Kreis Lippe/Herford. Noch sind sie rar gesät, die Tierschutzlehrer – im Lipperland gibt es vier an der Zahl. Der Deutsche Tierschutzbund hat 2012 begonnen, diese Ausbildungsmöglichkeit anzubieten. Die meisten Tierschutzlehrer unterrichten im Rahmen ihrer Lehrertätigkeit, ob an Grund- oder weiterführenden Schulen.
So ist es auch im Fall der gebürtigen Herforderin Melanie Wittland. Die Diplombiologin unterrichtet seit 15 Jahren am Gymnasium Heepen und hat im vergangenen Jahr die Ausbildung zum Tierschutzlehrer absolviert: „Das ist eine absolute Herzensangelegenheit von mir. Ich bin mit dem Tierschutzgedanken groß geworden und möchte das auch gern an junge Menschen weitergeben.
Wenn die Schüler dann sensibilisiert sind für die Bedürfnisse von Tieren, steigt auch die Wertschätzung, ganz egal, um welches Tier es sich handelt – da zählt auch die Ameise oder Spinne – Respekt sollte man vor jedem Lebewesen haben“, meint Wittland.
Engagiert betreut sie AGs wie den „Forscherclub“, „Jugend forscht“ oder den schuleigenen Garten. Seit vielen Jahren schon hegte sie den Wunsch Tierschutzlehrer zu werden, doch Beruf und privater Tierschutz ließen dies erst zu, als die einjährige Ausbildung digital stattfand. Mit Web-Seminaren in der Zeit von April bis November wird der oder die Auszubildende auf die Abschlussprüfung mit Lehrprobe vorbereitet; nach bestandener Prüfung ist man dann zertifizierter Tierschutzlehrer.
Die Weiterbildung ist in die Module Heimtiere, Schule und Lernen, Tier und Mensch, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere gegliedert. „Es wurde uns nicht nur Wissen vermittelt, es war eine wahre Schatzkiste an Ideen und Materialtools, die uns an die Hand gegeben wurde. Es war unglaublich facettenreich, was wir zusammen ausprobiert haben – es ist die tollste Weiterbildung, die ich je kennengelernt habe“, lobt Wittland die Tierschutzlehrer-Ausbildung des Deutschen Tierschutzbundes.
Prüfungsthema war Planung und Umsetzung einer sogenannten Tierschutzeinheit: „Da habe ich ein Thema gewählt, das mich schon sehr lange beschäftigt, und zwar den Igelschutz – Gefahren für den Igel im Garten war meine Abschlussarbeit, verbunden mit den Handlungsmöglichkeiten, die man als Gartenbesitzer hat.
Das habe ich dann auch praktisch mit den Schülern im Schulgarten umgesetzt“, so Wittland, der es ein besonderes Anliegen ist, Schülern die Begebenheiten einmal aus der Sicht des Tieres zu zeigen – ein Perspektivwechsel, durch den man auch emotional viel lernen kann. Rollenspiele und das Hineinversetzen in das Erleben des Tieres helfen häufig dabei, das Verhalten der Tiere und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen. Hauptbestandteil des Tierschutzunterrichts ist die praktische Arbeit.
Dazu zählt vor allem, dass die Kinder Dinge selbst ausprobieren können. Um die bedrängte Situation von Legehennen nachzuempfinden, stellen sich die Kinder zum Beispiel in ein auf dem Boden abgeklebtes, ein Quadratmeter großes Feld. Schnell wird ihnen dabei deutlich, wie bedrückend die Lebensumstände für Legehennen in der Kleingruppenkäfighaltung sind.
Das große Ziel von Wittland, die auch gelernte Tierarzthelferin ist, ist eine längerfristige Tierschutz-AG, die sich dezidiert mit sämtlichen Themen beschäftigt, auseinandersetzt und in Aktion tritt.
Tierschutz sollte, das ist der Wunsch der Erdkunde- und Biologielehrerin, einen höheren Stellenwert in der Schule einnehmen, in die Lehrpläne aufgenommen werden und auch schon Inhalt der regulären Lehrerausbildung sein – da ist noch viel Luft nach oben, meint Wittland.
Schulbücher seien in diesem Bereich sehr oberflächlich, beklagt sie und bedauert, dass es sich mit dem Thema „Haltungssysteme Hühner“ schon fast erschöpft hat: „Kinder und Jugendliche müssen auch gerade mit praktischen Erfahrungen für dieses Thema begeistert und sensibilisiert werden, ob durch Tierheim- oder Gnadenhofbesuche oder ein gemeinsames veganes Kochen.
Egal um welches Thema es sich handelt, es muss auf jeden Fall altersgerecht vermittelt werden und darf die Kinder zum einen nicht überfordern, muss aber zum anderen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, so zum Beispiel bei den eigenen Haustieren: Was für Bedürfnisse haben sie, was sagt mir ihr Verhalten, wie kann ich zu ihrem Wohlbefinden beitragen“, so die engagierte Lehrerin.
Ziel der einjährigen Tierschutzlehrer-Weiterbildung des Deutschen Tierschutzbundes ist es, Ehrenamtliche wie Pädagogen fachlich und didaktisch zu qualifizieren, um den Unterricht von der Grundschule bis zur sechsten Klasse gestalten zu können.
Mehr Informationen zur Tierschutzlehrer-Ausbildung, einen Film dazu sowie eine Suchmaschine, in der Tierschutzlehrer aus der Umgebung gefunden werden können, finden Interessierte auch im Internet. Bewerbungen für das Folgejahr sind wieder ab Herbst und bis zum 31. Dezember möglich.