
Lage. Und wieder schaut die Zuckerstadt in die Röhre. Es gibt keine Fördermittel für die Sanierung des Hallenbades. Die Verwaltung wollte viel Geld aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ rausholen und legte dazu ein 15 Millionen Euro schweres Konzept vor.
Fast 200 Projekte kamen in die Auswahl; Lage flog raus. Die Zuckerstadt trat mit einem 15-Millionen-Euro-Wunsch und der Spekulation an, dass Lage wegen seiner prekären Haushaltslage 75 Prozent bis zu Deckelung von 8 Mio. Euro einstreichen werde. Pustekuchen: Nicht einen Cent macht der Bund locker. Für Kämmerer Uwe Aust ein Déjà-vu-Erlebnis: Die Stadt ist davor schon einmal mit einem Fördergeld-Antrag fürs Hallenbad gescheitert.
KOMMENTAR
von Hajo Gärtner
Versetzen wir uns doch mal in die Köpfe der Fördermittelverteiler. Wem würden wir das Geld geben? Na klar: lieber Vielen ein bisschen helfen, als Wenigen die ganz große Wunschkiste vor die Füße kippen. Wer bescheiden fragt, hat womöglich mehr Chancen als jemand, der gleich mit der Schubkarre vorfährt. Denn auch Fördertöpfe haben einen Boden. Und der ist schneller erreicht, als mancher Kämmerer die Locken auf der Glatze drehen kann.
Natürlich kann man es mit der Methode »Wer viel fordert, kriegt wenigstens ein bisschen« versuchen. Das klappt vielleicht auf dem Basar. Bei der Verteilung öffentlicher Fördermittel könnte es sich allerdings als Schuss in den Ofen erweisen. Wer den großen Happen verlangt, geht womöglich leer aus. Wer dagegen nur das Nötigste will, könnte eher zum Zuge kommen.
Und was wäre das Nötigste? Das Hallenbad erst einmal am Leben halten! Ein Fachmann hat mir einmal erklärt, dass sich das Gebäude mit einer Reparatur und der Sicherung seiner Statik noch fünf bis zehn Jahre nutzen ließe. Das würde natürlich Geld kosten – aber eben nur einen Bruchteil des 15-Millionen-Euro-Pakets. Man muss nicht gleich einen neuen Palast aus dem Boden stampfen, wenn es zunächst darum geht, den Boden unter den Füßen zu erhalten.
Ein Neubau zum doppelten Preis, wie ihn die Grünen vorgeschlagen haben, klingt zwar verlockend. Die Idee, Hallen- und Freibad nach dem Vorbild des Eau-Le in Lemgo zusammenzuführen, hat durchaus ihren Reiz. Nur: Woher soll das Geld kommen? Aus der Portokasse des Stadtkämmerers jedenfalls kaum.
Damit sind wir bei Lages nächstem Denkfehler: dem ständigen Blick über den Gartenzaun. Bad Salzuflen, Detmold und Lemgo machen etwas vor – also möchte Lage am liebsten mitspielen. Die Anderen bewegen sich im Rahmen ihren Möglichkeiten aber in einer anderen Größenordnung.
Lage muss nicht großspurig fahren; man kommt auch auf schmaler Spur voran. Damit wird die Stadt ihrer Geschichte gerecht: vom »Flecken Lage« auf der Landkarte der frühen Neuzeit über die „Zieglerstadt des 19. Jahrnunderts“ bis in die „autofreundliche Stadt“ der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine Gemeinde, die mit Fleiß und Bodenständigkeit bescheiden gewachsen ist. Das ist kein Makel, sondern geradezu eine Tugend.
Oder man hält es mit Klaus Wowereit, dem früheren Regierenden Bürgermeister Berlins, der einst den berühmten Satz prägte: »Berlin ist arm, aber sexy.« Arm ist Lage haushaltstechnisch auch. Jetzt fehlt nur noch das Attribut „sexy“. Und das entsteht nicht durch immer größere Wunschzettel, sondern durch attraktive Ideen, die zur Wirklichkeit passen.






