Die Statistik des Deutschen Wetterdienstes spricht eine deutliche Sprache: Der »menschengemachte Klimawandel« ist nicht von der Hand zu weisen. (Quelle: Wikipedia)

Lage. Die konservative Mehrheit hat die Installation eines Klimamanagers im Umweltausschuss abgelehnt. Ganz im Zuge einer Politik, die auf die Konsolidierung des Schuldenhaushalts der Stadt (11 Mio. Euro Defizit) ausgerichtet ist. Es geht dieser zahlenmäßig starken Opposition darum, Stellen in der Verwaltung aus Spargründen abzubauen und nicht zusätzlich neue zu schaffen. SPD und Grüne stärken Bürgermeister Matthias Kalkreuter den Rücken beim Versuch, den erreichten Standard an Umweltaktivität und sozialen Wohltaten zu halten.


Gerhard Bicker,  Vorsitzender des Ausschusses und Mitglied der Partei Die Grünen, hat die oppositionelle Sparpolitik in einem flammenden Plädoyer gegeißelt und die Installation eines Klimamanagers im Fachteam Klimaschutz und Umwelt gefordert. Uwe Detert widerspricht dem vehement: »Wer aus einem heißen Wochenende gleich eine Katastrophe ableitet, argumentiert genauso unseriös wie jemand, der aus einem kalten Mai schließen würde, es gäbe keine Erwärmung.«

KOMMENTAR

Uwe Detert bestreitet den Klimawandel nicht: »Auch die Klima­geschichte gehört zur Wahrheit.« Allerdings grenzt er sich auch nicht klar von der ideologischen Linie der Bundes-AfD ab, die den menschengemachten Anteil an der Klima-Erwärmung herunter­spielt. Eine solche Abgrenzung würde ihm, als souveränem Brain seiner Partei in Lage, gut zu Gesicht stehen.

Der »menschengemachte Anteil« ist nicht zu bestreiten, wie die seriöse Grafik des Deutschen Wetterdienstes beweist (siehe Bild oben). Allerdings geht es Detert ganz pragmatisch darum: »Statt Bürger mit immer neuen Hitzewarnungen, Verboten und zusätzlichen Abgaben zu verunsichern, sollten wir uns um konkrete Maßnahmen kümmern: ausreichend Trinkwasser, Verschattung öffentlicher Plätze, gesunde Stadtbäume, funktionierende Infrastruktur und einen verlässlichen Katastrophenschutz. Mein Appell: Weniger Panik. Mehr Physik. Mehr Statistik. Mehr gesunder Menschenverstand.«

Das klingt bestechend pragmatisch und fasst die konservative Position gut zusammen. Allerdings neigt Detert zur Verharmlosung: Natürlich gibt es die Abfolge von Warm- und Kaltzeiten in der Erdgeschichte, allein schon wegen der Neigung der Erdachse gegenüber der Einstrahlungsebene der Sonne. Die Achsneigung oder präziser Schiefe der Ekliptik (auch Ekliptikschiefe) beträgt zurzeit 23,44 Grad und hat allein schon zur Abfolge von mindestens fünf Warm- und Eiszeiten geführt. Nach Erkenntnissen aus der  Forschung am Erbgut des Menschen (Paläogenetik) war die Menschheit mehrere Male vom Aussterben bedroht: zum Beispiel vor rund 900.000 Jahren, als auf der Erde (in Afrika) wegen extremer Hitze und anhaltender Dürre nur noch rund 1500 Vormenschen herumhüpften, die versprengt in kleinen Gruppen (Clans) lokal überlebt haben und von denen wir alle abstammen. Nach Ansicht der revolutionärsten Denker der Paläogenetik hat gerade diese existenzielle Krise einen enormen Schub in der Entwicklung zum Homo sapiens hin ausgelöst, der damals genetisch codiert worden ist. Wir haben gelernt, dass Empathie, Kommunikation und Kooperation, Technik und Innovation die Zivilisation sichern hilft. Wir haben die Sprache entwickelt. Wie sagte FDP-König Christian Lindner mit dem besten Satz seiner politischen Laufbahn: »Krisen sind dornige Chancen.«

Die Gefahr ist also nicht von der Hand zu weisen. Aber noch gefährlicher wird es, wenn zur notwendigen Abwehr der Klima-Erwärmung noch eine Wirtschaftskrise hinzukommt, die sich aus panikartigen Reaktionen auf den Klimawandel speist. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen und auch nicht vermeidbar. Aber wirtschaftliche Vernunft erscheint als die effektivste Abwehr­reaktion. Kopflosigkeit war noch nie ein guter Ratgeber.