
Kreis Lippe/Blomberg. Was derzeit im Osten der Republik Realität ist, wurde jetzt im Kreis Lippe als Übung durchgezogen: der Großeinsatz verschiedener Hilfsorgane in Blomberg.
DRK, Johanniter, Malteser und der Bevölkerungsschutz des Kreises Lippe übten den Realeinsatz. Das fiktive Szenario sah einen großen Waldbrand vor, welcher sich durch starke Winde in den Morgenstunden schnell weiterentwickelte und nun auf eine Wohnsiedlung zulief.
Die Bewohner wurden gegen 8 Uhr durch Sirenen geweckt und erfuhren durch die Warn-Apps und durch Lautsprecherdurchsagen von einer kurzfristigen Evakuierung. Sie hatten eine Stunde Zeit, um sich an bestimmten Haltestellen einzufinden. Von dort wurden sie mit Bussen zur Sekundarschule nach Blomberg gefahren. Mitnehmen durften sie nur das Nötigste und Wichtigste. Dieses sollte in einen Rucksack oder Koffer passen.
Gegen 10 Uhr trafen die ersten von rund 150 gemeldeten Statisten im Schulzentrum ein. Viele waren gut vorbereitet, hatten Koffer oder Rucksäcke dabei. Es kamen junge Familien mit Kleinkindern, Rollstuhlfahrer, Schwerbehinderte und Hundebesitzer. Vor Ort hatten die Einheiten, die um 8.30 Uhr in Barntrup gestartet waren, bereits den Betreuungsplatz aufgebaut. Mit den ersten eintreffenden ehrenamtlichen Statisten traf auch die Notfallseelsorge ein. Es sollte alles so real wie möglich dargestellt werden. Denn, wenn so viele Menschen zusammenkommen, kann es auch zu Problemen kommen.
Das Hauptaugenmerk lag auf der Registrierung der auflaufenden Personen. Alle Teilnehmer mussten Registrierungskarten ausfüllen und bekamen grüne Bänder mit fortlaufenden Nummern um das Handgelenk. Danach gingen sie in die Aula der Schule. Dort sollten Betreuer sich um die vermeintlich Evakuierten kümmern. Es gab Getränke und Snacks und am Ende der Übung ein Mittagessen, das in der ebenfalls aufgebauten Feldküche zubereitet wurde. Dort wurden auch einzelne Personen aufgefordert, bestimmte Situationen zu spielen, um die Einsatzkräfte zu fordern.
Die Frage, warum sie mitmachen, beantworteten die Teilnehmer ganz unterschiedlich. „Ich habe Respekt vor dem, was möglicherweise auf uns zukommen kann, und will einfach nur wissen, wie ich mich dann verhalten soll“, so Kevin Bursche, der als Erster den Platz erreichte.
Christian und Lea Tieme kamen mit zwei Kleinkindern, acht Monate und ein Jahr alt, sogar aus Marsberg, um mitzumachen. Zusammen mit seiner Schwester wollten die drei Erwachsenen sich vorbereiten auf einen eventuellen Ernstfall. Familie Schröder kam mit zwei Kindern und Hund, auch sie hatten Interesse daran, wie so etwas abläuft. Alle einte jedoch eins: Sie haben keine Angst vor kriegerischen Auseinandersetzungen, eher vor Naturkatastrophen, wie im Szenario vorgegeben.
Im Großen und Ganzen blieben die Statisten ruhig und überwiegend in der Aula. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass die angekündigten Informationen an sie, wie im Szenario vorgesehen, ausblieben. Ein Kritikpunkt, den nicht nur Marcus Saueressig, Teamleiter Zivil- und Katastrophenschutz des Kreises, am Ende ansprach.
Auch Elke Mügge und ihre Begleiterin, die sich unter dem Namen „Kalb“ eingetragen hatte, kritisierten das am Ende der Übung. Sie hätten schon viele Übungen mitgemacht und meinten, die Kommunikation sei nicht gut gewesen. „Wir sehen das nicht als böswillige Kritik, sondern wollen konstruktiv agieren“, sagten die beiden beim Mittagstisch.
„Genau solche Probleme sollen bei solchen Übungen erkannt werden, um sie beim nächsten Mal auszuschließen. Um die vom Land vorgegebenen Einsatzkonzepte umzusetzen, müssen solche Lagen immer wieder geübt werden. Schön ist es, wenn wir immer wieder auch freiwillige Statisten gewinnen können. So können wir die Bevölkerung sensibilisieren“, meinte Marcus Saueressig dazu. Die Menschen sollten sich auf jeden Fall auf Notfälle vorbereiten, fügte er noch an.
Nils Brandes, der die Übung beim Bevölkerungsschutz federführend organisiert hat, zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen hat gut geklappt. So ein Praxistest zeigt aber auch, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen, um im Ernstfall gut aufgestellt zu sein“, sagte er und bedankte sich bei allen Mitwirkenden.

































































































