Symbolbild. Foto: Adobe Stock

Kreis Lippe. Die einen empfinden Fremdwörter als praktisch und bereichernd, die anderen haben auch bei der Sprache Angst vor Überfremdung und möchten am Traditionellen festhalten. Dabei ist unsere Sprache seit jeher im Wandel begriffen. Am 20. Mai ist der Tag des Fremdwortes.


Viele Begriffe stammen aus altsprachlicher Quelle und sind hauptsächlich griechischen oder lateinischen Ursprungs. Dazu kommt die wachsende Zahl der fremden Wörter, die durch Sprachkontakte zustande kommen. Sprache ist Kultur und  Kulturaustausch und damit – wie die Kultur selbst – lebendig und offen für Veränderung. Fremdwörter sind Resultate sozialer sowie historischer Einflüsse, und diese Einflüsse machen nicht vor Landesgrenzen halt – ob sie nun den Weg in die Alltagssprache finden oder berufsspezifisch genutzt werden.

Lange Zeit wuchs der Anteil der Wörter aus französischer Herkunft, da Französisch als Salonsprache galt, bis sich dann im 20. Jahrhundert der englisch-amerikanische Einfluss bemerkbar machte. Allerdings gab es schon im 17. Jahrhundert Bemühungen, der „Überfremdung“ der deutschen Sprache entgegenzuwirken.

Die sogenannte Verdeutschung machte dann aus Wörtern wie Distanz den Abstand, aus dem Moment den Augenblick, aus der Bibliothek die Bücherei, aus der Passion die Leidenschaft, aus Parterre wurde das Erdgeschoss, aus der Prophezeiung die Voraussage und vieles mehr. Dabei ist der Gebrauch fremdländischer Wörter durchaus eine wechselseitige Beziehung.

Schaut man nach England, so sind im dortigen Sprachgebrauch nicht wenige deutsche Wörter zu finden : angst, ehrgeiz, kindergarten, poltergeist, rucksack, sauerkraut, wunderkind, weltschmerz und dergleichen mehr.

Auf den Punkt gebracht

Fremdwörter wie Fan, Rhythmus, Depression, Symbol können besser und kürzer beschreiben, was man mitteilen möchte. Und was sollte man zum Beispiel anstelle von Computer, Picknick, Placebo oder Homepage sagen? So kann man Fremdwörter gezielt einsetzen, um etwas auf den Punkt zu bringen, das auch jeder gut verstehen kann.

Manch eine Wortwahl ist jedoch abhängig vom Alter: Online-Meetings abhalten, etwas cool oder easy finden, etwas just for fun tun, ein gutes Feeling haben, relaxen und chillen, Action lieben oder eine Missmutsäußerung wie „fuck“ sind Ausdrucksweisen, die im Sprachgebrauch betagterer Jahrgänge eher selten vorkommen.

Akademisch gebildete Menschen hören sich allerdings zuweilen so an, als würden sie in einer Geheimsprache kommunizieren, einer Sprache, die nur von einer kleinen Elite verstanden werden kann oder soll. Oftmals ist diese Art der Wortwahl im Bereich der Wissenschaft und der IT-Branche zu finden: “Wir müssen indirektes Personal downsizen, Prozessoptimierung im Workflow – mit Synergieeffekten zu mehr Effizienzgewinn – proaktives Clearing: Wer kundengetrieben agiert, macht Kostenplausibilisierung durch Schattenkalkulation. Das Benchmarking muss proaktiv fokussiert werden, die Quality Gates performen den Customer Care.“

Experten neigen dazu, ihr Wissen in nicht allgemeinverständlicher Weise mitzuteilen. Womöglich haben sie es verlernt und kein Gefühl mehr dafür, was das Gegenüber versteht oder eben nicht versteht. Vielleicht sehen sie es auch als Qualitätszeichen ihrer hohen Bildung an, sich so gewählt auszudrücken. Wer aber seine Zielgruppe aus den Augen verliert, verliert das Interesse seines Publikums, dessen Neugier doch eigentlich geweckt werden sollte. Und oftmals wirkt ein fremdwortreicher Text unlebendig und ermüdend.

Vom unverständlichen anthropomorphisieren (jemandem menschliche Verhaltensweisen, Gefühle oder Absichten zuschreiben) bis hin zum vertrauten Wort Panik (Ursprung liegt in der griechischen Mythologie und leitet sich vom Namen des Hirtengottes Pan ab, dessen plötzliche und unsichtbare Nähe die Menschen in Schrecken versetzte), ob umgangssprachlich genutzt oder im Fachjargon zuhause – die Wörter kamen aus der Fremde.

Je größer der Wortschatz, desto besser die Kommunikation

Wörter des alltäglichen Sprachgebrauchs, ob fremden Ursprungs oder nicht, gehören zur Bildung und sind ein wichtiges Werkzeug für ein gesellschaftliches Miteinander. Worte müssen verstanden und verwendet werden können und stellen ein immens wichtiges Ausdrucksmittel dar.

Wenn der Wortschatz verkümmert, dann geschieht das auf Kosten der Kommunikation. So ist auch die Sprachbildung des Bildungsbüros Kreis Lippe ein elementares Handlungsfeld, um Sprachkompetenz zu fördern und Teilhabe an der Gesellschaft zu gewährleisten.