
Lage. Wer glaubt, dass auf einem Supermarktparkplatz nur Autos, Einkaufswagen und gelegentlich ungeduldige Autofahrer unterwegs sind, der irrt. Kürzlich sorgte dort nämlich ein ganz besonderer Verkehrsteilnehmer für Aufsehen: ein freilaufendes Huhn. Statt sich um Eierpreise oder Sonderangebote zu kümmern, hatte die gefiederte Dame offenbar beschlossen, auf eigene Faust die große weite Welt zu erkunden. Dummerweise hatte sie sich dafür ausgerechnet einen Supermarktparkplatz ausgesucht. Zwischen rangierenden Autos, hupenden Verkehrsteilnehmern und eiligen Kunden war das Abenteuer offenbar doch etwas aufregender als gedacht.
Eine aufmerksame Zeugin entdeckte die Ausreißerin und verständigte die Polizei. Die Einsatzkräfte rückten an und nahmen sich der ungewöhnlichen Verkehrsteilnehmerin an. Dabei bewiesen sie nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern offenbar auch ein gewisses Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse eines Huhns. Denn schnell stand fest: Auf dem lauten, hektischen Parkplatz war kein gemütliches Plätzchen zu finden. Die Polizeiwache hingegen versprach deutlich bessere Bedingungen. Weniger Einkaufsstress, keine quietschenden Einkaufswagen und vor allem ein überschaubares Publikum. Da musste die Entscheidung nicht lange ausgebrütet werden.
Kurzerhand wurde das Federvieh zum Dienstsitz der Ordnungshüter transportiert. Die Fahrt im Streifenwagen dürfte für die Henne ein Erlebnis der besonderen Art gewesen sein. Blaulicht, Funkverkehr und eine Aussicht, die normalerweise nur ungefiederten zweibeinigen Fahrgästen vorbehalten ist. Ob sie während der Fahrt passiv auf dem Rücksitz saß oder sich innerlich bereits auf eine Karriere bei der Polizei vorbereitete, ist nicht überliefert. Jedenfalls erreichte sie die Wache aufgeregt, aber wohlbehalten.
Dort angekommen, schien sie sich erstaunlich schnell einzugewöhnen. Kaum hatte sie ihre neue Unterkunft bezogen, war auch schon der passende Beobachtungsposten gefunden: die Fensterbank. Von dort aus hatte die gefiederte Praktikantin ihr neues Team bestens im Blick. Kein Kollege konnte sich unbeobachtet bewegen, kein Telefonat blieb unbemerkt – und über den Funk war sie stets auf dem Laufenden. Man könnte sagen: Sie hatte den Überblick und war damit manchem menschlichen Polizei-Praktikanten bereits einen Schritt voraus.
Doch wie bei jedem Praktikum kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem es heißt: Feierabend! Pünktlich zum Schichtende war auch der tierische Polizeidienst beendet. Eine Lagenser Bürgerin erschien auf der Wache, um ihre Ausreißerin wieder abzuholen. Offenbar hatte sie inzwischen bemerkt, dass ein Huhn fehlte – und dass sich die Suche besser nicht auf den heimischen Hühnerstall beschränken sollte.




