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Kreis Lippe. Die lippische Industrie hat im ersten Quartal 2026 zwar mehr Umsatz erzielt als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig gingen jedoch die Beschäftigtenzahlen deutlich zurück. Mehrere wichtige Branchen kämpfen weiterhin mit schwacher Nachfrage und Problemen im Exportgeschäft.


Die 106 Industriebetriebe in Lippe mit mindestens 50 Beschäftigten erwirtschafteten in den ersten drei Monaten des Jahres einen Umsatz von rund 1,95 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Während die Umsätze stiegen, sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 7,4 Prozent auf rund 26.000 Mitarbeiter.

Für die Industrie- und Handelskammer Lippe (IHK) ist die Entwicklung deshalb kein Grund zur Entwarnung. IHK-Konjunkturexperte Timm Lönneker verweist auf mehrere Belastungsfaktoren. Dazu zählen ein schwacher Binnenmarkt, sinkende Exportgeschäfte, Konkurrenz durch günstige Importe aus China, US-Zölle sowie hohe Arbeits- und Energiekosten. Die Folge seien sinkende Gewinnmargen, Produktionsverlagerungen und ausbleibende Investitionen.

Viele Schlüsselbranchen verlieren an Boden

Besonders schwierig verlief das erste Quartal für den Maschinenbau. Die Branche verzeichnete ein Umsatzminus von 9,4 Prozent. Ausschlaggebend war vor allem der Export, der um fast 20 Prozent zurückging. Auch die Chemieindustrie musste mit einem Umsatzrückgang von 3 Prozent leben, während die Hersteller von Metallerzeugnissen 8 Prozent weniger Umsatz erzielten.

Die Kunststoffindustrie, eine der wichtigsten Branchen in Lippe, stagnierte. Nach Angaben der IHK macht sich hier weiterhin die schwache Nachfrage aus der Automobil- und Baubranche bemerkbar. Noch deutlicher fiel der Rückgang in der Möbelindustrie aus. Hier brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 20,4 Prozent ein.

Elektrotechnik bleibt Wachstumsmotor

Für positive Nachrichten sorgt dagegen die Elektro- und Elektronikindustrie. Die größte Einzelbranche im Kreis Lippe steigerte ihren Umsatz um 8 Prozent auf 944 Millionen Euro. Treiber war vor allem das Auslandsgeschäft, das um 13,5 Prozent zulegte. Die Exportquote lag bei hohen 71,6 Prozent.

Deutlich gewachsen ist auch die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln. Die Unternehmen dieser Branche erzielten ein Umsatzplus von 26,3 Prozent. Als Ursache nennt die IHK gestiegene Preise sowie Veränderungen im Konsumverhalten.

Beschäftigung geht deutlich zurück

Trotz des gestiegenen Gesamtumsatzes zeigt sich am Arbeitsmarkt eine andere Entwicklung. Nahezu alle großen Industriezweige bauten Beschäftigung ab. Besonders stark fiel der Rückgang in der Möbelindustrie mit minus 22,9 Prozent aus. In der Elektrotechnik sank die Zahl der Beschäftigten um 10,9 Prozent, in der Kunststoffverarbeitung um 7,9 Prozent.

Aus Sicht der IHK braucht die Wirtschaft deshalb vor allem bessere Rahmenbedingungen. Die Devise müsse lauten: geringere Standortkosten und schnellere Verfahren, um Unternehmen wieder mehr Spielraum für Investitionen und Wachstum zu geben.