
Detmold/Blomberg. Meisterschale, Supercup – nun wartet die Königsklasse. Mehr als 200 Gäste sind bei der Saisoneröffnung der HSG Blomberg-Lippe am Hermannsdenkmal zusammengekommen, um gemeinsam mit der Mannschaft auf eine historische Saison zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten.
Denn nach der ersten deutschen Meisterschaft der HSG in der vergangenen Saison sowie dem Gewinn des Supercups wartet mit der Champions League die bislang größte internationale Herausforderung der Vereinsgeschichte.
„Wir können mächtig stolz auf das sein, was die Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren erreicht hat“, betonte Geschäftsführer Jan-Henning Himborn. Gleichzeitig galt der Dank auch den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren, ohne deren Unterstützung die Entwicklung der HSG nicht möglich gewesen wäre.

Für einen besonderen und stimmungsvollen Moment sorgte gleich zu Beginn des Abends die Live-Premiere der neuen HSG-Vereinshymne „Wir sind die HSG“, die ab der kommenden Saison nicht nur vor Anpfiff die Halle aufheizen, sondern sich zu einem Bestandteil der HSG-Identität entwickeln soll.
Neue Gesichter, bewährter Teamgeist
Anschließend stand bei der Teamvorstellung die Mannschaft im Mittelpunkt. Insbesondere stellten sich die Neuzugänge Caroline Jurenczyk, Lilli Röpcke und Eliska Desortova den Gästen vor. Jurenczyk, die für die polnische Nationalmannschaft spielt, formulierte ihren Wunsch, „gemeinsam schöne Dinge zu erreichen“.

Röpcke erklärte, dass man eine Anfrage von einem Verein wie Blomberg einfach nicht ablehnen könne. Besonders überzeugt habe sie dabei der Teamgeist der Mannschaft.
Für die tschechische Nationalspielerin Desortova sei die Anfrage der HSG eine große Überraschung gewesen. Champions League zu spielen, sei für sie immer ein großes Ziel gewesen. Entsprechend groß sei die Vorfreude auf die kommende Saison.
Bei der folgenden Talkrunde blickten Kapitänin Laura Rüffieux, Geschäftsführer Jan-Henning Himborn, Trainer Steffen Birkner sowie Betriebsratsvorsitzender Jens Genge zunächst auf die vergangenen Monate zurück. Für Rüffieux war die vergangene Saison eine „Achterbahn der Gefühle“.
Beeindruckt habe sie besonders, wie sich die Mannschaft entwickelt und auch in schwierigen Phasen zusammengehalten habe. Entscheidend sei nicht gewesen, die besten Individualistinnen zu haben, sondern das beste Team – „denn das gewinnt am Ende.“
Laut Birkner sei auch die Kontinuität im Kader sowie eine „unbändige Arbeitsmoral“ entscheidend für den Erfolg gewesen. Der Meistertitel sei für ihn auch persönlich ein emotionaler Moment gewesen. „Ich habe pure Freude empfunden – für mich, aber auch für alle drumherum.“ Zudem ergänzte der Trainer lachend: „In meiner achten Saison sind wir deutscher Meister geworden, in der neunten schon Supercup-Sieger – wo soll das denn noch hinführen? Im Ernst, wir müssen uns nicht kleiner machen!“
„Wir sind bereit!“
Mit dem Erfolg veränderte sich allerdings auch die Ausgangslage: Aus dem Jäger sei der Gejagte geworden. „Wir haben es uns erarbeitet, der Gejagte zu sein“, ist Birkner überzeugt. „Jeder möchte den deutschen Meister und Supercup-Sieger schlagen. Wir können im Training aber trotzdem Spaß haben und coole Musik hören.“
Genauso sei es verdient, nun in der Champions League anzutreten. Die internationale Bühne sei sportlich wie auch finanziell zwar eine Herausforderung, gleichzeitig biete sie der HSG aber die Möglichkeit, die besten Spielerinnen der Welt nach Lemgo zu holen – sie selbst eingeschlossen.
Deshalb sei es dem Trainer nicht bange: „Sollen sie doch kommen!“, zeigte sich Birkner selbstbewusst und erntete dafür zustimmendes Klatschen. Auch Rüffieux blickte mit großer Vorfreude auf die neue Herausforderung. Es sei nicht selbstverständlich, sich mit den besten Spielerinnen Europas messen zu dürfen. Besonders gespannt sei sie auf das erste Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte sowie auf das Duell mit dem amtierenden Champions-League-Sieger aus Metz.

Champions League fordert auch hinter den Kulissen
Die Königsklasse bedeutet für die HSG allerdings nicht nur sportlich eine neue Dimension: Auch organisatorisch und finanziell stellt der Wettbewerb die Blomberger vor eine Herausforderung. Reisen, Hotels, Hallen und Übertragungen müssen organisiert werden. „Wir machen das gerne, weil wir uns mit den Besten messen möchten“, erklärte Himborn.
Der Geschäftsführer gab den Anwesenden einen Einblick in die Rahmenbedingungen, die verdeutlichen, in welche neue Größenordnung der Verein in der kommenden Spielzeit vorstoße – von einer Antrittsprämie von 5.000 Euro pro Spiel bis zu Kosten von mehr als 250.000 Euro für eine Champions-League-Saison sollen die zusätzlichen finanziellen Belastungen reichen.
Zukunft im Blick, Europa vor der Tür
Ein weiteres Thema des Abends war die Nachwuchsarbeit. Rüffieux, die neben ihrer Rolle als Kapitänin seit kurzer Zeit auch als Jugendkoordinatorin des Vereins tätig ist, möchte ihre Erfahrung an die kommende Generation weitergeben. „Wir waren schon immer auch ein Ausbildungsverein“, betonte auch Himborn.
Ziel müsse es sein, noch mehr junge Mädchen in Lippe für den Handball zu begeistern. Wenn der Verein in der Jugendarbeit gute Arbeit leiste, könnten mehr Spielerinnen in der Region gehalten werden und hätten gleichzeitig die Chance, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen.
Die Jugendarbeit war auch eines der Themen, die Teil des anschließenden HSG-Quiz waren, bei welchem die Gäste ihr Wissen rund um den Verein, dessen Historie und aktuelle Spielzeiten unter Beweis stellen konnten. Ein gemeinsames Essen und reger Austausch rundeten den Abend ab.
Für Birkner und sein Team stehen derweil die kommenden Herausforderungen unmittelbar bevor. Nach dem Bundesligaauftakt wird es am 6. September um 14 Uhr historisch: In der Phoenix-Contact-Arena in Lemgo bestreitet die HSG das erste Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte gegen Gloria Bistrita aus Rumänien.






