Die Zahl der Juristinnen steigt: Derzeit sind 39,1 Prozent aller Anwälte in Deutschland weiblich. Detmold liegt mit 28,7 Prozent hingegen unter dem Bundesdurchschnitt (Symbolbild). Foto: Adobe Stock

Detmold/Berlin. Deutschlands Anwaltschaft befindet sich im Wandel. Die Zahl der Juristinnen steigt, einzelne Fachgebiete wachsen deutlich und auch regional verschieben sich die Standorte der Rechtsbranche. Das geht aus einer aktuellen Analyse der juristischen Lernplattform Jurafuchs hervor, die rund 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer ausgewertet und mit den Zahlen des Vorjahres verglichen hat.


Für Detmold ergibt die Untersuchung eine Anwaltsdichte von durchschnittlich 2,53 Anwälten je 1.000 Einwohner. Der Anteil weiblicher Juristen liegt bei 28,7 Prozent. Besonders häufig sind Anwälte in der Residenzstadt in den Bereichen Arbeitsrecht (8,5 Prozent), Familienrecht (8,0 Prozent) und Steuerrecht (4,8 Prozent) tätig.

Frankfurt bleibt Juristen-Hochburg

Bundesweit führt Frankfurt am Main weiterhin das Ranking der Städte mit den meisten Anwälten pro Einwohner an. Dort kommen statistisch 17,07 Anwälte auf 1.000 Einwohner. Auf den weiteren Plätzen folgen Düsseldorf mit 14,89 und München mit 11,88 Anwälten je 1.000 Einwohner.

Den stärksten Zuwachs verzeichnete hingegen die Schwarzwaldstadt Lahr. Dort stieg die Zahl der Anwälte innerhalb eines Jahres um 14,5 Prozent. Ebenfalls deutliche Zuwächse gab es in Viersen (plus 7,6 Prozent), Nordhorn (plus 7,1 Prozent), Delmenhorst (plus 6,8 Prozent) und Ravensburg (plus 5,6 Prozent).

Im Bundesdurchschnitt nahm die Zahl der Anwälte um 0,6 Prozent zu.

In vielen Städten sinkt Juristenzahl

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass sich der Anstieg keineswegs flächendeckend bemerkbar macht. In 102 der 200 untersuchten Städte ging die Zahl der Anwälte sogar zurück.

Am stärksten betroffen ist Neustadt an der Weinstraße mit einem Rückgang von 15,5 Prozent. Es folgen Emden (minus 11,8 Prozent), Wilhelmshaven (minus 10,8 Prozent) sowie Langenfeld und Frankfurt (Oder) mit jeweils minus 9,1 Prozent.

Frauenanteil steigt weiter

Auch die Geschlechterverteilung verändert sich. Nach Angaben von Jurafuchs sind derzeit 39,1 Prozent aller Anwälte in Deutschland weiblich. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 38,7 Prozent.

Besonders stark stieg die Frauenquote in Dorsten (plus 12,7 Prozent), Wilhelmshaven und Dormagen (jeweils plus 12,2 Prozent). Rückläufig war sie dagegen in Ludwigshafen (minus 26,9 Prozent) und Cuxhaven (minus 11,7 Prozent).

Den höchsten Frauenanteil weist weiterhin Sindelfingen mit 47,2 Prozent auf. Dahinter folgen Unna (45,5 Prozent) und Elmshorn (44,6 Prozent). Die niedrigsten Werte wurden erneut in Bad Kreuznach und Wolfenbüttel mit jeweils 20,2 Prozent sowie in Greifswald mit 21,6 Prozent ermittelt.

Wirtschaftsrecht wächst besonders stark

Deutliche Veränderungen zeigen sich auch bei den Fachanwaltschaften. Als größter Gewinner gilt das Vergaberecht, dessen Zahl an Fachanwälten gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent zunahm.

Einen kräftigen Zuwachs verzeichnet außerdem das Insolvenz- und Sanierungsrecht mit einem Plus von 5,2 Prozent. Jurafuchs sieht einen möglichen Zusammenhang mit der Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg deren Zahl im Jahr 2025 um 10,3 Prozent.

Auch das Migrationsrecht legte mit einem Wachstum von 4,5 Prozent spürbar zu.

Rückläufig entwickelten sich dagegen die Fachgebiete Familienrecht und Sozialrecht, die gegenüber 2025 jeweils ein Minus von 1,9 Prozent verzeichneten. Im Steuerrecht sank die Zahl der Fachanwälte um 0,6 Prozent.

Wandel auch bei Vornamen

Die Analyse wirft zudem einen Blick auf die am häufigsten vertretenen Vornamen in der deutschen Anwaltschaft. Spitzenreiter bleiben weiterhin Michael (4.423), Christian (4.204) und Thomas (3.888).

Besonders stark wächst jedoch der Anteil jüngerer Namen: Anwälte mit den Vornamen Niclas beziehungsweise Niklas legten um 13 Prozent zu, Lucas beziehungsweise Lukas um 11,7 Prozent. Auch der Vorname Mohammed in verschiedenen Schreibweisen ist mit einem Plus von zehn Prozent deutlich häufiger vertreten als noch ein Jahr zuvor.

Bei den Juristinnen führen weiterhin Maria (1.984) und Julia (1.721) die Statistik an. Anna verbesserte sich mit 1.609 Anwältinnen um einen Rang. Den stärksten Zuwachs verzeichnete der Vorname Marie mit plus 9,6 Prozent. Auch Aylin (plus 9,1 Prozent) und Lena (plus 6,8 Prozent) gehören zu den Namen mit den höchsten Zuwachsraten.

Jurafuchs sieht langfristigen Strukturwandel

Für Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert spiegelt die Entwicklung tiefgreifende Veränderungen innerhalb der Branche wider. Der steigende Frauenanteil dürfte sich seiner Einschätzung nach weiter fortsetzen, da mittlerweile rund 60 Prozent der Studienanfänger im Fach Jura weiblich seien und zugleich viele Angehörige älterer Juristengenerationen in den kommenden Jahren in den Ruhestand gingen.

Zugleich zeigten die Zahlen, wie eng wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen mit dem Rechtswesen verbunden seien. Besonders deutlich werde dies an den wachsenden Bereichen Insolvenz-, Sanierungs- und Migrationsrecht, während Familien- und Sozialrecht rückläufige Zahlen verzeichneten.

Für die Untersuchung wertete Jurafuchs insgesamt 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer aus. Grundlage für den Städtevergleich waren die 200 größten deutschen Städte. Stichtag der Datenerhebung war der 15. Juli 2026.