Erneutes Unwetter in Detmold: Sandsäcke schützen Klüt

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THW-Ortsbeauftrager Dominik Grewe und THW-Fachberater Thorsten Meier nehmen gemeinsam mit Jörn-Henner Koch von der Feuerwehr Detmold (von links) den Beaver-Damm in Augenschein. Foto: Stadt Detmold

Detmold. Bei dem erneuten Unwetter über Lippe in der Nacht von Samstag, 29. Juni, auf Sonntag, 30. Juni, haben die im Detmolder Ortsteil Klüt ergriffenen Maßnahmen ihre Wirkung gezeigt.

Es kam nach dem Wissen der Stadt Detmold und der Feuerwehr Detmold zu keinen weiteren größeren Überschwemmungen, wie sie insbesondere die Siedlung an der Mittelstraße und der Dürener Straße am Donnerstag, 27. Juni, getroffen hatten.

Am Freitag und Samstag standen in Klüt die Aufräumarbeiten im Mittelpunkt. Parallel dazu wurde an weiteren Sofortmaßnahmen zum Hochwasserschutz gearbeitet, denn für das Wochenende waren weitere starke Gewitter angesagt.

THW und Feuerwehr bauten gemeinsam einen Damm um ein Regenrückhaltebecken an der Dürener Straße herum, das am Donnerstag aufgrund der Wassermassen übergelaufen war. Sie erhöhten damit die Kapazität der Geländemulde. Dafür wurden eine Sandsackbarriere und ein sogenannter Beaver-Damm errichtet. Letzterer ist ein rund ein Meter im Durchmesser großer Kunststoffschlauch, der mit 20 Tonnen Wasser gefüllt wurde und damit wie ein Wall wirkt.

Hat gehalten: Der Beaver-Damm nahe der Dürener Straße. Foto: Stadt Detmold

Auf der Mittelstraße in Klüt wurden kurz unterhalb der Einmündung der Rudolf-Harbig-Straße ebenfalls Sandsacksperren errichtet, die das ablaufende Schlammwasser gezielt in Richtung Klüter Bach lenken sollten.

In der Nacht zu Sonntag fielen über Detmold etwa 45 Liter Regen auf den Quadratmeter. Die zusätzlichen Barrieren erfüllten ihre Funktion, das Wasser wurde von der Mittelstraße aus in den Klüter Bach abgeleitet, der Sandsackdamm am Regenüberlaufbecken an der Dürener Straße wurde nicht eingestaut, sehr wohl aber der Beaver-Damm, der das Wasser aber ebenfalls zurückhielt.

Auch das nach der Überschwemmung 2023 provisorisch errichtete Mulden-Damm-System auf einem Feld in Klüt, von dem seinerzeit die Wassermassen abgeflossen waren, erfüllte erneut seine Funktion. Wie schon beim ersten starken Unwetter am Donnerstag hielt es das Oberflächenwasser zurück.

Funktion erfüllt: Sandsackbarrieren haben das Wasser des erneuten Unwetters von der Mittelstraße in Richtung Klüter Bach geleitet. Foto: Stadt Detmold

„Unsere Maßnahmen haben Erfolg gezeigt. Darüber bin ich zunächst sehr froh. Gleichzeitig wissen wir alle, dass der Schmerz und die Sorgen der Menschen, die nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres hohe Sachschäden hinnehmen müssen, damit nicht gelindert wird“, erklärte Bürgermeister Frank Hilker. „Ich hoffe, dass wir in wenigen Tagen das Grundstück ankaufen können, auf dem wir dann den bisher provisorisch angelegten, wirkungsvollen Wall dauerhaft und damit nachhaltig anlegen können“, ergänzte er.

Parallel würden die weiteren komplexen Hochwasserschutzmaßnahmen vorangetrieben. Das setze umfangreiche Baumaßnahmen voraus, die einen erheblichen Planungs- und damit Zeitaufwand bedeuteten. In Kürze würden die dafür seit vergangenem Jahr laufenden Plangrundlagen abgeschlossen sein, betonte Hilker.

Der Detmolder Bürgermeister dankte erneut den vielen Helfern aus den verschiedenen Organisationen von Feuerwehr über THW bis Rotem Kreuz und Stadtverwaltung, aber auch den mehr als 100 Spontanhelfern sowie den Unternehmen, die die Klüter bei der Bewältigung der Notlage unterstützt hatten.

Bei dem Starkregen vom Donnerstag mit mindestens 100 Litern auf den Quadratmeter über dem Detmolder Nordosten waren in Klüt rund 45 Häuser von Überschwemmungen betroffen. Darunter waren sehr viele, die bereits im Jahr zuvor am 22. Mai 2023 genauso von den Überschwemmungen getroffen worden waren.

Am Donnerstag waren deshalb rund 350 Einsatzkräfte aus ganz Lippe nach Detmold alarmiert worden. Der Großteil wurde in Klüt eingesetzt, daneben waren aber auch andere Einsatzstellen im Stadtgebiet abzuarbeiten. Der Kreis Lippe ließ in Kooperation mit der Stadt Lemgo und der Gemeinde Augustdorf 10.000 Sandsäcke füllen.