Kreis Lippe/Bad Oeynhausen. Millionen Deutsche, und zwar zehn Prozent der Bevölkerung, haben ein Suchtproblem, meist mit Tabak, Alkohol oder Medikamenten. Spitzenreiter ist der Tabak. Auch wenn man und frau weiß, dass das Rauchen das Risiko, an Krebs, Herzkrankheiten oder Diabetes 2 zu erkranken, enorm erhöht, so sind die meisten erst zum Handeln bereit, wenn sich der Körper auf sehr unangenehme Weise meldet. Am 31. Mai ist der Weltnichtrauchertag mit dem diesjährigen Motto „Freie Wahl? Von wegen!“
So einfach, wie man sich das vielleicht als Nichtraucher vorstellt, ist der Verzicht auf den Glimmstengel nicht, denn rasch hat man sich an den Dopamin-Kick gewöhnt und möchte nicht mehr auf das wohlige Gefühl der Belohnung verzichten. Das Rauchen steht für Gemütlich- und Geselligkeit, Stressabbau oder für ein liebgewonnenes Ritual, das aus dem Tagesablauf nicht mehr wegzudenken ist.
Da verschwendet man keinen Gedanken an die 40.000 Herz-Kreislauf-Toten, die der Tabak jährlich fordert. Und schon eine einzige Zigarette am Tag verdoppelt dieses Risiko im Vergleich zum Nichtraucher. Auch was den Lungenkrebs betrifft müßten die Zahlen beim Raucher ein mulmiges Gefühl hinterlassen, denn bei 90 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen ist das Rauchen die Ursache.
Auch chronische Bronchitis, Bluthochdruck, Schlaganfälle können auf das Konto des Tabakgenusses gehen. Somit belastet das Rauchen die Krankenkassen enorm. Und das Übel sucht schon die jungen Menschen heim: Laut der AOK rauchen circa zehn Prozent der über 15-Jährigen. In diesem Alter ist das Rauchen cool und man fühlt sich erwachsen mit einer Fluppe zwischen den Lippen. Obendrein machen die Eltern es den Kindern oftmals vor.
Von den jugendlichen „Probierern“ bleiben allerdings zwei Drittel an der Zigarette hängen und rauchen im Erwachsenenalter weiter. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der jugendlichen Raucher gestiegen: Untersuchungen haben gezeigt, dass die erhöhte Stressbelastung während der Pandemie ein Hauptgrund dafür ist. Die Krankenkassen sind natürlich daran interessiert, die Raucher bei einer Entwöhnung zu unterstützen, und bieten ihren Patienten verschiedene Hilfestellungen an.
Die Techniker Krankenkasse offeriert beispielsweise ein Nichtrauchercoaching. Auf eine Mischung von Coaching und Hypnose setzt die Psychotherapeutin mit Ausbildung zur Hypnose-Coach Anja Huber. Die gebürtige Bielefelderin nennt ihre Methode „HypnoLogik“ und meint damit die „Lehre des richtigen Schlußfolgerns“. Dabei ist die Hypnose ganz individuell auf das persönliche Thema des Suchtkranken abgestimmt. Zunächst wird eine Standortbestimmung und IST-Analyse erstellt, um dann Ressourcen, Fähigkeiten und Möglichkeiten aufzuspüren, mit deren Hilfe das jeweilige Ziel erreicht werden kann. Dieses Ziel wird dann in der Hypnose verankert.
„Hypnose ist eine uralte Technik, mit der sich Menschen in einen entspannten Zustand versetzen können, einen Zustand, in dem man bereit ist, Dinge aufzunehmen, und zwar nicht mit dem Verstand und dem bewussten Zuhören, sondern quasi nebenbei. Das ist vergleichbar mit den ersten 20 Minuten nach dem Einschlafen, dann nämlich ist das Unterbewusstsein auf Empfang geschaltet. Im Grunde kann man sagen, dass jeder, der schlafen kann, auch hypnotisierbar ist, es sei denn, jemand möchte gar nicht hypnotisiert werden.“ 80 Prozent ihrer Klienten hören mit dem Rauchen auf und brauchen dafür nur eine Hypnose-Sitzung – eine stattliche Bilanz.
Allerdings gibt es noch ein Hilfsmittel an die Hand, so Anja Huber: “Zur Unterstützung bekommen die Hilfesuchenden eine ‚mp3-Hypnose-Sitzung‘ mit auf den Weg, damit eine erneute Sitzung bei mir vor Ort möglichst nicht mehr nötig wird und dem Betreffenden keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das ist eine Art Nachsorge von mir für die Wochen danach.“ Wichtig seien eigentlich nur zwei Dinge, meint Huber, und zwar die Bereitschaft, sich auf die Behandlung einzulassen, und aktiv Veränderungen vorzunehmen, die im Vorfeld gemeinsam herausgearbeitet wurden.
Ganz egal ist dabei, ob es sich um einen Gelegenheits- oder Kettenraucher handelt, denn der erarbeitete Erkenntnisprozess, das Durchschauen der Muster und die daraus folgenden Ziele werden mit Hypnose verankert und können so ihre Wirkung tun.
Die Erfolge sprechen für sich und so gibt es mittlerweile einige Lungenfachärzte, die ihre Patienten bei Anja Huber zur Behandlung vorbeischicken, sofern der Patient daran interessiert ist, das Rauchen aufzugeben. Hand aufs Herz beziehungsweise auf die Lunge – wer möchte schon zu den 58 Prozent der Bevölkerung gehören, die das 70. Lebensjahr nicht erreichen?





