
In Lage gibt es offenbar deutlich mehr Menschen, die freiwillig etwas tun, als solche, die freiwillig nichts tun. Rund 300 ehrenamtlich engagierte Lagenser waren zum Ehrenamtstag der Stadt gekommen – also jene Spezies Mensch, die ihre Freizeit nicht ausschließlich auf dem Sofa, an der Fernbedienung und im Streamingdienst verbringt.
Im Mittelpunkt stand die Verleihung des Heimatpreises 2026 des Landes Nordrhein-Westfalen. Drei Vereine und Gruppen durften sich über insgesamt 5.000 Euro freuen – und über die angenehme Gewissheit, dass sich ihr freiwilliger Einsatz nicht nur in Arbeit, sondern gelegentlich auch in Geld verwandelt.
Bürgermeister Matthias Kalkreuter begrüßte die zahlreichen Vertreter der Lagenser Vereine und Institutionen und sparte nicht mit Lob. Die Ehrenamtlichen hielten die Stadt lebendig und vielfältig, betonte das Stadtoberhaupt. Eine Aussage, gegen die an diesem Nachmittag wohl niemand Einspruch erheben wollte – schon gar nicht diejenigen, die seit Jahren beweisen, dass man eine Stadt auch ohne Überstunden auf dem Rathausflur zusammenhalten kann.
Nachwuchs mit Blaulicht
Den ersten Platz und damit 2.500 Euro holten sich die Pottenhauser Feuerdrachen, die Kinderfeuerwehrgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Lage. Seit 2018 lernen die jungen Feuerwehrleute spielerisch, was es mit Brandschutz, Erster Hilfe und Feuerwehr auf sich hat. Nebenbei wird vermittelt, dass Gemeinschaft nicht nur bedeutet, gemeinsam Pizza zu essen, sondern gelegentlich auch gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Die Feuerdrachen sind damit ein besonders erfreulicher Beweis dafür, dass der Feuerwehrnachwuchs in Lage nicht erst dann auftaucht, wenn irgendwo ein Rauchmelder piept.
Gemeinschaft statt Nebeneinander
Den zweiten Platz und 1.500 Euro sicherte sich die aktivGruppe Hörste. Ihr Motto lautet: „Voneinander lernen, Toleranz entwickeln und Gemeinschaft leben.“ Dafür bringt die Gruppe geflüchtete und einheimische Menschen zusammen – beim Deutschunterricht, bei kreativen Angeboten, in Begegnungs-Cafés und bei gemeinsamen Veranstaltungen.
Kurz gesagt: Hier wird nicht lange darüber diskutiert, wie Integration funktionieren könnte. Man trifft sich einfach, redet miteinander und probiert es aus. Eine Methode, die erstaunlich altmodisch klingt – und offenbar trotzdem funktioniert.
Volldampf für die Geschichte
Auf dem dritten Platz landeten die Eisenbahnfreunde Lippe e. V. und damit bei einem Thema, bei dem Zeit ohnehin eine besondere Rolle spielt. Seit 1974 bewahren, dokumentieren und vermitteln sie Eisenbahngeschichte aus Lippe und Ostwestfalen. Dafür gibt es 1.000 Euro.
Mit Vorträgen, Ausstellungen, Führungen, ihrem Mitteilungsblatt und dem Kalender „Eisenbahn in Lippe“ sorgen die Vereinsmitglieder dafür, dass die regionale Eisenbahngeschichte nicht auf einem Abstellgleis landet. Besonders engagieren sie sich für die Sicherung und Restaurierung des historischen Bahnhofs Ehlenbruch. Und weil Geschichte bekanntlich am besten funktioniert, wenn sie nicht nur in staubigen Ordnern herumliegt, nehmen die Eisenbahnfreunde auch Kinder und Jugendliche mit auf die Reise – bei Ausstellungen und Ferienprogrammen. Nachwuchsförderung mit Volldampf sozusagen.
Heimat ist, wenn einer mitmacht
Bürgermeister Kalkreuter würdigte die drei Preisträger als Beispiele für die große Bandbreite des Ehrenamts in Lage. Ideenreichtum, Kreativität und Einsatzbereitschaft seien überall zu finden.
Den Dank richtete er allerdings nicht nur an die Preisträger, sondern an sämtliche Ehrenamtlichen. Sie sorgten dafür, dass Menschen füreinander da seien, sich begegneten und gemeinsam etwas bewegten. Genau darin liege für ihn der Kern von Heimat.
Damit hatte der Bürgermeister den vielleicht wichtigsten Punkt des Tages getroffen: Heimat ist offenbar weniger eine Frage des Ortsschildes als der Menschen, die dahinterstehen. Und in Lage stehen davon immerhin rund 300 an einem Sonntagnachmittag freiwillig auf dem Marktplatz.
Musikalisch sorgte die Band „Night Express“ der Musikschule Lage dafür, dass die Veranstaltung nicht versehentlich wie eine besonders feierliche Ausschusssitzung endete. Die vier Musiker und Sängerin Jana Edelmann lieferten den passenden musikalischen Rahmen.
Und so durfte am Ende eine Erkenntnis mit nach Hause genommen werden: Ehrenamt kostet Zeit, manchmal Nerven und vermutlich auch den einen oder anderen freien Sonntag. Aber es bringt etwas zustande. Und gelegentlich sogar einen Heimatpreis.






