
Lage. Alles andere als schön: Im Repair Café geht es um Mode, aber nicht um die schillernde Seite, sondern die dunklen, hässlichen Aspekte ihrer Turbo-Variante. »Fast Fashion« als Komplex von Ausbeutung, Verschwendung und Umweltzerstörung. Die Fairtrade-Gruppe Lage, der Förderverein Stadtbücherei und das Repair Café haben zu einem Vortrag unter dem Titel „Fast Fashion und ihre Folgen für Menschen und Umwelt“ eingeladen.
Referent war der bekannte Nachhaltigkeitsexperte und Autor Frank Herrmann, der sich seit vielen Jahren mit fairen Lieferketten, globalen Produktionsbedingungen und klimafreundlichem Konsum beschäftigt. In seinem Vortrag zeigte er eindrücklich, wie die Modebranche in immer kürzeren Abständen neue Kollektionen auf den Markt bringt, über soziale Netzwerke aggressiv bewirbt und so einen regelrechten Kaufrausch befeuert – mit gravierenden Folgen entlang der gesamten Lieferkette.
Anhand konkreter Beispiele erläuterte Herrmann, unter welchen Bedingungen viele Kleidungsstücke in Niedriglohnländern gefertigt werden: niedrige Löhne, überlange Arbeitszeiten, fehlende Arbeitssicherheit und häufig mangelnder Schutz von Gewerkschaftsrechten. Er machte deutlich, dass der Preis an der Ladenkasse nicht die wahren Kosten widerspiegelt, denn Umweltfolgen und soziale Schäden werden in den Produktionsländern „ausgelagert“. Die Zuhörer erfuhren, wie der enorme Wasserverbrauch in der Baumwollproduktion, der Einsatz von Pestiziden sowie Chemikalien in Färbereien ganze Regionen belasten und zur Verschmutzung von Böden und Gewässern beitragen. Auch die wachsenden Textilmüllberge, die in vielen Ländern des globalen Südens landen und dort Deponien und Ökosysteme überlasten, wurden thematisiert.
Ein Schwerpunkt des Abends lag darauf, Alternativen zur Wegwerfmode aufzuzeigen. Herrmann machte deutlich, warum „weniger oft mehr“ ist: Wer weniger, dafür langlebige, reparierbare und fair produzierte Kleidung kauft, schont nicht nur die Umwelt, sondern unterstützt auch bessere Arbeitsbedingungen. Vorgestellt wurden unter anderem Secondhand-Läden, Tauschbörsen, Kleidertauschpartys, Repair-Initiativen sowie faire Mode-Labels, die transparent über ihre Produktionsketten informieren und auf ökologische Materialien setzen. Das Repair Café als Veranstaltungsort bietet dafür den idealen Rahmen: Hier können die Menschen regelmäßig Kleidung und andere Gegenstände reparieren lassen oder selbst reparieren und so der Wegwerfmentalität ganz praktisch etwas entgegensetzen.
In der anschließenden Diskussion interessierte sich das Publikum vor allem für ganz konkrete Schritte im Alltag: Woran erkenne ich faire Mode? Wie kann ich meinen eigenen Kleiderschrank nachhaltiger gestalten? Welche Siegel helfen bei der Orientierung? Herrmann gab praxisnahe Tipps – vom bewussteren Umgang mit Werbung in sozialen Medien über den kritischen Blick auf Schnäppchenangebote bis hin zur Pflege von Kleidung, damit diese möglichst lange genutzt werden kann.
Die Veranstalter betonten, dass der Vortrag Teil eines längerfristigen Engagements für mehr Nachhaltigkeit in Lage ist: Fairtrade-Gruppe, Stadtbücherei und Repair Café arbeiten gemeinsam daran, Bildung für nachhaltige Entwicklung vor Ort erlebbar zu machen und Menschen zum Handeln zu ermutigen.
Erste Maßnahme des Fördervereins: Die lesenswerten Bücher von Frank Herrmann werden für die Stadtbücherei angeschafft, wo sie dann jedermann zur Verfügung stehen.
- Fair einkaufen – aber wie?
- Der Mächtigen Zähmung – Warum Konzerne klare Spielregeln brauchen
- FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen




