürgen Fecht
Ab und an mach ich auch mal ne 24er. Früher war das normal…da gab es auch weniger Einsätze! Trotzdem…Spaß macht mir das schon! Wenn ich wählen dürfte würde ich das machen!
Sven Alertz
Gute Sache . Gibt Nix besseres wenn die Arbeitsbelastung nicht zu hoch ist
Rafael Kemper
Bin gespannt wie die das umsetzen. Gerade wegen der Faktorisierung. Im TVöD tun die sich schwer von 48h- jetzt auf 46h/Woche und nächstes Jahr dann auf 44h/Woche umzustellen. Totale Überplanung. Bei uns werden sogar noch Ausgleichdienste eingeplant. Und das obwohl jedes Jahr Überstunden mit ins neue Jahr genommen werden. Die 24/72h sind insgesamt was feines nur was die Vorgesetzten daraus machen weniger.
Norm En
Sehr empfehlenswert mehr Freizeit!
Gehe nur 24 Stunden Dienst und das höchstens 2 Tage die Woche.
Wenn’s hart auf hart kommt, sind die Retter in Windeseile zur Stelle, egal ob in einer 12- oder 24-Stunden-Schicht.
Ich bin ein Zwitterwesen. Ein halbes Arbeitsleben lang Lehrer, die andere Hälfte Journalist. Und immer beides zugleich: Als Deutschlehrer habe ich meinen Schülern eine praktische Nutzung der Sprache abverlangt und mit ihnen „Zeitung in der Schule“ veranstaltet. Als Journalist in verschiedenen Tageszeitungen haben mich immer die Schüler dort – die sogenannten Volontäre – interessiert, denen ich unbedingt etwas beibringen wollte.
Jenseits der Ruhestandsgrenze mache ich nun auf Freier Mitarbeiter, statt die Füße hochzulegen. Warum? Weil ich’s kann und weil das Gehirn auf Touren gehalten werden will. „Die Realität ist immer zu wenig“, haben die Romantiker gesagt und hatten recht. Durch dokumentierende Aneignung mache ich mehr daraus: Realität wird gewissermaßen zur „Wirklichkeit“ potenziert. Deshalb habe ich eine eigene Online-Zeitung für Lage ins Leben gerufen: lage-aktuell.de Ich beanspruche den Titel: Nachhaltigster News-Lieferant für Lage (NNL). Deshalb arbeite ich ganz eng mit der LWZ zusammen. Artikel bleiben hier lange sichtbar und landen nicht – wie die Tageszeitung – sofort nach der Lektüre im Altpapier.
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