Könnte Modell stehen für den geplanten Bau einer Kita Maßbruch in Trägerschaft von Eben-Ezer: die Kita Hardissen in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Noch aber ist nicht sicher, ob sich Bürgermeister Matthias Kalkreuter als Verwaltungschef im Rat gegen eine starke Sparkoalition durchsetzen kann. Montage: Hajo Gärtner

Lage.  Die Verwaltung hat durchgerechnet, was für den geplanten Neubau der Kita des Familienzentrums Maßbruch günstiger wäre: die Übernahme in städtische Trägerschaft oder ein Investorenmodell. Sie kommt zu dem Schluss, das Investorenmodell sei der vernünftigere Weg. 


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Die Berechnung, die für die nächsten Sitzungen der Ausschüsse bis zur Ratssitzung am 26. März vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass ein Betrieb der KiTa Maßbruch in Trägerschaft der Stadt Lage mit einem finanziellen Mehraufwand in Höhe von annähernd 79.000 Euro gegenüber dem »Investorenmodell« verbunden wäre. Beim „Investoren-Modell“ bleibt die Kita in der Trägerschaft der Eben-Ezer-Stiftung, einer diakonischen Einrichtung sozialer Dienste in der Region Lippe, und wird von einem Investor neu gebaut. Der ist keine karitative Institution, sondern ein Unternehmen, das Gewinn-orientiert operiert.

Die Neubaukosten sollen mithilfe einer adäquaten Mietmarge hereingeholt werden. Um bei dem Projekt nicht zuzusetzen, hat das Unternehmen eine Monatsmiete ausgerechnet, die der Träger allein nicht stemmen kann. Deshalb schlägt die Verwaltung einen Mietzuschuss der Stadt in Höhe von 8 Euro pro Quadratmeter vor. Warum nicht sanieren? Laut der ev.-ref. Kirchengemeinde Lage (Eigentümerin der KiTa Maßbruch) belaufen sich die Sanierungskosten nach Architekteneinschätzung auf mehr als drei Millionen Euro: Das sei wirtschaftlich nicht tragbar.

Hierbei sei auch zu berücksichtigen, dass der Mietzins auf 20 Jahre festgeschrieben wird und der Mietkostenzu­schuss unter Berücksichtigung des Landes-Zuschusses nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) aus der Höhe 8 Euro pro Quadratmeter in 20 Jahren auf Null abschmelzen werde, so die Verwaltung.

Kommentar

Das Zahlenwerk der Verwaltung überzeugt. Wenn nahezu alle Fraktionen im Rat davon überzeugt sind, dass ein Neubau der Kita Maßbruch schlicht notwendig ist, weil die Sanierung nach Recherchen des Trägers »Diakonie + Kirche« zu teuer käme und wirtschaftlich nicht darstellbar sei (das beauftragte Architekturbüro schätzt:mehr als drei Millionen Euro), bleibt nur noch die Frage der Finanzierung.

»Das ist Sache des Trägers, also der Stiftung Eben-Ezer und der Kita-Besitzerin Kirche«:  Ein schlagkräftiges Argument, das auf der Hand liegt. Und auch der Vorwurf: »Warum haben die ihre Kita denn so herunterkommen lassen, dass sie nicht mehr saniert werden kann?« trifft ins Schwarze.

Sei’s drum: Diese sozialen Einrichtungen allein können jetzt die Kosten nicht mehr stemmen: Sollen die Kita-Gebühren denn ins Unermessliche steigen?  Also ist Lage nun  tatsächlich gefordert, der Kirche unter die Arme zu greifen, denn sonst müsste die Stadt in die Bresche springen, wenn Diakonie und Kirche aufstecken. Zusätzlich müsste Lage rund 120 Kinder, die zurzeit dort betreut werden,  mit frühkindlicher Erziehung und Bildung versorgen.

Macht die Stadt den »Früherzieher auf dem Maßbruch«, indem sie die Kita übernimmt, stellt sich doch die Frage, ob sie dazu besser geeignet wäre als der bisherige Träger. Ich meine: Diakonie und Kirche sind am sozialen Auftrag näher dran als die Stadt. Die Sorge um Kinder und Mütter dürfte ein elementarer Baustein der »christlichen Nächstenliebe« sein.

Dazu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Das sogenannte »Investoren-Modell« ist um rund 80.000 Euro billiger zu haben als der Neubau durch eine städtische Kita-Übernahme. Also erscheint es allein schon aus Sicht wirtschaftlicher Vernunft – Lage muss in der »Haushaltssicherung« sparen, wo es nur eben geht – überzeugend, das »Investorenmodell« umzusetzen. Die Idee, mit der entsprechenden Monatsmiete den Neubau zu finanzieren statt rund drei Millionen Euro sofort auf den Tisch knallen zu müssen, erscheint mir geradezu genial. Natürlich wäre die Finanzierung mit entsprechenden Krediten möglich; aber dies ginge nicht ohne veritable Zinszahlungen.

Unterm Strich: aufgepasst, Sparfüchse. Macht jetzt keinen Fehler, indem ihr euch auf Kredite einlasst, die der Stadt in Zukunft Jahr für Jahr die Luft abschnüren. Und lasst gute soziale Einrichtungen nicht im Regen stehen.