Kreis Lippe/Barntrup. Sie ist zwar kein Wundermittel, trotzdem von großer Bedeutung für das menschliche Sein: Die Dankbarkeit – am 21. September wurde der Welttag der Dankbarkeit begangen.
Können wir in einer Zeit, die voller Schrecken und Sorgen steckt, in der Unsicherheit und Unzufriedenheit herrschen, überhaupt noch dankbar sein?
Unbedingt, und vielleicht auch gerade deswegen, brauchen wir den Blick auf die „Haben-Seite“, meint die Gärtnerin und Heilpraktikerin Dagmar Mönnig: „Allein von dem, was uns Mutter Erde zur Verfügung stellt, was sie aus sich heraus immer wieder entstehen lässt, so zum Beispiel mit einem Apfelbaum, der im Frühjahr seine Blüte trägt und später seine Früchte anbietet, sind wir reichhaltig beschenkt – und das, ohne etwas dafür tun zu müssen.“

Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, im Leben bewusst auf die Dinge zu schauen, für die man dankbar sein kann. Es gibt Hinweise, dass Personen, die Dankbarkeit empfinden können, eine längere Lebenserwartung haben. Dankbarkeit mache uns zufriedener, stressfreier, könne sogar ein Schutz vor Burnout sein und das Immunsystem stärken, meint Mönnig.
Allerdings gäbe es schon Phasen oder Situationen, die dies erschwerten: „Diese Haltung der Zufriedenheit kann durch Schicksalsschläge erschüttert werden. Wird die Dankbarkeit von Sorgen, Grübeleien oder gar einer Depression überschattet, ist das eher lebensverkürzend. Dann sind Familie und Freunde, mit denen man vielleicht schon einige Krisen gemeistert hat, ausgesprochen wichtig, um zu dem Gefühl der Dankbarkeit zurückzufinden.“
Man müsse nicht schön und reich sein, müsse keine Karriere machen – die Dankbarkeit sei nicht zwangsweise an Besitz gebunden, meint Dagmar Mönnig: „Für den Frieden und die Freiheit, sagen zu können, was man denkt, kann man unendlich dankbar sein. Auch ein Lächeln, eine kleine Aufmerksamkeit, der Duft einer Pflanze im Garten, das Schnurren einer Katze, ein Kompliment, der Anblick einer schönen Landschaft – wenn man achtsam durchs Leben geht, nimmt man viel Schönes wahr, für das man ein Gefühl der Dankbarkeit empfinden kann.“
Familie, Freunde, Gesundheit sind die drei Spitzenreiter der großen Dankbarkeit, gefolgt von einem befriedigenden Job oder Hobby, einem schönen Zuhause und der finanziellen Sicherheit. Aber auch Situationen, die ein Unglück bergen, das sich dann aber zum Guten wandelt oder gar in Luft auflöst, rufen tiefe Dankbarkeit hervor: Der Verdacht auf Krebs, der sich nicht bestätigt, die Sorge um ein Kind, das viel zu spät nach Hause kommt – Befürchtungen, die sich nicht „erfüllen“, haben großes Dankbarkeitspotential.
Zu sehen, was gut im Leben läuft, und das nicht für selbstverständlich zu halten, ist der beste Nährboden für die Dankbarkeit. Gerade wenn man das Leid und die Schicksalsschläge anderer wahrnimmt, führt das fast automatisch zu der Erkenntnis, wie gut es einem doch geht. Dann sieht man voller Zufriedenheit auf das allseits bekannte Glas und weiß, daß es halb voll ist. Der österreichische Lehrer und Dichter Ernst Ferstl stellt sinnig fest: „Der Weg zur Zufriedenheit führt mitten durch die Dankbarkeit.“







