So sehen erfolgreiche Zauberlehrlinge aus. Der Harry Potter unter den Zauberern war Helge Thun (erste Reihe, Mitte). Fotos: Detlef Drenker/MZvD.

Detmold. Wer dreimal hintereinander gewinnt, hat entweder einen verdammt guten Lauf – oder er hat die Konkurrenz verhext. Helge Thun aus Tübingen hat bei den Vorentscheidungen zur Deutschen Meisterschaft der Zauberkunst in Detmold jedenfalls alle verblüfft: Viermal trat er an, viermal landete er auf dem Treppchen.


Beim viertägigen Fachkongress des Magischen Zirkels von Deutschland (MZvD) trat Thun in gleich vier Sparten an: Comedy, Kartenzauberkunst, Close-up-Magic und Parlour Magic. Das Ergebnis dürfte selbst abgebrühte Hasen aus dem Zylinder staunen lassen: drei Siege, dazu ein zweiter Platz. In der Sparte Comedy holte er zudem die höchste Punktzahl des gesamten Wettbewerbs. Damit ist der Tübinger der unangefochtene Gesamtsieger der ersten Vorentscheidungsrunde zur Deutschen Meisterschaft. Man könnte sagen: Da hat einer nicht nur die Karten gut gemischt, sondern gleich das ganze Blatt auf seine Seite gezogen.

Insgesamt 21 Zauberkünstler haben sich in Detmold für die Deutsche Meisterschaft der Zauberkunst qualifiziert. Vor rund 200 Zauberbegeisterten und einer fünfköpfigen Fachjury präsentierten die Teilnehmer 42 Darbietungen. Dabei ging es keineswegs nur darum, ob jemand eine Münze verschwinden lassen oder eine Dame zersägen kann. Bewertet wurden auch Showmanship, magischer Gehalt, Technik, Originalität und Unterhaltungswert. Eben mal was aus dem Ärmel schütteln reicht da nicht.

Die Jury unter der Leitung von Jan Vorwerg aus Leipzig schaute deshalb genau hin. Schließlich kann man beim Zaubern zwar vieles verschwinden lassen – Punkte, die man nicht verdient hat, sollen auch nicht im Ärmel landen. Die Bewertungen erfolgten geheim. Auch bei der Jury wurde also nicht mit offenen Karten gespielt.

In neun Sparten traten die Zauberkünstler gegeneinander an – von Kinderzauberei und Mentalmagie über Kartenkunst und Großillusion bis hin zu Comedy und Close-up-Magic. Für ihre Darbietungen hatten sie höchstens zehn Minuten Zeit, in der Kinderzauberei 15 Minuten. Eine fünfköpfige Fachjury unter Leitung von Jan Vorwerg aus Leipzig bewertete neben dem zauberischen Können auch Technik, Originalität, Showmanship und Unterhaltungswert. Die Punktevergabe erfolgte geheim. Schließlich sollte wenigstens bei der Bewertung nichts aus dem Hut gezaubert werden.

So sieht die Zauberei-Medaille aus.

Der Wettbewerb war eingebettet in einen umfangreichen Fachkongress mit Seminaren, Vorträgen, Händlermesse, Sondershows, einer öffentlichen Gala und der Preisverleihung. Vier Tage lang drehte sich in Detmold alles um die Kunst, das Publikum an seinem eigenen Verstand zweifeln zu lassen. Für Zaungäste mag das nach Hokuspokus klingen. Für die Insider ist es harte Arbeit: Fingerfertigkeit, Timing, Dramaturgie und eine gehörige Portion Menschenkenntnis müssen stimmen. Denn das Publikum darf sich wundern – der Zauberkünstler weiß genau, was er tut und wo er perfekt täuscht.

Für die Qualifizierten geht die Reise weiter. Eine zweite und letzte Vorentscheidungsrunde findet vom 30. Oktober bis zum 1. November in Dreieich bei Frankfurt statt. Dort treten noch einmal rund 50 Zauberlehrlinge an. Zusammengenommen kommen die beiden Kongresse auf fast 100 Wettbewerbsnummern. Wer in seiner Sparte einen der drei vorderen Plätze belegt und die nötige Punktzahl erreicht, darf vom 9. bis zum 12. September 2027 bei der Deutschen Meisterschaft in Halle (Saale) antreten.

Seit 1975 veranstaltet der Magische Zirkel von Deutschland alle drei Jahre die Deutsche Meisterschaft der Zauberkunst. Der Wettbewerb in Halle ist zugleich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2028 im südkoreanischen Busan. Wer dort hinwill, muss also zunächst in Deutschland beweisen, dass er mehr kann, als ein Ass aus dem Ärmel zu ziehen.

Die erfolgreichen Zauberkünstler kommen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen. Sie alle dürfen sich nun auf die nächste Runde freuen. Und Helge Thun? Der kann sich schon einmal überlegen, wo er seine vier Platzierungen aufbewahrt. Im Zauberkoffer ist schließlich nicht unbegrenzt Platz.

Mit seiner Zauberkunst hätte Helge Thun selbst in Hogwarts für sprachlose Gesichter gesorgt und Harry Potter samt Hermine und Ron glatt in den Schatten gestellt – und das ganz ohne Zauberstab, aber mit jeder Menge Hokuspokus. Lord Voldemort hätte wohl verzweifelt abgelassen von seinem Plan, die Potter-Welt zaubernd zu unterwerfen. Zu groß die Gegenwehr der Muggel-Konkurrenz.

Helge Thun (Mitte) ist als bester Zauberkünstler aus der Vorentscheidung zur Deutschen Meisterschaft der Zauberkunst hervorgegangen. Jury-Leiter Jan Vorweg (links) und MZvD-Präsident Lars Tepel (rechts) überreichten ihm vier Medaillen.