Mit vereinten Kräften versucht die Feuerwehr, den Brand an der Detmolder Straße unter Kontrolle zu bringen. Foto: Jörn Fries

Oerlinghausen. Im Dachstuhl der Oerlinghauser „Bergstadt-Praxis“ ist am Mittwochmittag, 22. April, gegen 10 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Der Brand, der den Dachstuhl der historischen Villa an der Detmolder Straße zerstörte, hat nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr Oerlinghausen seinen Ursprung in Renovierungsarbeiten.


Im Zuge von Arbeiten an der Gebäudefassade kamen demnach hitzeintensive Werkzeuge zum Einsatz, um alte Farbbeschichtungen zu lösen. Dabei entwickelte sich nach bisherigen Erkenntnissen ein Brand, der sich im trockenen Holz des Dachstuhls explosionsartig ausbreitete. Darüber berichten übereinstimmend mehrere lokale Medien.

Als die Feuerwehr Oerlinghausen kurz darauf an der Detmolder Straße eintraf, hatte das Feuer bereits zerstörerische Ausmaße angenommen. Der Dachstuhl stand zu diesem Zeitpunkt vollständig in Flammen. Das Feuer hatte sich nicht nur durch die Dachhaut gefressen, sondern bereits den Treppenbereich sowie zwei Räume im Dachgeschoss erfasst. Unverzüglich begannen mehrere Trupps unter Atemschutz mit einem Löschangriff im Inneren des Gebäudes.

Löschstrategie angepasst

Die Einsatzkräfte hätten ihre Strategie jedoch rasch anpassen müssen, berichten unter anderem die Leopoldshöher Nachrichten. Die enorme Hitze, kombiniert mit der schnellen Ausbreitung des Feuers, habe ein weiteres Vorgehen im Inneren des Hauses zu riskant erscheinen lassen. Um die Sicherheit der Feuerwehrleute nicht zu gefährden, habe die Einsatzleitung entschieden, den Innenangriff vorerst zu stoppen. Die Gefahr eines plötzlichen Einsturzes oder einer Rauchgasexplosion sei zu groß gewesen.

Angesichts der dramatischen Entwicklung wurden zusätzliche Kräfte nachalarmiert. Neben der Feuerwehr Oerlinghausen rückten die Wehren aus Leopoldshöhe und Augustdorf an, außerdem kam die Drehleiter aus Leopoldshöhe zum Einsatz. Insgesamt sind aktuell 65 Feuerwehrleute an den Löscharbeiten beteiligt. Von zwei Drehleitern aus öffneten die Einsatzkräfte die Dachfläche, um das Feuer gezielt von außen bekämpfen zu können. Im weiteren Verlauf sei mehrfach versucht, worden, erneut Einheiten ins Gebäude zu schicken, um verbliebene Glutnester besser erreichen zu können.

Zur Unterstützung habe der Kreis Lippe einen Abrollbehälter mit Atemschutztechnik bereitgestellt, um den erhöhten Bedarf an Schutzausrüstung sicherzustellen. Für die medizinische Betreuung der Einsatzkräfte hätten der Rettungsdienst der Malteser Oerlinghausen sowie ehrenamtliche Helfer des Deutschen Roten Kreuzes aus Leopoldshöhe gesorgt, heißt es in dem Bericht weiter.

Anwohner sollen Türen und Fenster geschlossen halten

Die starke Rauchentwicklung machte zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich: Über die Warnsysteme „NINA“ und „Katwarn“ wurden Anwohner aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem bleibt die Detmolder Straße zwischen Rathausstraße und Marktstraße derzeit weiterhin vollständig gesperrt.

„Bergstadt-Praxis“ bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen

Die Folgen des Brandes seien laut Leopoldshöher Nachrichten gravierend. Zwar sei nach aktuellem Stand niemand verletzt worden, doch der materielle Schaden sei erheblich. Die Polizei gehe von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Besonders hart treffe es die in dem Gebäude ansässige „Bergstadt‑Praxis“. Die erst vor Kurzem renovierten Räume der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis seien derzeit nicht nutzbar. Wann die medizinische Versorgung dort wieder aufgenommen werden könne, sei noch völlig unklar.

Kritik hätten die Einsatzkräfte auch am Verhalten einzelner Verkehrsteilnehmer geäußert. Trotz großräumiger Absperrungen sei es immer wieder vorgekommen, dass Autofahrer versucht hätten, Sperrstellen zu passieren. In mehreren Fällen seien Fahrzeuge unzulässig im Kreuzungsbereich abgestellt worden, wodurch Zufahrten für Rettungsfahrzeuge gefährlich blockiert worden seien. Die Polizei richtet daher einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung, Rettungswege freizuhalten und den Bereich großräumig zu meiden.

Der Feuerwehreinsatz dauere indes weiter an (Stand: 16 Uhr) und werde nach Einschätzung der Einsatzleitung voraussichtlich bis in den späten Nachmittag hineinreichen. Die Polizei hat derweil Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung aufgenommen.