Lemgo/Kalletal. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Kalletal sorgt erneut für Aufsehen: Dieses Mal geht es um eine Presseerklärung des Kalletaler Bürgermeisters Mario Hecker, die verschiedenen Medien am 9. Oktober zugestellt wurde.
Darin schließt Hecker eine Zusammenarbeit des Kalletaler MVZ mit Lemgo in Bezug auf das von den Städten Lemgo und Lage gemeinsam mit dem DRK geplante MVZ sowie eine mögliche kaufmännische Übertragung des MVZ an das DRK Lippe nicht aus.
Ausdrücklich bezieht sich Mario Hecker in seiner Mitteilung auf kommende Anträge der FDP und der Grünen im Lemgoer Rat. Er bewertet die Anträge der Fraktionen im Lemgoer Rat nach seinem Besuch in den Fraktionen dort als ausdrücklich positiv, wie es in seiner Mitteilung heißt.
„Ich freue mich über das große Interesse der Fraktionen. Dass sich daraus konkrete Anträge im Rat der Alten Hansestadt Lemgo entwickelt haben, freut mich natürlich besonders“, wird er wörtlich zitiert.
Aus seiner Sicht ergeben sich mehrere denkbare Kooperationen, nicht nur mit der möglichen Ausbildung von Ärzten, sondern auch mit weitergehender kommunaler Zusammenarbeit.
„Sollte sich herausstellen, dass die geplante interkommunale Lösung in Lemgo mit dem DRK nicht klappt, können wir auch über eine gemeinsame Lösung nachdenken, bei der das DRK Lippe beispielsweise die kaufmännische Leitung und Geschäftsführung übernehmen kann“, so der Kalletaler Bürgermeister.
Dazu nimmt der Lemgoer Bürgermeister Markus Baier gegenüber der LWZ wie folgt Stellung: „Dass Herr Hecker über die Gemeinde Kalletal auch die Pressemitteilungen zum Lemgoer Rat übernommen hat, ist schon ungewöhnlich. Ich kann nur zur Kenntnis nehmen, dass diese indirekte Form der Kommunikation gewählt wurde, und möchte über die Gründe nicht spekulieren. Ich habe nicht vor, über die Gemeinde Kalletal und ihr MVZ zu sprechen. In Lemgo planen wir aus guten sozioökonomischen Gründen weiter mit der Stadt Lage ein Interkommunales MVZ mit anderer Grundkonzeption und in gutem Kontakt mit der Ärzteschaft und dem DRK, die ebenfalls nicht kontaktiert wurden und eine Zusammenarbeit mit dem MVZ im Kalletal ablehnen.“
Auch das DRK Lippe hat in diesem Zusammenhang eine Pressemitteilung, die der LWZ vorliegt, verschickt, in der es heißt: „Niemand aus dem Kalletal hat mit dem DRK Lippe in Bezug auf das Thema ‚MVZ‘ Kontakt aufgenommen und mit einem MVZ Kalletal, das sowohl in der Ärzteschaft als auch in der Politik hoch umstritten ist, wird das DRK Lippe allein aufgrund seiner Neutralitätspflicht nicht kooperieren.“
Zu dem Thema „Ärzteschaft“ äußert sich Dr. Martin Schäfers, Hausarzt im Kalletal, gegenüber der LWZ und spricht von einem Systemkampf. Er belegt dies mit einem Zitat des Kalletaler Bürgermeisters im Nordlippischen Anzeiger und bei Radio Lippe, in dem Mario Hecker unter anderem wie folgt zitiert wird: „(…) Wer bisher mit dem Gedanken gespielt hat, in das MVZ zu wechseln, oder auf der Suche nach einem Allgemeinmediziner ist, kann diesen Schritt nun guten Gewissens tun. Der 1. Oktober markiert den Beginn eines neuen Quartals – und damit könnte der Zeitpunkt für einen Wechsel kaum besser sein (…).“
Dr. Schäfers sieht diese Äußerung als Frontalangriff auf die niedergelassenen Hausärzte im Kalletal und die Aufforderung, deren Praxen zu verlassen, an und hat deshalb die Ärztekammer und alle in Frage kommenden Institutionen eingeschaltet.
Und auch die CDU-Fraktion im Lemgoer Rat hat sich gegenüber der LWZ zu diesem Thema geäußert. Steven Grimshaw, der sich zurzeit im Ausland befindet, schreibt in einer E-Mail an die Redaktion: „Grundsätzlich hätten wir uns als CDU Lemgo nicht in die Angelegenheiten der Kalletaler Kommunalpolitik eingemischt – über das MVZ Kalletal entscheiden die Gremien im Kalletal. Mit seiner Pressemitteilung zu den Beratungen des Lemgoer Rates hat Bürgermeister Hecker die Lemgoer Debatte nun allerdings selbst zum Thema gemacht. Die CDU Lemgo unterstützt oder befürwortet ein solches MVZ-Konzept nicht. Wir stehen unmissverständlich zu dem interkommunalen MVZ, welches wir gemeinsam mit der Stadt Lage auf den Weg bringen wollen. In dieser Frage teilen wir ausdrücklich die Haltung von Bürgermeister Markus Baier.“







