Johann Walter und Diana Mochaniuk aus Leopoldshöhe (von rechts) wollen im Schuhhaus Budde von Bettina Schwundeck-Schäfer (links) etwas für ihre Füße tun. Ex- Fußballprofi Michael Scheike (Zweiter von links) berät sie dabei mit seinem Fußdruck-Messgerät. Foto: Hajo Gärtner

-PR-Anzeige- Detmold-Hiddesen. Eine Woche im Fahrradsattel und schon ist der Fuß beleidigt. Johann Walter hat die Erfahrung gemacht, dass selbst eine gemütliche Fahrradtour ungeahnte Nebenwirkungen haben kann. Nach sieben Tagen auf dem Drahtesel meldete sich plötzlich sein Fuß. Und zwar nicht mit einem freundlichen Gruß, sondern mit schmerzhaftem Protest.


Der Hausarzt wird konsultiert, der Orthopäde eingeschaltet. Doch zwischen Überweisung und erhoffter Hilfe liegen bekanntlich manchmal Welten. Auf einen Facharzttermin muss Walter noch wochenlang warten. So lange will er allerdings nicht auf gut Glück durchs Leben humpeln.

Da kommt ihm eine Anzeige in der LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG gerade recht: Ein Ex-Bundesliga-Kicker verspricht Abhilfe – mit einem ganz besonderen Schuh. Michael Scheike führt seine Modelle einen ganzen Tag lang bei Budde Schuhe an der Friedrich-Ebert-Straße in Hiddesen vor.

„Ich verspreche mir vom ‚wellbe-Schuh‘ keine Wunder, aber bis zu meinem Facharzttermin soll es nicht mehr so weh tun“, sagt Johann Walter. Dafür ist er eigens aus Leopoldshöhe angereist und hat gleich Verstärkung mitgebracht: Diana Molchaniuk. Die junge Ukrainerin lebt seit einem Jahr in Deutschland, büffelt fleißig die deutsche Sprache und hat ebenfalls Probleme mit den Füßen. Man könnte sagen: Zwei Paar Sorgen auf der Suche nach zwei Paar Schuhen.

Michael Scheike, inzwischen 63 Jahre alt, weiß, wovon er spricht – und zwar nicht nur, wenn es ums Kicken geht. In den 1980er- und 1990er-Jahren spielte er für Eintracht Braunschweig in der ersten und zweiten Bundesliga. Irgendwann verlagerte er seinen sportlichen Ehrgeiz allerdings vom Fußballplatz in die Schuhentwicklung. Statt dem Ball hinterherzujagen, beschäftigte er sich intensiv mit der Frage, wie Menschen möglichst beschwerdefrei durchs Leben laufen können. Das Ergebnis jahrelanger Tüftelei ist sein „wellbe-Schuh“, dessen Konzept er über die Jahre mehrfach weiterentwickelt hat.

Sohle mit Trampolin-Effekt

Das Geheimnis steckt in der Sohle. Sie ist patentiert, besonders weich und elastisch. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit mit Orthopäden und Sportwissenschaftlern. Der Schuh soll nicht nur bequem sein, sondern bei jedem Schritt die Fuß- und Beinmuskulatur aktivieren und gleichzeitig die Gelenke entlasten. Das Prinzip erinnert ein wenig an ein Trampolin: Die Sohle gibt beim Auftreten nach und federt anschließend wieder zurück. Hüpfen muss der Träger dafür glücklicherweise nicht. Es reicht, wenn er einen Fuß vor den anderen setzt.

Diagnose zwischen Schnürsenkeln und Schuhregalen

Dass hinter dem weichen Gehgefühl eine ganze Menge Technik steckt, demonstriert Scheike den zahlreichen Besuchern im Schuhhaus Budde. Mit einem speziellen Fußdruckmessgerät macht er die Belastung des Fußes auf einem Monitor sichtbar. Aus den Druckbildern leitet er mögliche Zusammenhänge mit Fehlhaltungen und Beschwerden ab, von den Füßen über Knie und Hüfte bis hin zum Rücken. Auch bei Fersensporn („Calcaneussporn“) sowie Durchblutungsstörungen und Venenproblemen soll das spezielle Schuhkonzept unterstützend wirken und Schmerzen lindern.

Eine unterhaltsame Wissenschaftsstunde zwischen Schuhregalen und Schnürsenkeln. Scheike erklärt, misst, zeigt und beantwortet Fragen. Die Zuhörer staunen, jedermanns Füße werden begutachtet – und offenbar wächst mit jeder Demonstration die Bereitschaft, dem besonderen Schuh eine Chance zu geben.

Der Erfolg lässt jedenfalls nicht lange auf sich warten. Rund 150 Neugierige berät Scheike an diesem einen Tag. Bei Bettina Schwundeck-Schäfer, Inhaberin von Budde Schuhe, herrscht Hochbetrieb. „Ein Wahnsinnsandrang“, berichtet sie am Abend. Selbst als sich gegen 14 Uhr der Besucheransturm zwischendurch etwas abzuschwächen scheint, stehen immer noch vier Kunden gleichzeitig im Laden. Die Kasse dürfte an diesem Tag jedenfalls deutlich mehr Bewegung erlebt haben als so mancher Fuß.

Selbstversuch: Reinschlüpfen und loslaufen

Und dann wird auch der LWZ-Reporter neugierig. Schließlich hat er gelegentlich mit Rückenbeschwerden zu kämpfen. Im Augenblick allerdings weniger vom Laufen als vom langen Stehen und Zuhören. Ob der „wellbe“-Schuh tatsächlich hält, was sein Entwickler verspricht? Ein Selbstversuch muss her.

Er schlüpft in ein Modell mit sogenannter „Slip-in-Kappe“. Das ist besonders praktisch: kein Bücken, kein Schnüren, kein mühsames Hineinmanövrieren. Einfach hineinschlüpfen und losgehen. Und was soll er sagen: Der Schuh fühlt sich überraschend angenehm an. So angenehm, dass er ihn gar nicht mehr ausziehen möchte.

Ob damit auch seine Rückenprobleme dauerhaft das Weite suchen, wird sich zeigen. Aber eines steht fest: Der Schuh hat ihn schon einmal überzeugt – und das ganz ohne Verlängerung, Abseitsfalle oder Elfmeterschießen.