
Lemgo. Das vergangene Jubiläums-Schützenjahr wird den Lemgoer Schützen in Erinnerung bleiben als Zeit intensiver Höhen und Tiefen. Bei der jüngsten Generalversammlung zog die Schützengesellschaft eine umfangreiche Bilanz und gab zugleich einen Ausblick auf kommende Herausforderungen und Veränderungen.
Oberst Jörg Mayer brachte das 450‑jährige Vereinsjubiläum treffend auf den Punkt: Es habe sich angefühlt wie eine turbulente Karussellfahrt mit vielen schnellen Umdrehungen.
Auch wenn ein Großteil des Jubiläumsjahres bereits abgeschlossen ist, steht das kommende Schützenfest vom 28. bis 31. August dieses Jahres noch unter dem besonderen Zeichen des Jubiläums. Vier Tage lang sollen alle Lemgoer sowie die Mitglieder der Schützengesellschaft gemeinsam feiern.

Überschattet wurde die Versammlung jedoch vom angekündigten Rücktritt des langjährigen Obersts Jörg Mayer. Am Schützenfest-Montag will er sein Amt niederlegen, wie er vor den anwesenden 142 Mitgliedern erklärte. Von insgesamt 1.414 Vereinsmitgliedern waren sie zur Generalversammlung erschienen.
Nach vielen Jahren an der Spitze sei für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen. Er habe vieles angestoßen und abgeschlossen, sagte Mayer, selbst das Dach des Schützenhauses sei inzwischen wieder dicht. Für eine erneute Kandidatur werde er daher nicht mehr zur Verfügung stehen. Seinen Rückblick auf das Jubiläumsjahr verband Mayer offen mit dem Hinweis auf die Belastungen, die diese Zeit für den Verein mit sich gebracht habe.
Inhaltlich bot die Versammlung einen breiten Überblick über Erfolge, Probleme und strukturelle Veränderungen. Zu den Highlights des Jahres zählten die Aufnahme der Schützengesellschaft in das immaterielle Kulturerbe, die Verleihung der Schützenplakette des Landes Nordrhein-Westfalen sowie sichtbare Zeichen der Vereinsidentität wie das Schützen-Ampelmännchen. Außerdem konnten Renovierungsarbeiten am Schützenhaus angestoßen und begonnen werden.
Finanziell hingegen blieb das Jubiläumsjahr hinter den Erwartungen zurück. Vor allem der Kartenverkauf für die Jubiläumsveranstaltungen, insbesondere für das Open-Air, blieb deutlich unter den Hoffnungen, sodass das Jahr mit einem spürbaren Minus abgeschlossen wurde.
Verschärft wurde die Lage durch Veränderungen bei den Mietern im Schützenhaus. Nach der Beendigung der Verträge mit dem Tanztreff Hey und der Firma JT-Events verzeichnete der Verein einen Einnahmenrückgang von mehr als 30 Prozent, was rund 50.000 Euro pro Jahr entspricht.
Neue Nutzer wie „TeVita Gesund & Fitness“, das ehrenamtliche Nachbarschaftskaffee sowie der nach mehr als 40 Jahren zurückgekehrte Spielmannszug Blau‑Weiß, der nun freitags probt und an diesem Abend drei Ständchen spielte, konnten diese Verluste bislang nicht ausgleichen.
Auch das kommende Schützenfest steht unter finanziellem Druck. Schatzmeister Daniel Becker kündigte an, dass das sogenannte Fähnchengeld von bislang 35 auf 50 Euro erhöht werden müsse. Ohne diese Anpassung würde das Fest mit einem erheblichen Minus enden, erklärte er.
Zudem sei für das Jahr 2027 eine Beitragserhöhung dringend erforderlich, konkrete Zahlen könnten jedoch noch nicht genannt werden. Becker brachte es deutlich auf den Punkt: Das Schützenfest sei schon lange kein Schnäppchen mehr. Aus Kostengründen werde daher am Schützensamstag das Konzert der Musikfreunde Schwelentrup entfallen.
Um die finanzielle Lage zu stabilisieren, wurde ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem bereits 2.100 Euro eingegangen sind. Zusätzlich beteiligt sich der Verein an der Aktion „Marktkauf lässt die Vereinskasse klingeln“, bei der Schützen ihre Gesellschaft mit einem Prozent ihres Einkaufs unterstützen können.
Neue Akzente setzt der Verein auch organisatorisch. Durch eine Satzungsänderung ist künftig erstmals eine Schützenkönigin möglich, die sich dann einen Schützenkönig wählen kann. Das neue Königspaar darf seinen Thron eigenständig zusammenstellen.
Passend dazu wurden neue Königsketten angeschafft, die Iris und Daniel Becker gespendet haben. Die Kette für die Königin konnte bereits besichtigt werden. Zudem informierte Jörg Mayer, dass die Thronpaare sowohl aus der eigenen Kompanie stammen als auch aus dem Freundes- oder Familienkreis kommen können.
Abschließend gab der Vorstand einen kurzen Ausblick auf kommende Termine, darunter das Pfingstkonzert am 25. Mai im Abteigarten sowie der Karneval am 14. November im Schützenhaus.
Einen würdigen Abschluss der Versammlung bildeten die Ehrungen für 40 Jahre Vereinszugehörigkeit. Ausgezeichnet wurden Stefan Sasse, Ulrike Moll, Monika Rausch, Peter Lüssem, Peter Magowsky, Stefan Raabe, Gerd Lemm, Werner Petersen, Wilhelm‑Hermann Tellmann, Sebastian Sauerländer, Ernst Joachim Noack, Dirk Brand, Karsten Meier und Klaus‑Detlev Gerres.



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