
Detmold-Klüt. Hightech-Wasser mit eingebautem Sonnenstudio für Keime: Das ist eine Neuerung in den Klüter Brunnen, die einem tiefen Griff der Stadtwerke ins Portemonnaie für wegweisende Investitionen zu verdanken ist. Rückblende: „Liebe Bürger, bitte kochen Sie Ihr Trinkwasser ab.“ Eine Aufforderung der Stadtwerke gleich zweimal innerhalb weniger Monate im vergangenen Jahr. In Detmold machte sich daraufhin ein Geräusch breit, das irgendwo zwischen kollektivem Seufzen und leisem „Och nööö“ lag.
Wasser abkochen müssen, das ist ungefähr so beliebt ist wie Regenschauer aushalten im Freibad. Die Ursache? Tja, irgendwo im System hatten sich Mikroorganismen gedacht: „Hier gefällt’s uns, hier bleiben wir.“ Wo genau sie herkamen, weiß bis heute keiner so richtig. Wahrscheinlich wollten sie einfach auch mal Klüt sehen.
Doch jetzt schlägt die Stunde der Technik – und die Stadtwerke haben aufgerüstet. Betritt man die türkis geflieste Zentrale am Tiefbrunnen 1, fühlt man sich ein bisschen wie in einem sehr sauberen Science-Fiction-Film. Aus einem unscheinbaren Rohr, das irgendwo in der Ecke aus dem Boden guckt (klassischer Auftritt eines unterschätzten Helden), wird Wasser aus 45 Metern Tiefe nach oben gepumpt.
Und dann kommt sie ins Spiel: die „Höllenmaschine“. Klingt nach Weltuntergang, ist aber eigentlich nur ein Rohr mit UV-Lampen drin. Sieht aus wie der hässliche Bruder von E.T. Während das Wasser mit hoher Geschwindigkeit durchgepresst wird, bekommen Keime darin den schlimmsten Sonnenbrand ihres Lebens – direkt auf die DNA. Fortpflanzung? Fehlanzeige. Party vorbei.
Und weil die Stadtwerke nicht kleckern, sondern klotzen, werden gleich alle 15 Brunnen der Stadt nach und nach mit diesen UV-Anlagen ausgestattet. Stückpreis: rund 30.000 Euro – plus Einbau. Insgesamt fließen dieses Jahr satte sechs Millionen Euro ins Wassernetz. Für das Geld bekommt man anderswo vielleicht einen Mittelstürmer – in Detmold gibt’s dafür keimfreies Wasser ohne Chlor-Geschmack. Fairer Deal.
Chlor kommt nämlich nicht in Frage. „Das wollen wir nicht im Wasser haben“, sagte Dirk Kornhoff, Bereichsleiter Wasser bei den Detmolder Stadtwerken, in der Jahrespressekonferenz bei der Vorstellung der „Höllenmaschine“. Verständlich – schließlich möchte niemand morgens beim Zähneputzen das Gefühl haben, er steht schon im Schwimmbecken.
Besonders spannend: Die UV-Anlagen sind aktuell heiß begehrt. Lieferzeit? Ein Jahr oder länger. Während andere Leute Klopapier hamstern, sagt Kornhoff ganz lässig: „Wir kaufen auf Vorrat.“ Man weiß ja nie, wann der nächste Keime-Club spontan nach Detmold einreisen will.
Drei Klüter Brunnen stehen als Nächstes auf der Liste. Und mit einer Leistung von 70 Kubikmetern pro Stunde sorgt jede „Höllenmaschine“ dafür, dass das Wasser künftig genau so bleibt, was es sein soll: klar, frisch – und definitiv kein Biotop für Mikroben.
Fazit: In Detmold wird jetzt nicht nur Wasser gefördert, sondern auch aus allen Rohren zurückgeschossen. Gegen den Angriff der Mikroben. Und irgendwo tief unten denkt sich ein Keime-Club: „Klüt war schön. Aber vielleicht probieren wir es beim nächsten Mal woanders.“




