
Detmold. Der Aktionstag für Menschen mit Behinderungen am 25. April auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold sollte ein sichtbares Zeichen für Inklusion, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung setzen. Zahlreiche Organisationen, Initiativen und engagierte Einzelpersonen kamen an diesem Tag zusammen, um zu zeigen, wie Barrieren abgebaut und gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen gestärkt werden können. Mitten unter ihnen war auch „Cap4Free – Das inklusive Netzwerk“, vertreten durch seinen Gründer und Leiter Mevludin Useinoski.
Der Stand des Netzwerks befand sich auf dem Vorplatz der Kirche und war bewusst offen gestaltet. Besucher waren eingeladen, sich zu informieren, Fragen zu stellen und Hilfsmittel aus nächster Nähe kennenzulernen. „Cap4Free“ setzt sich seit Jahren für die Unterstützung, Beratung und Vernetzung von Menschen mit Behinderungen ein, insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen.
Für Useinoski, selbst sehbehindert, war der Aktionstag auch persönlich von besonderer Bedeutung. Er nutzte die Gelegenheit, um Hilfsmittel vorzustellen, die blinden und sehbehinderten Menschen im Alltag Orientierung geben und ein hohes Maß an Selbstständigkeit ermöglichen. Auf dem Tisch lagen verschiedene optische und praktische Hilfsmittel zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren bereit. Das Interesse war groß, viele Besucher suchten das Gespräch und testeten die ausgestellten Gegenstände selbst.
Ein besonderer Anziehungspunkt war dabei die sogenannte Showdown-Platte. Showdown, auch als „Tischball“ bekannt, ist eine inklusive Sportart, bei der blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam spielen können. Das Spiel zog zahlreiche Interessierte an, sorgte für Begegnungen und Gespräche und wurde zu einem sichtbaren Ausdruck des gelebten Inklusionsgedankens. Der Tag war geprägt von Offenheit, Herzlichkeit und echtem Interesse.
Unbekannte entwenden Hilfsmittel
Umso schwerer wiegt, was sich im Laufe dieser Veranstaltung ereignete. Wie Mevludin Useinoski mitteilt, verschwanden ausgerechnet bei diesem Aktionstag für Menschen mit Behinderungen mehrere Hilfsmittel vom Stand von „Cap4Free“. Gegenstände, die nicht nur zur Präsentation dienten, sondern im Arbeitsalltag des Netzwerks regelmäßig eingesetzt werden, um Betroffene konkret zu unterstützen.
Nach Angaben von „Cap4Free“ fehlen seit dem Veranstaltungstag eine Lupenbrille, originalverpackt und noch eingeschweißt in der Schachtel, eine Handlupe, die sich in einem Stoffbeutel befand, sowie eine schwarze Kappe mit seitlichem Logo-Schriftzug und einem weiteren Logo auf der Rückseite.
Der Gesamtwert der verschwundenen Gegenstände liegt nach Angaben des Netzwerks im fast vierstelligen Bereich. Für die Mitglieder wiegt der Verlust jedoch nicht allein finanziell schwer. Bei den fehlenden Gegenständen handelt es sich um zentrale Arbeitsmittel, die bei Beratungen, Vorführungen, Informationsveranstaltungen und in der direkten Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen eingesetzt werden.
„Es sind nicht einfach nur Dinge“, macht Useinoski deutlich. Vielmehr handle es sich um Hilfsmittel, mit denen Menschen mit Sehbehinderung konkrete Unterstützung erfahren, Möglichkeiten kennenlernen und ermutigt werden sollen, ihren Alltag selbstständiger zu gestalten.
Die Folgen seien bereits spürbar. Seit dem Vorfall fehlen dem Netzwerk wichtige Arbeitsmittel im täglichen Einsatz. Termine, bei denen Betroffenen diese Sehhilfen vorgestellt werden sollten, können seither nur eingeschränkt stattfinden.
Beratungen und praktische Vorführungen lassen sich derzeit nicht in gewohntem Umfang anbieten. Was für Außenstehende wie eine Lupe oder eine Brille erscheinen mag, sei für die Arbeit des Netzwerks und für die Betroffenen ein entscheidendes Werkzeug für mehr Selbstständigkeit im Alltag. Anzeige gegen Unbekannt sei bereits erstattet worden.
Appell an Ehrlichkeit und Mitgefühl
Dennoch geht es Useinoski nach eigenen Worten nicht um Schuldzuweisungen oder Anklage. Vielmehr richtet er einen öffentlichen Appell an Ehrlichkeit, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein. Der Stand sei offen gestaltet gewesen, viele Gegenstände hätten frei zugänglich zum Ausprobieren bereitgelegen. Angesichts des großen Andrangs könne nicht ausgeschlossen werden, dass etwas versehentlich eingepackt worden sei.
Vielleicht, so die Hoffnung, wurden die Gegenstände unbeabsichtigt mitgenommen. Vielleicht hat jemand etwas beobachtet und bislang gezögert, sich zu melden. „Cap4Free“ bittet deshalb um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht werden keine Schuldigen, sondern die Rückgabe der Hilfsmittel. „Es geht nicht um Schuld, nicht um Vorwürfe und nicht um Konsequenzen“, betont Useinoski. Entscheidend sei allein, dass die für die tägliche Arbeit dringend benötigten Hilfsmittel ihren Weg zurückfänden.
Für den Gründer von „Cap4Free“ wäre genau das ein starkes Zeichen von Menschlichkeit: wenn aus einem Vorfall, der den Aktionstag überschattet, am Ende doch noch eine gute Geschichte wird. Wer etwas gesehen hat, Hinweise geben kann oder weiß, wo sich die Gegenstände befinden, wird gebeten, sich an die Stadt Detmold oder direkt an Mevludin Useinoski (Telefon: 05281/6109869, Mobil: 01520/4081512, E-Mail) zu wenden.



