Politik-Hammer in Oerlinghausen: Bürgermeister Becker tritt nicht wieder an

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Oerlinghausens Bürgermeister Dirk Becker (links), hier mit Landrat Dr. Axel Lehmann, hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Foto: Kreis Lippe

Oerlinghausen. Dirk Becker, Bürgermeister von Oerlinghausen, hat heute (Mittwoch, 26. Juni) seinen Rückzug aus der Politik mit Ende seiner laufenden Amtszeit verkündet. Diese endet in 16 Monaten am 31. Oktober 2025.

Seine Beweggründe im Wortlaut sind im folgenden persönlichen Statement nachzulesen:

„Ich habe lange mit mir gerungen, doch mein Ausstieg aus der Politik steht fest!
Nächstes Jahr blicke ich auf 35 Jahre politische Tätigkeit zurück, u. a. 10 Jahre als Bundestagsabgeordneter und weitere 10 Jahre als Bürgermeister meiner Heimatstadt Oerlinghausen. Am Ende meiner Amtszeit, dem 31.10.2025, befinde ich mich im 43. Berufsjahr.
Begonnen hat meine politische Laufbahn 1990 als sachkundiger Bürger im Sozialausschuss der Stadt und als stellvertretender Schriftführer im SPD Ortsverein. 1994, 1999 und 2004 gewann ich das Direktmandat zum Rat, war u. a. Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Stadtentwicklung, stellvertretender Bürgermeister von 1999 bis 2004 und von 2002 bis 2005 Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat.
Am 18.09.2005 durfte ich erstmals als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag einziehen, was ich 2009 und 2013 wiederholen konnte. Von 2008 bis 2014 war ich Vorsitzender des lippischen Kreisverbandes der SPD. 2014 übertrug mir die SPD Bundestagsfraktion die Aufgabe ihres Sprechers für Wirtschaft und Energie, für den als Minister nach Thüringen gewechselten Wolfgang Tiefensee.
Doch bereits da hatte ich mich entschieden, bei der Bürgermeisterwahl in meiner Heimatstadt Oerlinghausen im September 2015 anzutreten und dafür mein Bundestagsmandat aufzugeben. Zu sehr hing mein Herz an dieser Stadt, in der das politische Klima eher vergiftet war und leider mehr Stillstand als Aufbruch herrschte.
Am Abend meiner Wahl zum Bürgermeister 2015 sagte ich: „Das ist die größte Ehre meiner politischen Laufbahn“, und das gilt bis heute!
Warum dann jetzt die Entscheidung zum Ausstieg aus der Politik?
Nach meiner ersten Amtsperiode im Bundestag im Jahr 2009 habe ich erlebt, wie sehr sich Kolleginnen und Kollegen von ihrem Amt auch persönlich abhängig gemacht haben und sich aufgrund ihres Ausscheidens aus dem Bundestag in einer Identitätskrise befanden. Das politische Amt war ihr Lebensinhalt geworden und ihnen erschien ein Leben ohne Politik kaum vorstellbar.
Damals habe ich mir geschworen, dass ich mich nie derart von einem politischen Amt abhängig mache. Macht wird immer nur auf Zeit verliehen. Von daher bin ich demütig und dankbar für jedes Amt, das mir die Wählerinnen und Wähler für eine befristete Zeit übertragen haben. Aber mir war immer bewusst, es ist nur ein Mandat auf Zeit.
Ich habe mir damals auch geschworen, Politik nicht so lange zu machen, solange es noch geht. Sondern aufzuhören, wenn der Zenit noch nicht überschritten ist. Dieser Zeitpunkt ist nach Ablauf meiner Amtszeit im Oktober 2025 erreicht!
Nach Ende meiner Amtszeit möchte ich daher ein Leben in Selbstbestimmung, Freiheit und ohne die zwangsläufige politische Last der Verantwortung führen und das nachholen, was meiner Familie und mir in den letzten 20 Jahren nicht uneingeschränkt möglich war.
Ich schulde vielen Menschen unendlichen Dank. Meinen Eltern, meiner Frau und meinen Kindern, die mich immer unterstützt haben. Meiner Partei danke ich für die Möglichkeiten, die sie mir eröffnet hat und vielen Genossinnen und Genossen für die tatkräftige Unterstützung. Aus der SPD sind besonders Horst Steinkühler und Günter Augustin zu nennen, die mich aufgebaut und geformt haben und auf die ich mich uneingeschränkt verlassen konnte.
Großer Dank gilt auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Oerlinghausen, die loyal meine Ideen und Vorgaben angenommen und umgesetzt haben und mit Engagement für unsere Stadt tätig sind. Dem Stadtrat danke ich für erfolgreiche Jahre. Wir haben viel erreicht, teilweise mit wechselnden Mehrheiten.
Und nicht zuletzt danke ich unzählig vielen Bürgerinnen und Bürgern, ob in Vereinen, Organisationen oder rein privat, die mit ihren Ideen oder ihrem Engagement die Stadt bereichern und meine Arbeit beflügelt haben. Gemeinsam konnten wir viel für unsere Stadt erreichen!
Mein politischer Kindheitstraum, einmal Bürgermeister dieser Stadt zu sein, wurde mehr als erfüllt. Meine Zeit in Berlin war ein zusätzliches Geschenk, für das ich unendlich dankbar bin.
Aus der gefühlten Verantwortung heraus, frühzeitig allen politischen Wettbewerbern die Möglichkeit der Nachfolgeplanung zu geben, habe ich mich entschieden, meine Entscheidung frühzeitig bekannt zu geben.
Nun haben bis zur Wahl alle ausreichend Zeit, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber für das verantwortungsvolle Amt des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin unserer schönen Stadt Oerlinghausen zu finden.“