Hörgenuss für die Freunde klassischer Musik (von links): die Triosonate C-Dur von Johann Joachim Quantz (1697-1773), inszeniert von Doris Kahle (Cembalo), Antje Grünwald (Violoncello), Susanne Führ (Blockflote) und Anne Jungsbluth. (Violoncello). Auf das Foto klicken, um es zu vergrößern. Montage & Video: Hajo Gärtner. Der Videoclip ist in Arbeit.

Lage. Wer am heutigen Sonntagaben den Weg ins Technikum gefunden hat, musste nicht befürchten, falsch gewählt zu haben: Die Lehrkräfte der Musikschule hatten vorgesorgt – und zwar für wirklich jeden Geschmack. In wechselnden Ensembles zeigten sie, was ihre Schule kann, und bescherten dem Publikum einen Hörgenuss, der von barockem Feinschliff bis zum jazzigen Hüftwackler reichte.
Der Andrang war entsprechend groß: Alle regulären Sitzplätze belegt; der Treppenaufgang, offiziell zweck­entfremdet wie immer für ein paar Musik­freunde, die keinen Stuhl mehr abbekommen hatten. Sitzgrundlage: weiche Kissen, versteht sich.
Musikalisch beginnt der Abend geschniegelt und gestriegelt: Die ersten sechs Nummern gehören der Klassik, so wie es sich gehört. Barocke Triosonaten führen das Publikum behutsam in den Abend hinein, nachdem sich beim Konzertauftakt gezeigt hat,  dass selbst ein Altmeister wie Antonio Vivaldi auch nach über 300 Jahren noch erstaunlich rockt. Kein Wunder, dass er heute noch Bands wie die Mädchengang „Bond“ zu flotten Neuinter­pretationen ( „Vier Jahreszeiten“, besonders „Der Winter“) inspiriert. Doch auch ganz ohne Pop-Attitüde macht der alte Meister eine tolle Figur; kunstfertig dargeboten von Janine Dahlmann (Gitarre), Anne Jungsbluth und Cornelia Klee (Violine), Antje Grünwald (Violoncello) und Doris Kahle am Cembalo.
Auf der Zielgeraden schaltet das Konzert dann auf eine höhere Pulsfrequenz um. Claudia und Thorsten Kosake­witsch (Saxofon und Gitarre) entführen das Publikum kerzengerade hinein in die wilde Motorradromantik von „Born to be Wild“ („Steppenwolf“, 1969); dann sanftes Abbremsen mit Ralph McTells „Streets of London“ (1984). „Misty“ (Erroll Garner, 1921 – 1977) schwappt danach konsequent sanft in die Gehörgänge, gefolgt von einem gefühlvollen „Moon River“ (Henry Mancini, „Frühstück bei Tiffany“, 1961). Romantik pur – ganz ohne Kitsch-Gebärde.
Mit der „Sonatina mexicana“ von Carlo Domeniconi schließt sich schließlich der Kreis: Irmina Gocek (Flöte) und Janina Dahlmann (Gitarre) führen das Publikum elegant zurück zum klassischen Ausgangspunkt – musikalisch rund, dramaturgisch clever.
Ein Blick ins Publikum verrät übrigens: Es sind weniger die jungen Schüler gekommen, die ihre Lehrkräfte nicht enttäuschen wollen, sondern vor allem musikbegeisterte Erwachsene jenseits der „GenZ“-Grenze. Oder anders gesagt: Die „GenB“ war machtvoll da – besser bekannt als „die Boomer“. Eine Generation mit Zeit, Geschmack und dem festen Willen, gute Musik nicht dem Streaming-Algorithmus zu überlassen. Und an diesem Abend hatten sie eindeutig das letzte (und sehr zufriedene) Ohr.