
Bad Salzuflen. Viele ältere Menschen werden sich noch an den Spruch „Die Polizei, den Freund und Helfer“ erinnern. Das waren noch Zeiten, in denen man der Polizei mit Respekt entgegentrat. Doch diese scheinen lange vorbei zu sein. Heute werden nicht nur Polizisten, sondern auch alle anderen Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Rettungskräfte im Dienst angegriffen und verhöhnt. Respekt gibt es nicht mehr. Vielmehr liest man immer häufiger Schmierereien wie „All Cops Are Bastards (ACAB)“.
Mit der Aktion „Coffee with a Cop“ will das NRW-Innenministerium den Bürgern die Möglichkeit geben, bei kostenlosem Kaffee, Tee oder Kakao entspannt mit Polizisten ins Gespräch zu kommen und Einblicke in deren Arbeit zu erhalten.
„Der Termin in der Badestadt ist einer von zehn, die das Innenministerium in NRW in diesem Jahr durchführt. Die Aktion ist Teil der Kampagne ‚NRW zeigt Respekt!‘. Sie fördert den unkomplizierten Kontakt und setzt ein starkes Zeichen für den Respekt gegenüber Einsatzkräften“, sagte Nina Ehm, Pressesprecherin der Polizei Lippe.
Eine solche Veranstaltung soll Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass hinter den Uniformen auch Menschen stehen. Neben Einsatzkräften aus ganz Lippe waren auch die gesamte Führungsspitze der Polizei Lippe einschließlich des Landrates Meinolf Haase und Bürgermeister Dirk Tolkemitt gekommen, um den besonderen Gast, NRW-Innenminister Herbert Reul, zu begrüßen.
Der traf pünktlich wie angekündigt gegen 12.30 Uhr auf dem Salzhof ein. Unkompliziert und bürgernah, so wie man ihn kennt und es erwartet, strebte er auf die mehr als hundert interessierten Bürger zu und schüttelte Hände, bevor er sich einen ersten Kaffee bestellte.
Wie schon zu seiner Buchpräsentation im Januar in Oerlinghausen sprach er sein Herzensanliegen, Menschen zurückzuholen, die das Vertrauen in die Politik und den Staat verloren hätten, an. „Ich hoffe, Leute zu erreichen, die ich sonst nicht erreiche. Ich habe keine Lust, die Menschen irgendwelchen Idioten zu überlassen“, sagte er.
Dafür müsse man Probleme offen ansprechen und sich um sie kümmern. Es brauche Zeit, Geduld und Ausdauer oder, wie er immer wieder betonte: „Kleine Schritte statt große Sprüche“. Es gehe ihm darum, zu zeigen, dass es möglich sei, das Vertrauen der Bürger in den Staat und in die Polizei zurückzugewinnen, so Reul. „Ich will ein gutes Vorbild sein. Denn ich will meinen Enkeln eine ordentliche Welt hinterlassen“, sagte er auf die Anmerkung des LWZ-Reporters, dass er aber ein großer Optimist sei.
Sein Auftreten und die Gespräche mit den Menschen vor Ort seien dazu da, das Gefühl zu bekommen, was eigentlich los sei. Mehr Aufmerksamkeit und Respekt für Polizisten und Rettungskräfte ebenso wie für Busfahrer, Lehrer oder andere Berufsgruppen, denen häufig Anerkennung fehle, und mehr Achtung im Allgemeinen seien wichtig, so Reul.
Dass dies gut bei älteren Menschen ankommt, war auch, wie schon im Januar in Oerlinghausen, festzustellen. Sie machten den Hauptteil der Besucher am Mittag auf dem Salzhof aus. Eine Frau hatte sogar sein Buch mitgebracht und holte sich ein Autogramm für ihren Mann, der im Krankenhaus läge, aber ein großer Fan des Innenministers sei, wie sie sagte.
Reul sagte den anwesenden Journalisten auch, für wie wichtig er den professionellen Journalismus halte. „Das Internet hat nichts mit gutem Journalismus zu tun, es ist Meinungsmache, die aber leider viele Menschen stark beeinflusst“, sagte er.
Er forderte erneut mehr Videoüberwachung und technische Unterstützung der Ermittlungsbehörden. Als Beispiel nannte er die automatische Nummernschilderfassung auf Autobahnen. Dort seien Datenschutzbedenken fehl am Platz, sagte er. Den anwesenden Menschen gefiel das auch vor dem Hintergrund der in den vergangenen Tagen stark diskutierten Kontrollen der E-Scooter in Lippe.
Neben den Gesprächen mit dem Minister, der nach gut einer Stunde den Ort wieder verließ, gab es auch viele angeregte Gespräche mit der Polizeiführung. Nina Ehm erklärte, dass man unter den 47 Behörden landesweit den Zuschlag für diesen Termin bekommen habe. Nach einem Jahr Pause habe man sich dabei ganz bewusst für Bad Salzuflen entschieden.
Die Kriminalitätsentwicklung in der Salzestadt als auch das dortige subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen hätten dabei eine Rolle gespielt. Sie erinnerte dabei an mehrere Körperverletzungen im Umfeld des Weinfestes im vergangenen Jahr, glaubte aber, dass sich die Verhältnisse jetzt wieder beruhigt hätten.






