
Kreis Lippe. Der Tourismus im Kreis Lippe hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht: Rund 634 Millionen Euro Bruttoumsatz wurden erwirtschaftet. Gleichzeitig sichert der Tourismus rund 9.800 Menschen ganz oder teilweise ihren Lebensunterhalt und generiert ein Steueraufkommen von rund 59 Millionen Euro.
Das sind zentrale Ergebnisse der Untersuchung „Wirtschaftsfaktor Tourismus“, die im Auftrag des Teutoburger Wald Tourismus der OstWestfalenLippe GmbH erstellt wurde.
Lebensqualität, Standortfaktor, Wirtschaftsfaktor in OWL
Dass Wander- und Radwege, Museen, Restaurants, Bäder und Ausflugsziele Ostwestfalen-Lippe für Ausflugs- und Urlaubsgäste attraktiv machen und zugleich die Lebensqualität der Einwohner steigern, liegt auf der Hand.
„Eine attraktive Freizeitinfrastruktur ist außerdem bei der Gewinnung von Fachkräften für die Unternehmen in unserer Region ein echtes Plus“, erklärt Meinolf Haase, Landrat des Kreises Lippe und Vorsitzender des Fachbeirats Tourismus der OstWestfalenLippe GmbH, sowie Vorsitzender der Lippe Tourismus & Marketing GmbH.
Wie stark die Freizeit- und Tourismusbranche darüber hinaus zur Wertschöpfung und zum Steueraufkommen in OWL beiträgt, zeigt nun die Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ der dwif-Consulting GmbH (dwif). „Diese Studie ist wichtig, weil sie die wirtschaftliche Bedeutung der zuweilen in unserer Region noch unterschätzten Tourismusbranche eindrucksvoll belegt. 3,3 Milliarden Euro Jahresumsatz durch den Tourismus in OWL sprechen eine deutliche Sprache“, betont Haase.
Für das Jahr 2025 ermittelten die Experten des dwif insgesamt 12,5 Millionen Tagesreisen für den Kreis Lippe. Sie machen knapp 55 Prozent des Gesamtumsatzes aus und entsprechen rund 349 Millionen Euro.
Auf die 3,2 Millionen Übernachtungen entfallen gut 45 Prozent des Gesamtumsatzes beziehungsweise rund 285 Millionen Euro. Berücksichtigt wurden dabei nicht nur die Übernachtungen der amtlichen Statistik, sondern auch Aufenthalte bei Verwandten und Bekannten sowie in Betrieben mit weniger als zehn Betten, beispielsweise in Ferienwohnungen oder Privatquartieren.
Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen mit hohen Umsätzen
Vom Gesamtumsatz entfallen rund 271 Millionen Euro auf das Gastgewerbe, 182 Millionen Euro auf den Einzelhandel und 181 Millionen Euro auf sonstige Dienstleistungen, darunter beispielsweise Eintritte, ÖPNV und Tagungsangebote.
Die touristische Wertschöpfung, also das Einkommen, das aus den touristischen Umsätzen in der Region entsteht und sich aus Löhnen, Gehältern und Gewinnen zusammensetzt, entspricht in Lippe rund 9.800 Einkommensäquivalenten. Dieser Wert ist nicht mit der tatsächlichen Zahl der durch den Tourismus beschäftigten Personen gleichzusetzen, da viele Menschen nur anteilig vom Tourismus leben. Die damit verbundenen Arbeitsplätze sind standortgebunden und damit nicht verlagerbar.
59 Millionen Euro Steueraufkommen
Wo durch den Tourismus Umsätze entstehen, profitiert auch die öffentliche Hand. Aus Mehrwert- und Einkommensteuer resultiert 2025 ein Steueraufkommen von rund 59 Millionen Euro, das als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zugutekommt. Darüber hinaus entstehen durch den Tourismus weitere Einnahmen, unter anderem aus Grund- und Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Kurtaxe und Tourismusabgabe.
Tourismusumsatz kontinuierlich gestiegen
Der Bruttoumsatz des Tourismus in Lippe ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen. Nach rund 578 Millionen Euro im Jahr 2022 wurde bereits 2023 die Marke von 600 Millionen Euro überschritten. 2025 erreichte der Umsatz schließlich den neuen Höchststand von rund 634 Millionen Euro. Der Anstieg geht überwiegend auf höhere Ausgaben der Gäste vor Ort zurück.
Gleichzeitig verzeichnen einzelne Kennzahlen einen Rückgang. Die Zahl der Tagesreisen liegt mit 12,5 Millionen weiterhin unter dem Wert von 2019 vor der Corona-Pandemie (13,1 Millionen). Laut dwif sind Inflation und ein gesunkenes Konsumbudget im besonders aktivitäts- und preissensiblen Tagesausflugsverkehr unter anderem Gründe für den Rückgang.
Beim Einkommensäquivalent ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen: Mit rund 9.800 liegt der Wert etwa elf Prozent unter dem Niveau von 2019. Aufgrund des Fachkräftemangels schränken Betriebe im Gastgewerbe ihre Öffnungszeiten ein oder müssen Anfragen für Feierlichkeiten und Veranstaltungen ablehnen. Auch diese Entwicklung zeigt sich laut dwif bundesweit.
„Diese Zahlen sind ein klarer Auftrag: Wir wollen nicht nur weitere Gäste gewinnen, sondern vor allem auch qualitativ wachsen, also mehr Wertschöpfung pro Gast generieren. Investitionen in touristische Infrastruktur und die Vermarktung der Region zahlen sich aus – in Euro und Cent für viele Branchen, durch zusätzliche Steuereinnahmen für die Kommunen und durch eine höhere Lebensqualität für die OWLerinnen und OWLer“, so Markus Backes, Geschäftsführer der OstWestfalenLippe GmbH und Leiter des Teutoburger Wald Tourismus.
Tourismus weiter auf Wachstumskurs
Ein Blick auf die offizielle Beherbergungsstatistik zeigt zudem: Die positive Entwicklung des Tourismus in Lippe setzt sich auch 2026 weiter fort. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Übernachtungen um 2,3 Prozent, bei den ausländischen Gästen sogar um 22,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert, was damit auch über der bundesweiten Entwicklung liegt.
„Die Zahlen zeigen, dass sich der Tourismus verändert. Wir benutzen sie, um uns kontinuierlich zu verbessern und die Trends zu erkennen. Gerade die unterschiedlichen Entwicklungen bei Tages- und Übernachtungsgästen sowie im internationalen Tourismus machen deutlich, dass wir diese Veränderungen aufmerksam beobachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen müssen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Lippe touristisches Potenzial hat – und dieses Potenzial wollen wir auch in Zukunft konsequent nutzen“, resümiert Günter Weigel, Geschäftsführer der Lippe Tourismus & Marketing GmbH.





