
Detmold. Ein litauisches Filmteam (Nordplay) war im September für eine Dokumentation über Vydūnas (bürgerlicher Name Wilhelm Storost, 1868–1953) in Detmold. Der in Litauen sehr bekannte Lehrer, Dichter, Philosoph, Humanist und Theosoph lebte dort mehrere Jahre.
Die Dokumentation wird im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Litauen gedreht (LRT televizija). Sie ist Teil der zwölfteiligen Reihe „Die große Reise durch Kleinlitauen“ über die Geschichte, Kultur und die Menschen Kleinlitauens.

„Ein wichtiger Teil der Lebensgeschichte von Vydūnas ist mit Detmold verbunden“, erklärt die Regisseurin Agnė Verksnytė-Paulauskienė. „Hier verbrachte er seine letzten Lebensjahre, hier starb er und wurde zunächst auch beigesetzt. Später wurden seine sterblichen Überreste nach Litauen überführt. Deshalb haben wir für unsere Vydūnas-Folge auch in Detmold gedreht – an Orten, die mit seinen letzten Lebensjahren, seinem Andenken und seinem bis heute bewahrten Erbe verbunden sind.“
Vydūnas stammte aus einer preußisch-litauischen Familie und war mit einer Deutschen, Klara Füllhase, verheiratet, die 1937 in Tilsit starb. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Fluchterfahrungen fand er eine zweite Heimat in Detmold. Vydūnas hatte viele Interessen, unter anderem an der indischen Kultur. Während seiner Zeit in Detmold übersetzte er 1946 als Erster die „Bhagavad Gita“ ins Litauische.
Der Philosoph und Humanist lebte die Idee der Völkerverständigung. Ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Litauen war ihm ein Anliegen. Das traf zu der damaligen Zeit nicht auf Gegenliebe: Sein 1932 erschienenes Buch „700 Jahre deutsch-litauischer Beziehungen“ wurde 1933 im Nationalsozialismus verboten.
Drehorte in Detmold
Das Team aus Litauen filmte an verschiedenen Orten in Detmold, die zu Vydūnas in Beziehung stehen: in der Wiesenstraße, in der Moltkestraße, am Friedhof Blomberger Straße. Im Schloss gab es ein Interview mit Prinz Stephan, der Ehrenmitglied in der litauischen Vydūnas-Gesellschaft ist, sowie in der Martin-Luther-Kirche mit Pfarrer Frank Erichsmeier, der für die Lippische Landeskirche partnerschaftliche Beziehungen zu Kirchen in Litauen pflegt.
Begleitet wurde das Filmteam von Pfarrer im Ruhestand Miroslav Danys, ehemaliger Osteuropa-Beauftragter der Lippischen Landeskirche und ein Vydūnas-Kenner, der sich sehr für die Erinnerung einsetzt: „Vydūnas hat eine große Bedeutung für die litauische Identität und für die deutsch-litauische Freundschaft. Insbesondere wir in Detmold pflegen gerne die Erinnerung. Er war ein großer Europäer.“





