Blick auf das langjährige Hauptverlagsgebäude des Westfalen-Blatts in Bielefeld (Sudbrackstraße), das im Juli 2024 durch einen Großbrand aufgrund eines technischen Defekts weitgehend zerstört wurde. Foto: Zefram/Wikimedia

Bielefeld/Münster/Düsseldorf. Die Medienlandschaft in Nordrhein-Westfalen könnte vor einer bedeutenden Veränderung stehen. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, hat die Rheinische Post Mediengruppe mit Sitz in Düsseldorf eine Vereinbarung zur Übernahme sämtlicher Aktien der Westfälischen Medien Holding AG getroffen.


Unter ihrem Dach erscheinen unter anderem die Westfälischen Nachrichten aus Münster und das Westfalen-Blatt aus Bielefeld. Beide Seiten bestätigten, dass der Kauf noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes stehe. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart.

Nach Einschätzung der Rheinischen Post Mediengruppe würde das Unternehmen mit der Übernahme zur auflagenstärksten Verlagsgruppe für Tageszeitungen im Heimatmarkt Nordrhein-Westfalen aufsteigen. Vorsitzender Johannes Werle bezeichnete die Investition als klares Signal für die Bedeutung regionalen Qualitätsjournalismus. Gleichzeitig betonte er laut WirtschaftsWoche, dass alle neu hinzukommenden Titel ihre lokale Verankerung behalten sollen.

Die beiden westfälischen Zeitungshäuser hatten erst 2019 ihre Kräfte gebündelt und ihre Aktivitäten in der Westfälischen Medien Holding AG zusammengeführt. Neben den Westfälischen Nachrichten und dem Westfalen-Blatt erscheinen dort auch die Münstersche Zeitung, das Westfälische Volksblatt und die Allgemeine Zeitung Coesfeld. Die bisherigen Verleger Dr. Benedikt und Dr. Eduard Hüffer erklärten, die Trennung vom traditionsreichen Zeitungsgeschäft falle schwer, zugleich setze man aber auf die Vorteile eines größeren Verbundes.

Die Rheinische Post Mediengruppe zählt nach eigenen Angaben zu den auflagenstärksten regionalen Zeitungsverlagen Deutschlands. Rund 2.800 Beschäftigte arbeiten für den Konzern, der 2024 einen Umsatz von etwa 470 Millionen Euro erzielte. Neben Titeln in Nordrhein-Westfalen, darunter der Bonner General-Anzeiger, hält das Unternehmen Mehrheitsanteile an der Saarbrücker Zeitungsgruppe, zu der die Saarbrücker Zeitung, der Trierische Volksfreund und der Pfälzische Merkur gehören.

Die geplante Übernahme ruft jedoch auch politische Kritik hervor. NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) sprach von einem möglichen Verlust an Medienvielfalt. Nach der jüngsten Ankündigung von DuMont, die Kölnische Rundschau zu übernehmen, sei dies bereits der zweite Einschnitt für den Medienstandort Nordrhein-Westfalen innerhalb weniger Wochen. Liminski warnte zudem vor Unsicherheiten für die Belegschaften und forderte einen fairen Umgang mit den Beschäftigten.

Wie das Bundeskartellamt über den geplanten Zusammenschluss entscheidet, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Übernahme die Struktur der regionalen Zeitungslandschaft in NRW nachhaltig verändern würde.