Sieht aus wie der hässliche Bruder von ET: Sein Job ist auch nicht, schön zu sein, sondern funktional. Der UV-Strahler tötet hoch effizient Keime im Wasser ab und hilft so, den Chlor-Einsatz der Wassersäuberung zu minimieren. Eingesetzt wird die „Höllenmaschine“ an den städtischen Brunnen, in denen das Wasser für die Stadt gewonnen wird. Die Maschine sei heute das „Mittel der Wahl“, sagt Wasserchef Dirk Kornhoff bei der Jahrespressekonferenz der Stadtwerke. Von links: Geschäftsführer Jörg Karlikowski, „Wassergott“ Dirk Kornhoff, technischer Leiter Andreas Schlichting und Kommunikationschefin Eva Ellminger. Auf das Bild klicken, um es zu vergrößern. Foto: Hajo Gärtner

Detmold. Wenn überall in der Stadt das Licht angeht, das Wasser munter aus dem Hahn läuft oder der Bus leise surrend Energie lädt, dann haben die Stadtwerke ganze Arbeit geleistet. Bei ihrer Jahrespressekonferenz verrieten sie nun, wofür sie 2026 besonders tief in die Tasche greifen, damit das auch so bleibt. Außerdem erläuterte Dirk Kornhoff, der Herr des Wassers bei den Stadtwerken, was die Ursache für Störungen im Netz – vor allem an ein paar Brunnen in Klüt – wahr. Gleichzeitig stellte er eine „Höllenmaschine“ zur Eindämmung zukünftiger Störungen vor.


Nehmen wir zu Beginn einen großen Schluck Wasser: Satte 6 Millionen Euro fließen in diesem Jahr ins Detmolder Wassernetz. Damit das Trinkwasser auch künftig frisch, klar und ohne Schwimmbad-Chlor-Aroma aus der Leitung kommt, setzen die Stadtwerke auf ultraviolettes Licht. Alle 15 Brunnen sollen nach und nach mit UV-Desinfektionsanlagen ausgestattet werden (die „Höllenmaschinen“). Rund 30.000 Euro kostet so ein  „Killer“; dazu kommen noch ein paar Tausender, um ihn einzubauen. „Das ist heute das Mittel der Wahl“, erklärt Wasserchef Dirk Kornhoff. Mikroorganismen bekommen dabei ordentlich Sonnenbrand in ihrer DNA-Struktur – vermehren können sie sich danach jedenfalls nicht mehr. Drei Brunnen in Klüt stehen als Nächstes auf der To-do-Liste, nachdem sie bei den Verkeimungen im vergangenen Jahr aus guten Gründen besonders genau unter die Lupe genommen worden waren. 70 Kubikmeter Wasser bearbeitet ein Strahler pro Stunde. Die Teile sind zurzeit riesig begehrt, erzählt Kornhoff. Es gebe Wartezeiten von einem Jahr und mehr. „Wir kaufen auf Vorrat“, sagt er verschmitzt.

Wenn Geschäftsführer Jörg Karlikowski „nur so zum Spaß“ reale Zahlen nennt, stockt einem der Atem. „125 Liter Wasser verbraucht jeder am Tag“, sagt er und räumt ein, dass nur ein kleiner Teil davon getrunken wird. Der Löwenanteil wird für die Pflanzen im Garten eingesetzt, die Toilette heruntergespült, in der Spül- und Waschmaschine wegrotiert. An einem warmen Sommertag könne sich der Verbrauch durchaus verdoppeln. Dann müssen die Stadtwerke dafür sorgen, dass genügend Wasser im Netz zur Verfügung steht.

Noch eine verblüffende Zahl: Für ihre Brunnen müssen die Stadtwerker richtig kräftig buddeln. 380 Meter tief ist einer zum Beispiel. Das Wasser steigt im Bohrloch dann auf etwa 100 Meter hoch, um von da ins Netz gepumpt zu werden.

Energie-Hunger wächst – Stadtwerke steuern nach

Mindestens genauso effektvoll wird das Stromnetz angepackt. 8 Millionen Euro investieren die Stadtwerke hier – Tendenz seit Jahren steigend. „Von fünf über sechs auf jetzt acht Millionen Euro“, rechnet Technikchef Andreas Schlichting vor. Regenerative Energie-Gewinnung macht diese Investition zur Nutzung von Elektrizität aus Windräder, Solaranlagen und für immer mehr Steckdosen auf Rädern. Allein der Ladepark für die E-Stadtbusse am Bahnhof saugt 2,5 Megawatt Leistung aus dem Netz. Und auf dem ehemaligen Sander-Gelände sollen gleich mehrere neue Stromfresser dazukommen: E-Busse der KVG, zwölf Ladepunkte für Autos und ein Fastned-Schnellladepark. Macht zusammen locker weitere drei Megawatt. „Nicht störend, aber herausfordernd“, sagt Schlichting – Techniker-Sprech für: Da wird’s sportlich. 23,7 Mio. Euro Investitionsgeld nehmen die Stadtwerker in diesem Jahr insgesamt in die Hand.

Weniger sportlich sieht es für Erdgas aus. Das Kapitel wird langsam zu Ende geschrieben. Neue Leitungen? Fehlanzeige. „Begleiten wird es uns aber noch 20 bis 30 Jahre“, beruhigt Schlichting alle, die jetzt nervös Richtung Heizung schauen. Wichtig wird die April-Mitte: Dann heißt es Abschied nehmen vom L-Gas, umsteigen auf das H-Gas. Bis dahin müssen alle Anlagen fit für den Umstieg sein. Dass Gas pro Kunde teurer wird, je mehr Menschen aussteigen, verschweigt Geschäftsführer Jörg Karlikowski nicht. Weniger Kunden bedeutet immer eine Kostenumlage für die „Zurückgebliebenen“.

Wohnen macht nur Spaß, wenn’s warm ist

Warm soll es mit Fernwärme werden – vor allem in der Innenstadt. 4,2 Millionen Euro fließen in Leitungen und Anlagen, wobei das Netz den Löwenanteil bekommt. Lücken in der Langen Straße, der Hornschen Straße und in der Neustadt sollen geschlossen werden, am liebsten dann, wenn sowieso schon gebuddelt wird. Besonders sinnvoll sei das alles, weil man in der Innenstadt mit wenig Leitung viel Wärme verkauft. Effizienz kann auch gemütlich sein.

Nicht ganz so komfortabel wird es im Aqualip-Sommer – zumindest draußen. Der Beckenkopf braucht eine Frischzellenkur; außerdem werden Duschen, WCs und Umkleiden saniert. Deshalb bleibt der Außenbereich im Juli dicht. Wegen der notwendigen Sanierung legen die Eintrittspreise (2025: 280.000 Besucher) zu. Sie sollen durchschnittlich um 10 Prozent steigen; am Wochenende wird ein Zuschlag von einem Euro pro Badegast erhoben. „Das ist eine moderate Anpassung“, urteilt Geschäftsführer Jörg Karlikowski. „Wir sind preislich im regionalen Vergleich weiterhin attraktiv.“

Den Hacker-Angriffen mit IT-Aufrüstung trotzen

Trotz brutalem Hackerangriff im November läuft der Laden übrigens wieder ziemlich rund. Rund 80 Prozent der Systeme sind wieder am Start, dem Rest fehlt „nur noch ein bisschen Komfort“, sagt Karlikowski. Automatische Datenabfragen zum Beispiel. Die Jahresabrechnungen gehen trotzdem pünktlich raus: 11.800 digital, 34.500 per Post. Für Fragen gibt’s Sonderöffnungszeiten im Rosental – oder den digitalen Weg. Besonders beliebt: die Abschlagszahlung anpassen. „Der Lipper spart vorweg“, sagt Karlikowski schmunzelnd. Am liebsten zahlt man anfangs zu viel und bekommt später etwas zurück. Entsprechend verrechnen die Stadtwerke nun 5,7 Millionen Euro Guthaben.

Und die Hacker? Ob Lösegeld geflossen ist bei der Aqualip-Erpressung, dazu schweigt Karlikowski „aus ermittlungstaktischen Gründen“. Nur so viel: Die IT wird jetzt ordentlich aufgerüstet. Denn: „Die auf der dunklen Seite der Macht sind ja auch nicht dumm.“ Es laufe ein bisschen wie das „Hase und Igel“-Spiel. Kommt der Hase mit glühenden Pfoten am Ziel  an, sagt der Igel höhnisch: „Ätsch, bin schon da.“ Das bedeutet aber nicht, dass der Hase es sich leisten kann, das Wettrennen aufzugeben. Dann hat er nämlich schon von vornherein verloren.