
Lage-Pottenhausen. Das begeisterte Kreischen junger Mädchen ist schon von weitem zu hören. Ein Geräusch, das zuverlässig verrät: Die Kirmes ist eröffnet. Über dem Platz wabert Theaternebel. Lichter blinken, Musik dröhnt. Und irgendwo zwischen Autoscooter und Bratwurstbude beginnt die alljährliche Suche nach dem ultimativen Kirmeskick.
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Für die größeren Kids – und solche, die es bald schon nicht mehr sind – gibt es das „Delirium“. Der Name ist Programm. Das Fahrgeschäft ist weitaus mehr als ein Karussell: Die in vollendeter Runde angeordneten Schleudersitze schrauben sich in die Höhe wie eine wild trudelnde Rakete. Unten auf festem Boden sieht das schon ziemlich spektakulär aus. Wie sich das oben anfühlt, kann man nur ahnen.
Die Jüngsten wissen ziemlich genau, wo dieses Kirmes-Gefühl zu finden ist: auf dem Kinderkarussell. Sie drängen nach vorn, während ihre Mütter tapfer versuchen, dem bettelnden Blick der Sprösslinge standzuhalten.

Wem das noch nicht reicht, der steigt in den „Musik-Express“. Der dreht seine Runden zunächst so, als wolle er nur höflich guten Tag sagen. Dann wird er immer rasanter. Der Stimmungsmacher fragt seine Fahrgäste: „Freunde der Sonne, wollt ihr noch mal?“ Was für eine Frage. „Jaaa!“, schallt es vielstimmig zurück.
Und auch auf die nächste Frage – „Darf’s noch ein bisschen mehr sein?“ – kommt die erwartbare Antwort: „Schneller!“ Die Kirmes ist schließlich kein Wellness-Studio, sondern eher ein Abenteuer-Spielplatz.

An der Kasse steht Linda Armbrecht-Tacke und zieht eine frühe Bilanz: „Mit dem ersten Tag sind wir ganz zufrieden.“ Kann sie auch. Das Wetter spielt fabelhaft mit, was auf Reinholdi – in der Herbstzeit – durchaus nicht selbstverständlich ist. Sonne, trockene Straßen und Kirmesbetrieb: Da kann man schonmal gute Laune haben.
„Aber warten wir mal ab“, sagt Linda Armbrecht-Tacke. „Kasse machen wir am Ende.“ Ein Satz, der auf einer Kirmes vermutlich schon Generationen von Schaustellern am Anfang begleitet hat. Denn noch ist der Platz nicht bis zum letzten Karussellsitz gefüllt.
Gerade an den Gourmet-Buden und Süßigkeitsständen gibt es noch Luft nach oben. Vielleicht liegt es daran, dass die Besucher erst einmal ihr Portemonnaie warmhalten müssen. Die klassische Tüte gebrannte Mandeln kostet schließlich inzwischen auch einen ganzen Stiefel.
Dafür bekommt man allerdings etwas, das man im Supermarkt vergeblich sucht: den Duft von Zucker, Fett, gebrannten Mandeln, Bratwurst und einer ordentlichen Portion Nostalgie.
Der Strom der Besucher schwillt an. Vor den Toren der Kirmes ist der Parkplatz am frühen Abend jedenfalls gut gefüllt. Und die Autokennzeichen beweisen: Die Kirmes zieht. BI, DH, G, GF, GT, HF, HX, HB, MI, OB, RU: Das ist nur eine kleine Auswahl der Kennzeichen aus der ersten Reihe. Die Besucher kommen also nicht nur aus der Nachbarschaft. Manche haben für ihre Kirmeslust durchaus ein paar Kilometer auf sich genommen.
Auf dem Platz selbst wird derweil weiter gekreischt, gelacht, gegessen und gefahren. Die einen suchen den nächsten Adrenalinschub, die anderen die größte Zuckerwatte. Kinder wollen noch einmal Karussell, Jugendliche noch einmal „Delirium“, und beim Musik-Express steht die Antwort auf die Frage nach einer weiteren Runde ohnehin schon vorher fest.
Die Kirmes ist eben eine merkwürdige Veranstaltung: Besucher rechnen beim Preis einer Tüte Mandeln plötzlich sehr genau – und geben anschließend bereitwillig viel Geld dafür aus, sich in einer rotierenden Schleudermaschine den Magen bis zum Hals drehen zu lassen. Aber das gehört dazu. Schließlich ist Kirmes in Pottenhausen nur einmal im Jahr.








