Die auf Mallorca lebende Bestsellerautorin Elke Becker kommt nach Detmold. Fotorechte: Elke Becker

Detmold. Das weibliche Schönheitsideal vergangener Zeiten war die Wespentaille, ein Körper wie eine Sanduhr. Das sorgte bei den Frauen oftmals für erhebliche Gesundheitsschäden, angefangen bei Ohnmachtsanfällen über Knochenverformungen bis hin zu Organschäden.


Ende des 19. Jahrhunderts meldete eine mutige wie einfallsreiche Dresdenerin das Patent für ein kleines, revolutionäres Kleidungsstück an: den Büstenhalter. „Die Erfinderin der Freiheit“, der aktuelle Roman der Bestsellerautorin Elke Becker, handelt von dieser Frau und ihrem Wirken. Am Donnerstag, 19. März, um 19 Uhr liest Becker in der Stadtbibliothek Detmold aus eben diesem neuen Werk.

Gerne wirft Elke Becker einen Blick zurück auf das Leben ungewöhnlicher Frauen und deren kreative Schaffenskraft. In ihrem neusten Werk nimmt sie die Masseuse und Lehrerin für Heilgymnastik Christine Hardt, die im weltberühmten Sanatorium Lahmann tätig war, unter die Lupe.

Protagonistin Hardt, die um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert gelebt hat, ist dank ihres Berufs auch vertraut mit all dem, was ein Korsett bei den Frauen anrichtet, und will sich damit nicht abfinden. 1899 meldet sie dann das Patent für einen Büstenhalter an. Damit muß sie nicht nur gegen die bestehenden Konventionen, sondern auch gegen die fehlende Akzeptanz in der Damenwelt ankämpfen.

Der Gedanke der Emanzipation findet nur peu à peu Einzug in die Köpfe der Frauen, zu gut sind die patriarchalen Strukturen verinnerlicht. Doch dieses Wäschestück macht seinen Weg und wird ein Symbol gesellschaftlicher Veränderung. Eine spannende wie unterhaltsame Geschichte, auch über den Mut von engagierten Frauen, der große Wellen schlagen kann, wird auf 368 Seiten gesponnen.

Die auf Mallorca lebende Becker ist auf Lesetour in Deutschland. Gerne kommt sie ins Land ihrer Heimatsprache und ihrer Wurzeln zurück. Und auch ihre Romane siedelt sie oftmals in deutschen Städten an, in denen bedeutsame Figuren und Begebenheiten beherbergt sind. Aber nicht nur die deutschen Lande sind von Interesse für die gebürtige Ulmerin. Sie reist gerne durch die ganze Welt und das schon seit ihrer Jugendzeit.

Im Ausland beginnt sie, Reisetagebücher zu führen: „Ich habe meine Reiseberichte per Mail nach Hause geschickt, manchmal jede Woche, und zwar viele Seiten lang. Die Geschichten waren wohl so kurzweilig, dass man mir riet, das Schreiben doch ernsthaft ins Auge zu fassen. Jetzt kann ich sagen, dass das Geschichtenerzählen meine größte Leidenschaft ist und ich jeden Tag viele Stunden recherchiere und schreibe. Ich liebe es, mich in eine Geschichte fallen zu lassen, und es ist spannend, wenn Protagonisten auch ihr Eigenleben entwickeln.“

Die ersten Versuche seien richtig schlecht gewesen, erzählt die 58-Jährige freimütig. Als sie 2005 nach Mallorca zieht, gönnt sie sich erst einmal eine Ausbildung zur Drehbuchautorin und beschäftigt sich intensiv mit Belletristik. Mittlerweile bringt sie zwei bis drei Romane im Jahr auf den Markt; dies sei nur mit Disziplin und der Liebe zum Handwerk möglich. Sowohl unter dem eigenen Namen als auch unter stolzen drei Pseudonymen schreibt die umtriebige Autorin.

Auch wenn sie auf der Urlaubsinsel Mallorca lebt, so schreibt sie nicht idyllisch unter Palmen sitzend – sie braucht die weiße Wand ihres Arbeitszimmers vor sich, nur so könne sie sich richtig konzentrieren. Worüber manch ein Kollege klagt, nämlich die berüchtigte Schreibblockade, kennt Elke Becker nicht: „Ich kann nicht von einer Blockade sprechen, wenn es bei mir mal hakt, dann bin ich nicht tief genug im Stoff drin und merke, dass mir beim Schreiben noch etwas fehlt oder die Richtung der Geschichte nicht stimmt, und dann muss einfach nachjustiert werden.“

Die Hilfe der KI nutzt Becker nur für Recherchezwecke, aber ohne ihr blindlings zu vertrauen. Ganz im Gegenteil genießt sie diese Informationen mit Vorsicht, lässt sich aber inspirieren, um intensiver in eine Materie einzusteigen.

Man könnte meinen, jemand, der seinem Traumberuf nachgeht und an einem traumhaften Ort lebt, braucht keine Träume mehr, doch das sieht die Bestsellerautorin anders: „Ohne Träume wäre das Leben langweilig; zum Beispiel gibt es noch so einiges, was ich von der Welt sehen möchte.

Auch würde ich mich sehr freuen, wenn einer meiner historischen Romane verfilmt würde, aber historische Geschichten gehören zu den kostspieligsten Produktionen und das mag ein Grund dafür sein, dass noch kein Produzent angebissen hat.“ Beim Lesen ihres aktuellen Romans entstehen tatsächlich filmreife Szenen vor dem geistigen Auge, also unbedingt ein Stoff, der das Zeug zum Kinofilm hätte.