Protest am Hermann: Während mehr als 300 Menschen am Hermannsdenkmal demonstrieren, weicht der AfD-Politiker kurzfristig auf die Externsteine aus. Foto: Robert Pairan

Kreis Lippe/Detmold/Horn-Bad Meinberg. Eine bewusste Provokation? Am heutigen Sonntag, 22. Februar, besuchte der Landeschef der AfD in Thüringen, Björn Höcke, der wegen verbotener Naziparolen rechtskräftig verurteilt wurde und öffentlich als Faschist bezeichnet werden darf, zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten der AfD, Matthias Helferich, und anderen NRW-AfD-Politikern die Externsteine.


Angekündigt war zunächst jedoch der Besuch des Hermannsdenkmals in der Zeit zwischen 11 und 13 Uhr, um einen „Spaziergang” zu machen. Dort oben warteten aber bereits mehr als 300 Demonstranten und ein großes Aufgebot an Polizeikräften.

Das Hermannsdenkmal und die Externsteine wurden bereits während der Zeit des Nationalsozialismus für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Besonders am Hermannsdenkmal inszenierten sich sowohl Sportvereine als auch hochrangige Parteifunktionäre wie Adolf Hitler und Joseph Goebbels in öffentlichen Aufmärschen. Bis heute betrachten rechtsextreme Gruppen beide Orte als bedeutende Kultstätten und versuchen, sie ideologisch für sich zu vereinnahmen.
Steine statt Stahl
Landesverbandsvorsteher Jörg Düning-Gast war selbst am Hermannsdenkmal zugegen und zeigte sich erfreut über die hohe Anzahl an Protestierenden. „Das Denkmal ist ein frei zugänglicher Ort. Wir konnten den Besuch nicht verbieten. Aber in Absprache mit der Polizei wurde das Denkmal abgesperrt. Zugelassen waren aber die beiden angemeldeten Demonstrationen“, sagte er.
Während des Gesprächs mit der LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG bekam Düning-Gast die Nachricht, dass die AfD-Delegation an den Externsteinen angekommen war. Dort gab es aber nur wenige Demonstranten. Der Landesverband Lippe als Betreiber der beiden Ausflugsziele kämpft seit Jahren gegen die Vereinnahmung der Orte durch Rechtsextreme.
Höcke reist weiter in den Pott
Am Sonntagabend wurde Höcke zudem als Redner beim Neujahrsempfang der AfD-Fraktion im Dortmunder Rathaus erwartet. Dort hatte die Stadt Dortmund noch versucht, die Rede im Rathaus zu verbieten, scheiterte jedoch in einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Nach Informationen des Tagesspiegels demonstrierten rund 3.000 Menschen vor dem Rathaus gegen Höckes Auftritt.
Höcke und die AfD werden in Thüringen vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. Die Partei plant nun, ihren Parteitag am 4. und 5. Juli im thüringischen Erfurt abzuhalten. Ein Zufall? Sicher nicht. Vor 100 Jahren, am 3. und 4. Juli 1926, hielt die NSDAP ihren Parteitag in Weimar ab. Thüringen gilt historisch als das erste Land, in dem die Nationalsozialisten im Jahr 1930 Regierungsverantwortung übernahmen. Bei der Landtagswahl 2024 war die AfD dort stärkste Kraft und hält diesen Status auch weiterhin aufrecht.