
Lage. Nummer 89 ist der unangefochtene Star auf der Obstwiese. Kaum zu glauben, was der Baum so alles an den Ästen hängen hat. Apfel an Apfel, dicht an dicht – als hätte jemand beim Einräumen des Obstregals die Packungsgrenze großzügig ignoriert. Und dabei ist Nummer 89 noch gar nicht besonders alt.
Seine eher überschaubare Körpergröße kommt den Kindern des Kinderhauses »Blauer Elefant« an der Lemgoer Straße allerdings sehr entgegen. Was andernorts eine Leiter erforderlich machen würde, lässt sich hier mit ein bisschen Recken und Strecken erledigen. Wobei vor dem Strecken zunächst einmal das Bücken kommt.
»Sammelt zuerst die Äpfel vom Boden auf«, weist Margarete Wißmann, Vorsitzende der Ortsgruppe Lage im Lippischen Heimatbund, die jungen Erntehelfer an. Schließlich soll kein Apfel unnötig im Gras verschimmeln. Schon bald haben die Nachwuchs-Pflücker den Dreh heraus: Hier wird gesammelt, dort wird geschüttelt – und schon purzeln die Vitaminbomben aus dem Baum.
»Vom Baum in den Korb, vom Korb in die Presse – und am Ende kommt der Herbst in flüssiger Form aus der Flasche«, bringt Ferdinand Schmedding, der sich im Transportwesen der Apfel-Aktion des Lippischen Heimatbundes engagiert, den Weg der Früchte auf den Punkt.
Im vergangenen Jahr kamen an zwei Erntetagen immerhin drei Tonnen Äpfel zusammen. »Dieses Jahr werden es wohl insgesamt 3,5 Tonnen«, schätzt Margarete Wißmann. Das sind 3500 Kilogramm – oder, anders gerechnet, eine ziemlich beeindruckende Menge Apfelsaft. Naturtrüb, versteht sich. Und deutlich näher am echten Apfel als manches Getränk aus dem Supermarkt, bei dem der Apfel offenbar erst nach längerer Suche auf der Zutatenliste auftaucht.
Für das Kinderhaus »Blauer Elefant« geht es allerdings um weit mehr als um die Produktion von Apfelsaft. Die Pflückaktion ist Teil des groß angelegten Nachhaltigkeitsprojektes der Einrichtung des Deutschen Kinderschutzbundes. Die Kinder erleben dabei ganz praktisch, was Nachhaltigkeit bedeutet: Ein Apfel wächst am Baum, landet im Korb, wird zur Mosterei gebracht – und kommt später als Saft zurück ins Glas.
Für das Kinderhaus »Blauer Elefant« geht es um weitaus mehr als die Gewinnung von Apfelsaft. Die Pflückaktion steht im Rahmen des großformatigen Nachhaltigkeitsprojektes dieser Einrichtung des Deutschen Kinderschutzbundes. Nummer 89 dürfte seinen Teil dazu jedenfalls geleistet haben. Er hat in diesem Herbst reichlich geliefert. Und wenn Bäume Applaus verstehen, hätte er sich vermutlich längst eine kleine Verbeugung erlaubt.






