Die Haushaltslage ist so prekär, dass überall gespart werden muss. Auch wenn es an einigen Stellen wehtut. Die Fraktionen beziehen gegenüber dem vorgeschlagenen Sparhaushalt von Kämmerer Uwe Aust unterschiedliche Positionen: Die breite Mehrheit ist nicht einverstanden. Ein überparteilicher Arbeitskreis soll die Lösung finden. Text & Montage: Hajo Gärtner

Lage. Die AfD erhebt die lauteste Proteststimme gegen den Haushaltsvorschlag des Kämmerers Uwe Aust. Der will nach einem Wort des österreichischen Satirikers Karl Kraus »die Locken auf der Glatze drehen«. Während sich Rotgrün mit der neuen Frisur anfreunden kann, zeigen CDU, Aufbruch C und FDP großes Missfallen.


Lage. Kämmerer Uwe Aust hat die Problemlage schon in der vergangenen Ratsperiode vorhergesehen: »Wir müssen die Locken auf der Glatze drehen«, sagte er mit einer trefflichen Metapher des österreichischen Satirikers Karl Kraus, der in diesem Monat 150 Jahre alt geworden wäre.

Ein Satz wie ein Schuss Leuchtmunition in den düsteren Himmel. Aber dieses SOS-Zeichen kann Lage nicht retten: Wer soll denn da zu Hilfe kommen? Nahezu alle Städte und Gemeinden des Landes stehen vor dem Burnout. Nur noch etwa 10 von rund 396 Kommunen können einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Und Lage steckt besonders tief im Schuldensumpf.  Um im Bild zu bleiben: Der Kopf ist so kahl, dass Uwe Aust auch beim besten Willen keine Locken mehr drehen kann. Aber er hat offensichtlich einen Lockenwickler entdeckt: die Steuer­­­schraube. Maßvolle Drehungen an allen möglichen Stellen könnten den Lagenser Haushalt doch ein bisschen besser aussehen lassen. Pustekuchen: Das läuft so nicht.

Die härtesten Bandagen beim Schlagabtausch mit der Verwaltung legt die AfD-Fraktion an: »Das Problem liegt nicht im fehlenden politischen Willen, sondern in der Qualität der vorgelegten Haushaltsgrundlage.« Autsch, dieser Schlag sitzt. Im Klartext: Kämmerer Uwe Aust hat nicht geliefert. Oder um im Bild zu bleiben: Eine Perücke aufzusetzen, verdeckt die Glatze, schafft aber keine nachwachsende Haarfülle.

Es reicht allerdings, dass die Frisur den Grünen und der SPD gefällt. Doch Rotgrün ist im neuen Rat meilenweit von einer Mehrheitsbildung entfernt.

AfD-Brain Uwe Detert kann sich Kürzungen im kulturellen und sozialen Sektor vorstellen: Es sei nicht einzusehen, dass alle zahlen für eine Musikschule, die nur von einem Teil der Bevölkerung genutzt wird; und Fans des Frühschwimmens im Hallenbad könnte durchaus zugemutet werden, die Schwimmbadaufsicht dafür zu bezahlen. Sein Prinzip: Wer eine Leistung beansprucht, die nur ihm oder einer Gruppe zugute kommt, soll dafür bezahlen, und nicht alle anderen von der Stadtgemeinschaft auch. »Das muss mir mein Hobby und meine Leidenschaft wert sein.«