Kreis Lippe. Steigende Energiepreise, schwankende Märkte und ein immer dichterer Wettbewerb an den Zapfsäulen: Für Autofahrer ist es längst nicht mehr egal, wo und wann sie tanken.
Doch ein verbreitetes Vorurteil hält sich hartnäckig, nämlich dass billiger Sprit an freien Tankstellen schlechter sei. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Wahrheit ist eine andere. Zudem verraten aktuelle Daten, zu welchen Uhrzeiten und Wochentagen Verbraucher am günstigsten tanken.
Billig bleibt gut
Viele Autofahrer meiden freie Tankstellen, aus Sorge, dort minderwertigen oder gar schädlichen Kraftstoff zu bekommen. Experten widersprechen. Tatsächlich erfüllen alle in Deutschland verkauften Kraftstoffe die gleichen Normen. Für Benzin gilt die EU-Norm EN 228, für Diesel die EN 590.
Sie schreibt unter anderem eine einheitliche Mindestqualität, fest definierte Grenzwerte für Motorstart und Temperaturbeständigkeit sowie niedrige Schwefelgehalte zum Schutz von Umwelt und Motor vor.
Das bedeutet: Der Sprit freier Stationen stammt häufig aus denselben Raffinerien wie der von großen Marken. Der Unterschied liegt eher im Drumherum, nicht im Inhalt des Tanks.
Warum freie Tankstellen günstiger sind
Dass ein Liter dort teils deutlich weniger kostet, liegt vor allem an der Struktur:
- keine teuren Werbekampagnen
- weniger Personal, einfachere Shops
- geringere Betriebskosten
- weniger Investitionen in Markenaufbau
Große Konzerne geben viel Geld für Image und Service aus, und das zahlen am Ende die Kunden mit.
Ein technischer Unterschied kann jedoch auftreten: markeneigene Additivpakete.
- Standardadditive: Jeder Kraftstoff in Deutschland enthält vorgeschriebene Additive, zum Beispiel für Motorreinigung oder Haltbarkeit.
- Zusatzadditive großer Marken: Shell, Aral und Co. mischen oft eigene Rezepturen bei, teils mit Marketingversprechen wie „bessere Motorpflege“ oder „höhere Reichweite“.
Ob diese Zusätze messbar mehr leisten, ist unter Experten umstritten. Fest steht: Sie machen den Sprit teurer, aber nicht zwingend besser.
Spritpreis hängt von Uhrzeit ab
Der größte Preisunterschied entsteht jedoch nicht zwischen Marken- und freien Tankstellen, sondern zwischen Tageszeiten. Die beste Tankzeit ist zwischen 18 und 22 Uhr. In diesem Zeitraum liegen die Preise statistisch am niedrigsten. Oft sinken sie gegen 19/20 Uhr und 21/22 Uhr noch einmal leicht ab.
Die schlechteste Zeit zum Tanken wird derweil zwischen 6 und 9 Uhr angegeben. Morgens sind die Preise am höchsten. Frühpendler treffen daher fast immer die teuerste Phase des Tages.
Tipp: Unter der Woche tanken
Am Wochenende sind die Preise regelmäßig höher, besonders an Sonntagen. Dienstag und Mittwoch gelten hingegen oft als besonders günstig. Preisvergleichs-Apps wie „Clever Tanken“ oder „ADAC Spritpreise“ helfen, mehr als 14.000 Tankstellen live zu vergleichen.
Noch ein weiterer, wenngleich offensichtlicher Tipp: Tankstellen im Stadtgebiet sind oft mehrere Euro pro Tankfüllung günstiger als Autobahnraststätten.
Für Autofahrer zählt demnach heute mehr denn je, klug zu tanken. Während die Diskussion um Billig- oder Markensprit fast bedeutungslos geworden ist, entscheidet die Wahl der Uhrzeit mittlerweile über echte Sparpotenziale. Wer flexibel ist und die Preisdynamik beachtet, kann pro Tankfüllung mehrere Euro sparen, ganz ohne Risiko für den Motor.





