
Kreis Lippe. Neues Jahr, neue Gesetze – so lautet auch 2026 wieder die Devise. Die Lipper können und müssen sich demnach mit dem Jahreswechsel auf zahlreiche Änderungen einstellen.
Insbesondere die Bereiche Arbeit, Rente und Ausbildung befinden sich im Umbruch. So können Rentner ab dem 1. Juli mit einer Rentenerhöhung von schätzungsweise 3,7 Prozent rechnen, der tatsächliche Umfang der Erhöhung wird vom Kabinett im Frühjahr festgelegt.
Einen Anreiz für längeres Arbeiten möchte die Bundesregierung mit dem geplanten Start der Aktivrente setzen: Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat und weiterhin sozialversicherungspflichtig arbeitet, darf künftig bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Insbesondere im Handwerk sollen dadurch neue Chancen entstehen.
Auch für Teilzeitkräfte wird es neue Anreize geben: Eine Prämie für Teilzeitaufstockung ermöglicht es bald, bei Mehrarbeit bis zu 4.500 Euro steuerfrei zu verdienen. Minijobber dürfen ebenfalls mehr behalten – der Mindestlohn steigt mit dem Jahreswechsel von bisher 12,82 auf 13,90 Euro, die monatliche Verdienstgrenze erhöht sich entsprechend von 556 auf 603 Euro pro Monat.
Auch in der Ausbildung steigt die Mindestausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr auf 724 Euro brutto, was einem Plus von rund 6,2 Prozent entspricht. Ab August werden zudem neue Ausbildungsordnungen für 19 Bauberufe in Kraft treten, die einen stärkeren Fokus auf Arbeits- und Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung legen. Zudem wird der Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer steigen und soll künftig 12.348 Euro betragen.
Dazu greift auch der Spitzensteuersatz von 42 Prozent zukünftig später – erst ab einem Jahreseinkommen von 69.879 Euro, was eine Verschiebung von circa zwei Prozent ausmacht. Familien profitieren ebenfalls von höheren Leistungen: Das Kindergeld steigt ab Januar auf 259 Euro und auch der Kinderfreibetrag wird auf 6.828 Euro angehoben. Ab dem 1. August erhalten zudem alle Erstklässler bundesweit einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.
Eine Änderung betrifft auch den Bereich der Gastronomie: Mit dem Jahreswechsel soll die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden. Viele Haushalte müssen sich im neuen Jahr dennoch aufsteigende Ausgaben einstellen: Die Kranken- und Pflegeversicherung wird teurer, der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt von 2,5 auf 2,9 Prozent. Auch der Preis des Deutschlandtickets steigt von 58 auf 63 Euro im Monat.
Mobilität, Klima und Bürokratieabbau
Auch beim Thema Mobilität setzt das neue Jahr neue Akzente: Reine Elektroautos bleiben steuerfrei, sofern sie bis Ende 2030 neu zugelassen oder umgerüstet werden, die Steuerbefreiung gilt dann für zehn Jahre. Darüber hinaus ist ab dem 1. Januar eine neue Kaufprämie für E-Autos geplant. Fahrzeuge bis zu einem Listenpreis von 45.000 Euro netto sollen mit 3.000 bis 4.000 Euro gefördert werden.
Zudem sollen Geringverdienern der Umstieg auf klimaneutrale Mobilität durch eine neue Prämie erleichtert werden. Zwar wird die CO2-Steuer weiter ansteigen, dies soll jedoch moderater vollzogen werden als in den Vorjahren, auf einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Damit sollen die Preise nur geringfügig zulegen.
Gleichzeitig wird die Vergütung für Photovoltaikanlagen weiterhin sinken. Im Bereich der Bürokratie soll es dafür zu Erleichterungen kommen: So könnte die Bonpflicht im Handel entfallen und digitale Steuerbescheide zum Standard werden, eine gesonderte Einwilligung würde nicht mehr notwendig sein. Außerdem soll eine Reform zur Fahrausbildung den Führerschein günstiger und digitaler machen. Somit soll es weniger Pflichtfahrten, möglichen Online-Unterricht und kürzere Prüfungen geben. Bis Ende 2026 ist zudem der digitale Fahrzeugschein geplant.
Neue Regeln und wichtige Fristen
Ein viel diskutiertes und polarisierendes Gesetz tritt zum 1. Januar in Kraft: das zunächst auf Freiwilligkeit beruhende Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Ab dem neuen Jahr sollen alle frisch Volljährigen in die Pflicht genommen werden, online einen Fragebogen auszufüllen, in welchem vor allem die Bereitschaft zu einer Wehrdienstleistung abgefragt wird.
Eine sich ändernde Frist betrifft die Führerscheine: Bis zum 19. Januar müssen zwischen 1999 und 2001 ausgestellte Führerscheine umgetauscht werden; das langfristige Ziel sieht ein in der EU bis 2033 einheitliches und fälschungssicheres Schreckkartenformat vor. Ebenfalls bis Mitte Januar endet die Frist zum Austausch alter Bleirohre in Trinkwasserinstallationen.
Ab 1. März wird die Tierhaltungskennzeichnung für frisches Schweinefleisch verpflichtend. Darüber hinaus müssen Betriebe mit entsprechender Größe bis 31. März melden, ob sie ihre Pflicht zur Beschäftigung von Menschen mit anerkannter Behinderung erfüllen. Ab Juli wird zudem das Bürgergeld voraussichtlich in Grundsicherungsgeld umbenannt, verbunden mit neuen Regeln, etwa dem Wegfall von Schonfristen bei Vermögen und Wohnen.
Politik und Kultur in Lippe und NRW
Die Städte und Gemeinden haben sich mit dem Kreis Lippe auf eine Kreisumlage von 268 Millionen Euro geeignet, was rund 7,5 Millionen mehr als im Vorjahr ist. Zudem werden Kreistag und Räte nach den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr über Themen wie Haushalt, Mobilität, Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung entscheiden.
Ein wichtiger Tag wird zudem der 19. April werden: In mehreren NRW-Städten findet ein Bürgerentscheid über eine mögliche Olympia- und Paralympics-Bewerbung statt. Neben den bis ins Frühjahr 2026 andauernden Festlichkeiten im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums des Hermannsdenkmals stehen in Lippe wieder zahlreiche Veranstaltungen an.
So statten zum Beispiel Comedienne Lisa Feller (18. März), der ehemalige Fußballfunktionär Rainer Calmund (29. Mai) sowie Musiker wie das Orchester Vahlhausen (18. April) und Joris mit dem „Takeover!Ensemble“ (19. November) der Stadthalle Detmold einen Besuch ab. In die Phoenix Contact Arena nach Lemgo kommen unter anderem die Comedians Ralf Schmitz (25. März), Paul Panzer (18. April), Chris Tall (17. Mai), Mario Barth (9. Oktober), Hazel Brugger (2. November) und Özcan Cosar (11. Dezember).
Sportliche Höhepunkte weltweit
Beim Blick über den Kreis hinaus stellt sich 2026 für die Sportwelt als Ausnahmejahr heraus: Nach den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo (6. bis 22. Februar) finden am selben Ort kurze Zeit später auch die Winter-Paralympics statt (6. bis 15. März).
Der Sommer wird im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko stehen, die zum ersten Mal mit 48 Mannschaften ausgetragen wird und 104 Spiele umfasst. Für die deutsche Nationalmannschaft startet das Turnier am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, bevor es gegen die Elfenbeinküste und Ecuador um den Einzug in die nächste Runde geht.
Aber auch Handballfans werden 2026 auf ihre Kosten kommen: Neben der Europameisterschaft der Männer (15. Januar bis 1. Februar), findet auch die EM der Frauen (3. Dezember bis 20. Dezember) im kommenden Jahr statt.




