Höxter/Bielefeld. Die Polizei Bielefeld hat nach eigenen Angaben einen entscheidenden Fortschritt in einem der bekanntesten Cold‑Case‑Fälle der Region erzielt. Demnach sei die Identität der bislang unbekannten weiblichen Leiche aus dem Godelheimer See bei Höxter eindeutig geklärt worden.
Nach Ergebnissen einer DNA‑Analyse handele es sich um Martina Sch. aus Hannover, die seit dem Jahr 1988 als vermisst galt. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens sei die damals 25‑Jährige als Krankengymnastikschülerin in Höxter tätig gewesen, teilte der Leiter der Cold‑Case‑Ermittlungsgruppe, Erster Kriminalhauptkommissar Markus Mertens, mit.
Wie die Ermittler erläuterten, hatten sie sich im Februar dieses Jahres noch einmal gezielt an die Öffentlichkeit gewandt, um neue Hinweise zu erhalten. In der Folge seien insgesamt sieben Hinweise eingegangen. Ausschlaggebend sei schließlich die Erinnerung einer ehemaligen Schülerin der Krankengymnastikschule der Weserbergland‑Kliniken Höxter gewesen. Sie habe sich an das plötzliche Verschwinden einer Mitschülerin im Jahr 1988 erinnert und Kontakt zu einer Polizeidienststelle in Hannover aufgenommen. Von dort aus sei die Kriminalpolizei Bielefeld informiert worden.
Nach Angaben der Polizei habe die Kripo Hannover parallel einen ähnlich gelagerten Vermisstenfall in Niedersachsen bearbeitet. In diesem Zusammenhang sei dem Bruder der vermissten Frau bereits vor einiger Zeit eine Vergleichsspeichelprobe entnommen worden. Das daraus gewonnene DNA‑Profil sei den Bielefelder Ermittlern zum Abgleich zur Verfügung gestellt worden.
Schon bei der ersten Sichtung der DNA‑Unterlagen hätten sich laut Polizei deutliche Übereinstimmungen gezeigt. Daher sei ein spezialisiertes Institut für forensische Molekulargenetik mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt worden. Auf Grundlage dieser Untersuchung stehe nun fest, dass die Abgleichsperson und die unbekannte Tote aus dem Godelheimer See Geschwister seien.
Die Identifizierung werde zudem durch äußere Merkmale gestützt. Die Ermittler erklärten, Martina Sch. sei etwa 1,70 Meter groß gewesen, habe blaue Augen, mittelblonde Haare und einen hellen Hauttyp gehabt. Genau diese Merkmale hätten auch die zuvor durchgeführten erweiterten molekulargenetischen Untersuchungen ergeben.
War es doch kein Mord?
Zum weiteren Hintergrund teilte die Polizei mit, dass die 25‑Jährige am 28. September 1988 aus ihrer Wohngemeinschaft in Höxter verschwunden sei. Sie habe eine kurze schriftliche Notiz hinterlassen, die heute als Abschiedsbrief bewertet werde. Nach erneuter Prüfung des Vermisstenfalls sowie Gesprächen mit früheren Kontaktpersonen gehe man inzwischen nicht mehr von einem Tötungsdelikt, sondern von einem Suizid aus.
Auch die beim Leichnam festgestellte Fixierung im Bereich der Beine spreche nach Einschätzung der Ermittler nicht gegen diese Annahme. Das verwendete Paketband könne dazu gedient haben, einen beschwerenden Gegenstand zu befestigen oder die eigene Bewegungsfreiheit beim Gang ins Wasser bewusst einzuschränken.
Zur Arbeit der Cold‑Case‑Einheit der Polizei Bielefeld gehöre es zudem, Angehörige persönlich über neue Ermittlungsergebnisse oder den Abschluss eines Falls zu informieren. In Gesprächen mit Hinterbliebenen erlebten die Beamten neben großer Betroffenheit häufig auch Erleichterung. Trotz der emotionalen Belastung sei es für die Ermittler eine zentrale Aufgabe, Familien nach Jahrzehnten der Ungewissheit Klarheit und Gewissheit zu verschaffen.




