Gesunde Produktivität statt Hustle Culture: Psychologin aus Detmold klärt auf

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Die Detmolderin Mara Pairan ist Psychologin und Expertin für gesunde Produktivität. Foto: Robert Pairan

Kreis Lippe/Detmold. Zum heutigen internationalen Tag der Produktivität (20. Juni) erklärt Mara Pairan, Psychologin und Expertin für gesunde Produktivität, dass produktives Arbeiten nicht mit langen Arbeitszeiten und dem Abarbeiten von To-do-Listen gleichzusetzen ist.

Mara Pairan (30) hat tiefe Wurzeln in der Region Ostwestfalen-Lippe. Aufgewachsen in Detmold, machte sie ihr Abitur am Lüttfeld-Berufskolleg in Lemgo und zog dann nach Leipzig, wo sie Psychologie studierte.

Während der anschließenden Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin machte sie sich 2020 selbstständig und spezialisierte sich auf Prokrastination und gesunde Produktivität. Nun lebt Mara Pairan wieder in Detmold.

Sie teilt ihr Wissen kostenlos in einem Blog auf ihrer Website und auf Social Media. Interessierte können sich auch für ihren Newsletter anmelden, um regelmäßig Tipps und Anregungen zur gesunden Produktivität zu erhalten. Sie unterrichtet zusätzlich an der Hamburger Fernhochschule und war auch schon im Fernsehen als Spezialistin zu sehen.

Mara Pairan empfiehlt spätestens nach einer Stunde Arbeit eine kurze Pause einzulegen. Foto: Robert Pairan

„Bei gesunder Produktivität geht es darum, sowohl aufgeschobene Projekte anzugehen als auch ausreichend Zeit für Erholung und Pausen einzuplanen“, sagt Pairan. Es sei der Mittelweg aus zu wenig machen und zu viel. Sie hebt hervor, dass viele Menschen, besonders Workaholics, zu „Genuss-Aufschiebern“ würden, indem sie angenehme Aktivitäten wie Pausen, Urlaub und Zeit mit Freunden zugunsten von Arbeit immer weiter aufschöben.

Menschen, die Genussaufschub praktizieren, sind einem höheren Stressniveau ausgesetzt, weil sie dringend benötigte Pausen und Ausgleich auf später verschieben. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt Pairan, sich der eigenen Ansprüche bewusst zu werden sowie Grenzen und klare Prioritäten zu setzen.

Regelmäßige Arbeitspausen einlegen

„Auf Pausen zu verzichten, ist kein Zeichen von guter Arbeitsmoral.“ Die Produktivitäts-Expertin betont, dass lange Arbeitszeiten zu Erschöpfung führen und letztlich die tatsächliche Produktivität mindern. „Es ist entscheidend, fokussiert zu arbeiten und regelmäßige Erholungsphasen einzuplanen“, erklärt sie. Spätestens nach einer Stunde Arbeit solle eine kurze Pause eingelegt werden.

Wie genau man es schafft, Prioritäten zu setzen, weniger aufzuschieben und effizient zu arbeiten, vermittelt Pairan in Vorträgen und Workshops sowie in Einzelarbeit mit ihren Klienten. Ihre Kunden gehören häufig zur Gruppe der klassischen Aufschieber, die unangenehme oder langweilige Tätigkeiten wie die Steuererklärung oder Abschlussarbeiten aufschieben.

„Nicht verrückt machen lassen“

Aber auch viele Selbständige suchen ihre Hilfe, jedoch „leider oft erst, wenn sich die ersten negativen Folgen des Dauerstresses zeigen, etwa in Form von Angstzuständen oder körperlichen Beschwerden“, betont Pairan.

„Wir dürfen uns von den langen To-do-Listen nicht verrückt machen lassen“, fasst Pairan zusammen und ergänzt: „Wir werden niemals alles erledigen. Um so wichtiger ist, sich von der toxischen Hustle-Culture zu verabschieden und Zeit für das zu schaffen, was uns wirklich wichtig ist.“