
Kreis Lippe. Neue Windräder braucht das Land. Aber wo sollen sie aufgestellt werden? Viel Wirbel hat der Plan ausgelöst, Rotoren im Umkreis der Gausegöte zu installieren. Die Gegner des Vorhabens beklagen, dass teilweise ein gesunder, über 10 Meter hoher Aufwuchs, bestehend aus Laub- und Fichtenwald, sowie eine standortgerechte fortgeschrittene Naturverjüngung großflächig vernichtet worden ist. Und das, obwohl anhängige Klagen gegen das Winkraft-Projekt noch gar nicht entschieden worden sind.
Gegner des Plans weisen darauf hin, dass Volker Ammer von den „Nationalparkfreunden OWL“, ein „ausgewiesener Kenner der Gauseköte“, schon vor Jahren aufgezeigt habe, dass die Flächen nicht, wie von den Investoren behauptet, devastiert, also von Stürmen, Borkenkäfer und Trockenheit zerstört wurden. Mit dieser Behauptung, die nachweislich falsch sei, «wurde die Öffentlichkeit falsch informiert und irregeleitet, um eine höhere Akzeptanz von Windkraft im Wald zu erreichen».
Beim Projekt «Windkraft im Wald» geht es der Idee nach darum, «Kalamitätsflächen» zerstörten Waldes bis zum Aufwuchs neuer, gesunder Bäume vorübergend für die Energie-Ernte durch Windkraftanlagen zu nutzen. Der Wald braucht nach dieser Idee eine Regenerationszeit, die der «Lebenszeit» von Windkraft-Rotoren entspricht. Die sollen am Ende ihres Funktionierens abgerissen werden, um dem neuen Wald Platz zu machen.
Die „Nationalparkfreunde OWL“, die Ortsgruppe des BUND Lippe-Südost und die Stadtverordnete der Linken in Horn-Bad Meinberg, Diana Ammer, kritisieren das Vorgehen von Stephan Prinz zur Lippe und dem Windkraft-Investor „Westfalen-Wind“ scharf.
„Hier wurden Tatsachen geschaffen, obwohl die Klage des BUND NRW beim Oberverwaltungsgericht noch anhängig ist und keine Rechtssicherheit herrscht“, bringt es Nicole Heithecker vom BUND Lippe-Südost auf den Punkt. „Es darf nicht sein, dass der Rechtstaat hier ignoriert wird. Die Energiewende darf nicht als Deckmantel instrumentalisiert werden, um den wirtschaftlichen Interessen der Investoren und Eigentümer den Weg zu bahnen.“
Nach einem Bericht der LZ vom 18. März handelt es sich bei den Rodungen tatsächlich um Arbeiten für den von „Westfalen-Wind“ geplanten Windpark auf dem Land des Hauses zur Lippe. „Das sind erste bauvorbereitende Maßnahmen, die auch die Rodung von naturverjüngten Beständen beinhalten können“, gibt das Windenergie-Unternehmen bekannt. Grundsätzlich gelte, dass alle Flächen, die für den Bau von Windkraft benötigt werden, an anderer Stelle mindestens gleichwertig aufgeforstet werden müssen. „Zudem müssen wir auch Verbesserungsmaßnahmen im Bestandswald durchführen. Das heißt, es geht kein Wald verloren“, so Unternehmenssprecherin Sonya Harrisson.
Hintergrund:
Der BUND NRW hat im Mai 2025 Klage gegen die Genehmigung von sieben Windkraftanlagen auf der Gauseköte (Teutoburger Wald) eingereicht. Die Klage, unterstützt von weiteren Naturschutzverbänden (NABU, Lippischer Heimatbund), richtet sich gegen Baugenehmigungen des Kreises Lippe in einem ökologisch wertvollen „Bereich zum Schutz der Natur“.
Kernpunkte der Klage:
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- Naturschutzverletzungen: Die Verbände sehen gravierende Verstöße gegen Natur- und Landschaftsschutz, da die Windräder in einem sensiblen Waldkammbereich geplant sind.
- Regionalplan-Widerspruch: Die Projekte widersprechen laut BUND dem rechtsgültigen Regionalplan.
- Verfahrensfehler: Es werden unzureichende Antragsunterlagen und ein zu hoher Zeitdruck bei der Genehmigung durch den Kreis Lippe beanstandet.
- Breiter Widerstand: Neben dem BUND NRW unterstützen die BUND-Kreisgruppe Lippe, der NABU Lippe, der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge und der Lippische Heimatbund die Klage.
Der Regionalrat Detmold habe genau vor einem Jahr den neuen Regionalplan beschlossen, dabei Windkraftanlagen im Wald grundsätzlich ausgeschlossen und 14.090 Hektar Windenergieflächen ausgewiesen. «Die jetzt gerodeten Flächen auf der Gauseköte liegen außerhalb der im Regionalplan für vorgesehenen Windenergie vorgesehenen Bereiche», beklagen die Projekt-Gegner.
«Hier werden nicht nur die Belange des Naturschutzes, des Tourismus, der Naherholung und des Gemeinwesens konterkariert und unter dem Deckmantel „Energiewende“ und „Eindämmung des Klimawandels“ verschärft. Demokratisch getroffene Entscheidungen des Regionalrats und rechtsstaatlicher Institutionen, in diesem Fall das höchste Gericht NRW, werden ignoriert», resümmiert Diana Ammer von «Die Linke» im Rat der Stadt Horn-Bad Meinberg.
Die „Nationalparkfreunde OWL“ haben in ihrer Petition „Keine Windkraftanlagen in den Wäldern des Naturparks Eggegebirge/Teutoburger Wald“ fast 13.000 Unterschriften gesammelt. Der Rat der Stadt Horn-Bad Meinberg, verschiedene Vereine und Verbände und viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich immer wieder klar positioniert.
„Und trotzdem werden die Belange des Naturschutzes und des Artenschutzes hier bewusst missachtet, obwohl sie von herausragender Bedeutung für das Gemeinwohl sind, hinter der die finanziellen Interessen einzelner Grundstückseigentümer, Projektierer und Großinvestoren zurückstehen müssen“, meint Günter Till, Vorsitzender der „Nationalparkfreunde OWL“.
Die Projektgegner machen geltend:
«Die Gauseköte liegt im Kernbereich des Teutoburger Waldes, dessen Waldkorridor sich bis zum nordwestlichen Ende des Teutoburger Waldes hinter Ibbenbühren fortsetzt, im Zentrum des deutschen Waldverbundes. So ist die Gauseköte strategisch von herausragender Bedeutung für die Artenvielfalt in NRW und ganz Deutschland. Ein intakter und artenreicher Wald an diesem Drehkreuz der Biodiversität ist elementar für die Belange des Artenschutzes und böte hervorragende Vorraussetzungen für einen Nationalpark in Ostwestfalen-Lippe.
Östlich des Teutoburge Waldes liegt das nördlichen Ende des Waldbandes des Eggegebirges, ein langgestrecktes, geschlossenes, unzersiedeltes Waldgebiet. Das Eggegebirge ist Teil mehrer bedeutsamer Biotopverbundachsen und Wildtierwanderkorridore zwischen verschiedenen Waldgebieten in NRW, Niedersachsen und Nordhessen.
Gerade so seltene Wildtierarten wie die Wildkatze, Uhu, der Schwarzstorch oder Wanderfalken sind darauf angewiesen, dass die oft kleinen Biotope, in denen sie gute Lebensbedingungen vorfinden, durch Wald mit möglichst wenigen und kleinen Unterbrechungen miteinander verbunden sind, damit zwischen den verschiedenen regionalen Populationen durch Wildwanderungen den für den Erhalt der Arten so wichtige genetische Austausch erfolgen kann.
Nach Süden hin reicht dieses Waldband mir nur kleinen Lücken sogar bis zum Nationalpark Kellerwald. Eine weiterer Biotopverbund führt an Marsberg vorbei hinein ins Sauerland und findet seine Fortsetzung im Rothaargebirge. Durch die Flussauen der Nethe sind das Weserbergland, der Solling, der Reinhardswald und der Meißner mit dem Eggegebirge verbunden.»




