Die 16-Jährige Luise führt erstmal eine Motorsense. Ausbilder Thomas Stucke gibt Anweisung, Gabriele hört zunächst zu. Foto: Reiner Toppmöller

Kreis Lippe/Kalletal-Niedermeien. Pferdewirtschaftsmeister Thomas Stucke ist Eigentümer der „Reitanlage hinter dem Park“ in Kalletal-Niedermeien. Seit einigen Jahren ist er auch als Lehrer an der Kölner Berufsschule an der Humboldstraße für den Bereich Pferdewirtschaft/Werker im Bereich Inklusion tätig.


Zusammen mit Gleichgesinnten hat er im Jahr 2020 den Verein „WegBereiter e. V.“ gegründet. Der gemeinnützige Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, benachteiligte Menschen bei der Umsetzung ihrer Lebensziele zu unterstützen und nach dem Bundesteilhabegesetz auszubilden. Dazu bietet der Verein Berufs- und Weiterbildung im Bereich der Pferdewirtschaft an (die LWZ berichtete).

Damals konnte der Verein bereits den erfolgreichen Abschluss eines jungen Menschen mit Benachteiligung vermelden. Der junge Mann kam von der Justus-von-Liebig-Schule in Hannover und hatte seinen Ausbildungsbetrieb in NRW. Zusammen mit der Erich-Kästner-Schule in Bad Salzuflen eröffnete sich danach eine neue Ausbildungsmöglichkeit.

Aus der Reit-AG kam damals die 15-jährige Luise* zu einem 14-tägigen Praktikum auf die Reitanlage nach Niedermeien. Die damalige Neuntklässlerin ist inzwischen 16 Jahre alt und fühlte sich auf der Anlage so wohl, dass sie jetzt zusammen mit der 22-jährigen Gabriele* ein Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) begann.

Gabriele ist stark sehbehindert und hat nach eigenen Angaben nur noch circa zwei Prozent Sehkraft. Sie hat dennoch ein eigenes Pferd, das sie mitgebracht hat, sowie einen eigenen Assistenzhund.

Beide Frauen werden im EQJ zur Berufsschule gehen und im Laufe des Jahres im praktischen Teil mit den ganz normalen Arbeiten auf einem Pferdehof vertraut gemacht. Das EQJ ist die Vorstufe zu einer geschützten Ausbildung, die letztlich zu einem ganz normalen Abschluss als Werker in der Pferdewirtschaft führen soll. Die Ausbildung wird durch das Jobcenter finanziell unterstützt.

Gabriele wohnt während der Ausbildung im Lippischen Sehbehindertenheim und wird mit einem Fahrdienst zur Arbeit gebracht und wieder abgeholt. Der Assistenzhund, so Thomas Stucke, sorge für ihr seelisches Gleichgewicht und müsse jetzt auch das Stalleben kennenlernen. Ihre Ausbildung zur Werkerin in der Pferdewirtschaft sei derzeit schon gesichert, sie müsse aber auch den Umgang mit Menschen noch üben.

Für Luises Ausbildung müssen noch Fördermittel beantragt werden. Thomas Stucke betont aber, dass die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter hervorragend sei.

Für seinen Verein „WegBereiter“ und ihn als Ausbilder ist es die zweite Chance, benachteiligte junge Menschen bei der Umsetzung ihrer Lebensziele zu unterstützen.


* Die Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.