Vier Köpfe, sieben Fachbereiche: Multitasking ist etwas, das an der Volkshochschule nicht nur gelehrt, sondern auch praktiziert wird. Vom Leitungsteam an vorderste Front. Von links: Nikolay Dimitrov kümmert sich  um Beruf, EDV und Integration; Claudia Tunsch um Gesundheit und Kultur; Ute Reichert um den Bereich »Gesellschaft« und Neuerwerbung Ebon Dieudonné Tschamou um Sprachen sowie die »Bildung für nachhaltige Entwicklung«. Foto: Hajo Gärtner

Augustdorf/Lage/Leopoldshöhe/Oerlinghausen. Wer behauptet, man könne nie genug lernen, hat vermutlich das neue Programm­heft der Volkshochschule noch nicht in der Hand gehabt. Das ist weniger ein Heft als ein Bildungs-Buffet mit Überlänge: 466 Kurse auf 91 Seiten. Zwar sind das rund sieben Prozent weniger als im ersten Halbjahr, aber mal ehrlich: Wer wollte denn schon alle belegen? Dafür müsste man vermutlich den Beruf kündigen, den Schlaf abschaffen und das Wochenende auf 96 Stunden ver­längern.


„Für jeden ist das passende Angebot dabei“, verspricht VHS-Direktorin Ute Reichert. Und tatsächlich: Wer hier nichts findet, sucht vermutlich einen Kurs im Nichtstun – den gibt es allerdings (noch) nicht.

Damit im Bildungs-Dschungel niemand verloren geht, teilen sich gleich vier Köpfe die Leitung. Ute Reichert kümmert sich um Gesellschaft, Claudia Tunsch um Gesundheit und Kultur, Nikolay Dimitrov um Beruf, EDV und Integration, Ebon Dieudonné Tschamou um Sprachen sowie die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Letzteres heißt praktischerweise BNE – vermutlich, weil die Langform auf der ganzen Strecke denn doch zu viel Tinte kosten würde.

BNE klingt zunächst wie ein ausgeklügeltes Passwort oder die Antwort auf eine Runde Abkürzungs-Bingo. Dahinter steckt aber eine ganz einfache Idee: Lernen soll nicht nur den Kopf füllen, sondern auch die Zukunft ein bisschen besser machen. Tschamou bringt es elegant auf den Punkt: „Sprache ist kein Fach, sondern ein echtes Lebenswerkzeug: Sie verbindet, bewegt und öffnet Horizonte.“ Wer so etwas sagt, darf natürlich auch im Leitungsteam mitspielen.

Das neue Semester steht unter dem Motto „Zukunft aktiv mitgestalten“. Das klingt ein wenig wie „Ärmel hochkrempeln statt Hände in die Hosentaschen“, passt aber bestens zu einem Pro­gramm, das vom Origami-Falten bis zur Künstlichen Intelligenz praktisch alles bietet.

Und KI? Die ist inzwischen fast überall mit von der Partie. Allerdings nicht nach dem Motto „Computer übernehmen jetzt die Welt­herrschaft“, sondern deutlich nüchterner. Die VHS zeigt Chancen und Risiken – frei nach dem Grundsatz: „Die KI darf ruhig mitden­ken, aber das Denken ganz zu übernehmen, das wollen wir ihr doch nicht gönnen.“

Besonders sympathisch wirkt ein neues Angebot für alle, die beim Smartphone regelmäßig gegen die Technik verlieren oder den PC entnervt ausschalten, nachdem jemand gesagt hatte: „Das ist doch ganz einfach.“ War es dann doch nicht. Statt Gruppenunter­richt gibt es Einzelcoachings. Nikolay Dimitrov erklärt den Vorteil treffend: In Kursen langweilen sich oft die Fortgeschrittenen, während Anfänger den Anschluss an den „Zug der Karawane“ verpassen. Im Einzel­unterricht fährt dagegen jeder im eigenen Tempo – ganz ohne Bildungs-Stau.

Überhaupt findet Lernen längst nicht mehr nur zwischen White­board und Kaffeekanne statt. Es geht auf Exkursionen, in den Bildungs­urlaub oder bleibt bequem im eigenen Wohnzimmer. Viele Vorträge laufen online, Sprachkurse oder „Making Music“-Ange­bote wie „Conga“ laufen effektiver im Seminarraum. Ob Politik, Yoga, Fotogra­fie, Arabisch, Schwedisch oder Malerei – die VHS beweist einmal mehr, dass Bildung erstaunlich vielseitig sein kann. Und wer nach dem Durchblättern der 91 Seiten immer noch behauptet, es gebe nichts Neues zu lernen, hat vermutlich den Kurs „Neugierig bleiben“ übersehen.