
Lemgo. Weniger fossiles Erdgas für die Lemgoer Energieerzeugung nutzen und stattdessen auf lokales Biogas setzen: Diesen Plan wollen die Stadtwerke Lemgo jetzt mit regionalen landwirtschaftlichen Betrieben umsetzen.
In etwas mehr als einem Jahr wird das erste Gas aus den Biogasanlagen der Landwirte in einen neuen Kissenspeicher der Stadtwerke strömen. Dafür wurden kürzlich die Verträge mit der Vollgas Bioenergie GmbH & Co. KG sowie mit der Biogas Hölsen GmbH & Co. KG geschlossen.
Nach dem Start soll die jährlich gelieferte Biogasmenge bis 2030 auf bis zu 47 Millionen Kilowattstunden ansteigen. Das Biogas soll vor allem in den Wintermonaten in den Blockheizkraftwerken (BHKW) der Stadtwerke zum Einsatz kommen, um Strom und Wärme zu produzieren.
Auch wenn der Anteil von Wind- und Sonnenenergie im Energiemix beständig steigt: Diese Energiequellen liefern nicht immer genau dann genug Strom, wenn dieser gebraucht wird. Um die schwankenden Mengen ausgleichen zu können, würden weitere Lösungen benötigt, teilen die Stadtwerke Lemgo mit.
Dabei wollen sie auf kluge Bausteine setzen, mit denen sie flexibel Strom erzeugen und die in den BHKW erzeugte Wärme für die Fernwärmetransformation nutzen könnten.
Regionales Biogas, erzeugt aus nachwachsenden Rohstoffen, gehört dazu. Es lässt sich speichern und gezielt nutzen, wenn sogenannte Dunkelflauten vorliegen oder der Strombedarf saisonal steigt. Und zugleich wird fossiles Erdgas, das bisher für die Strom- und Wärmeproduktion in den Blockheizkraftwerken genutzt wurde, Schritt für Schritt durch das Biogas verdrängt.
„Dank der Vertragsunterzeichnung mit den Landwirten haben wir einen weiteren Meilenstein auf unserem Weg zur klimaneutralen Stadt gesetzt“, erklärt Matthias Sasse, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo. „Das hier erzeugte Biogas macht uns unabhängiger von globalen Krisen und zeigt, was möglich ist, wenn wir regional gut zusammenarbeiten“, ergänzt er.
Auch für die Landwirte aus Lemgo und Umgebung biete der neue Liefervertrag eine ideale Perspektive. Denn für viele Biogasanlagen in Deutschland läuft in den kommenden Jahren die 20-jährige Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus.
Die Vergütung sinkt somit, während die gesetzlichen Auflagen weiter steigen. „Wir haben mit den Stadtwerken Lemgo eine gute regionale Lösung vor Ort gefunden, die unserer Anlage eine echte Zukunft bietet“, beschreibt Landwirt Andreas Uekermann von der Biogas Hölsen GmbH & Co. KG, und fügt an: „Dieser Vertrag ist eine Win-win-Situation für beide Seiten.“
Auch Volker Klasen von der Vollgas Bioenergie GmbH & Co. KG steht voll und ganz hinter dem gemeinsamen Projekt: „Bis so eine Lösung, wie wir sie hier geschaffen haben, steht, müssen viele Hürden aus dem Weg geräumt werden. Das ist uns gemeinsam gelungen. Und so kann unser Biogas hier in Lemgo direkt zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden – auf kurzem Wege.“
Was jetzt gebaut wird
Zurzeit liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit Ende kommenden Jahres das erste Biogas in den Stadtwerke-Blockheizkraftwerken genutzt werden könne. In einer gemeinsamen Übergabestation in Lemgo-Lieme soll das Biogas beider Anlagen gesammelt und über eine neu geschaffene Transportleitung zum Heizkraftwerk-West geführt werden.
Dort werde ein Biogasspeicher mit rund 40.000 Kubikmetern Fassungsvermögen entstehen, der das Biogas bedarfsgerecht bereithalte. Parallel dazu würden die Stadtwerke zwei Blockheizkraftwerke modernisieren, damit diese künftig Biogas statt Erdgas nutzen könnten.
„Speicherbau, Rohrleitungsbau und die Modernisierung unserer Blockheizkraftwerke – das alles brauchen wir, damit der geplante Lieferstart im vierten Quartal 2027 möglich wird“, erklärt Dr. Georg Klene, Leiter der Eigenerzeugung der Stadtwerke Lemgo.
„Diese Projekte gehen wir jetzt an, damit wir das regionale Biogas schon im kommenden Winter für unsere Wärme- und Stromerzeugung nutzen können“, schließt er an.





