Kreis Lippe. Die saisonübliche Herbstbelebung macht sich auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Lippe bemerkbar. Im September ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 335 Personen beziehungsweise 2,6 Prozent auf 12.337 gesunken.
Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Entwicklung allerdings angespannt: Damals waren 845 Menschen weniger arbeitslos. Das entspricht einem Anstieg um 7,4 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,6 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte über dem Wert vom September 2025 mit 6,1 Prozent.
Positiv macht sich bemerkbar, dass es Arbeitsuchenden derzeit vermehrt gelingt, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Von der Herbstbelebung profitieren dabei auch Menschen, die bereits länger als zwölf Monate arbeitslos waren. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den jüngeren Arbeitslosen aus. Die Jugendarbeitslosigkeit sank gegenüber August um 11,1 Prozent, was insbesondere mit dem Ausbildungsbeginn zusammenhängt.
Deutlich weniger junge Menschen arbeitslos
Im September waren im Kreis Lippe 1.394 Arbeitslose jünger als 25 Jahre. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies einen Rückgang um 174 Personen oder 11,1 Prozent. Der Vorjahresvergleich zeichnet allerdings auch hier ein anderes Bild: Im September 2025 waren 90 junge Menschen weniger arbeitslos. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl damit um 6,9 Prozent gestiegen.
Auch bei den Arbeitslosen ab 50 Jahren brachte der September einen leichten Rückgang. Mit insgesamt 4.192 Betroffenen waren 51 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent weniger arbeitslos als noch im August. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl dagegen um 243 Menschen oder 6,2 Prozent gestiegen.
Bei den Langzeitarbeitslosen verzeichnet die Statistik ebenfalls einen leichten Rückgang. Ihre Zahl sank gegenüber dem Vormonat um 13 Personen beziehungsweise 0,2 Prozent. Insgesamt sind im Kreis Lippe 5.426 Menschen länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon zählen 4.971 Personen oder 91,6 Prozent zum Grundsicherungsgeld. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 313 Personen und damit um 6,1 Prozent gestiegen.
64 Prozent zählen zur Grundsicherung
Unterschiedlich fällt das Bild bei Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung aus. In der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III waren im September 4.397 Menschen gemeldet. Das sind 271 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres stieg ihre Zahl jedoch um 438 Personen oder 11,1 Prozent.
In der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II waren 7.940 Arbeitslose registriert. Das sind 64 Menschen weniger als im Vormonat, was einem Rückgang um 0,8 Prozent entspricht. Gegenüber dem Vorjahr sind hingegen 407 Arbeitslose oder 5,4 Prozent hinzugekommen. Damit zählen 64,4 Prozent aller Arbeitslosen im Kreis Lippe zur Grundsicherung gemäß SGB II.
Unterbeschäftigung geht zurück
Auch die sogenannte Unterbeschäftigung ist im September gesunken. Insgesamt werden dabei 16.481 Personen ohne Beschäftigung erfasst. Gegenüber dem Vormonat sind das 277 Personen beziehungsweise 1,7 Prozent weniger. Anders als bei den registrierten Arbeitslosen fällt hier sogar der Vorjahresvergleich positiv aus: Die Unterbeschäftigung sank innerhalb eines Jahres um 233 Personen oder 1,4 Prozent.
Zur Unterbeschäftigung gehören neben den arbeitslos gemeldeten Menschen auch Personen, die Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld erhalten, dem Arbeitsmarkt momentan jedoch nicht zur Verfügung stehen und deshalb rechtlich nicht als arbeitslos gelten. Das betrifft beispielsweise Menschen, die an einer Fördermaßnahme teilnehmen oder sich im Mutterschutz befinden.
Mehr Stellenmeldungen als vor einem Jahr
Bei den Stellenangeboten der heimischen Wirtschaft zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Unternehmen im Kreis Lippe meldeten im September 440 neue Stellen. Gegenüber dem Vormonat waren das 24 Stellen beziehungsweise 5,2 Prozent weniger. Im Vergleich zum September 2025 wurden jedoch 89 zusätzliche Stellen gemeldet. Das entspricht einem deutlichen Plus von 25,4 Prozent.
Insgesamt befinden sich derzeit 2.492 offene Stellen im Bestand. Das sind 21 beziehungsweise 0,8 Prozent mehr als noch einen Monat zuvor und 27 Stellen oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Zusammen mit der zuletzt stabilen konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft wertet die Agentur für Arbeit diese Entwicklung als ersten Lichtblick. Gleichzeitig dürften der demographische Wandel und die Sicherung des Fachkräftebedarfs für die Zukunft nicht aus den Augen verloren werden.
Appell an Unternehmen und Beschäftigte
Mathilde Schulze-Middig, Leiterin der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn, sieht deshalb gerade in der Qualifizierung eine entscheidende Aufgabe: „Vor diesem Hintergrund kann ich nur an alle Unternehmen und Arbeitnehmer appellieren, sich frühzeitig um Qualifizierungen für die neuen Aufgabenfelder und technischen Veränderungen zu bemühen. Entscheidend ist, schon bei der Entstehung dafür zu sorgen, dass Menschen befähigt werden, mit neuen Technologien zu arbeiten und von ihren Möglichkeiten zu profitieren.“
Eine wichtige Grundlage für die berufliche Zukunft sei zudem eine Ausbildung. Schulze-Middig verweist darauf, dass trotz des bereits begonnenen Ausbildungsjahres weiterhin Chancen bestehen: „Eine gute Basis für die berufliche Zukunft legt eine Ausbildung. Die aktuell offenen Ausbildungsstellen bieten noch gute Startchancen für den diesjährigen Ausbildungsbeginn. Hierzu und zu allen Themen rund um Aus- und Weiterbildung berät die örtliche Agentur für Arbeit vollumfänglich.“






